Obama oder Edwards oder ?

Nennt mich wankelmütig. Nennt mich ein Blatt im Wind. Kann sich der Mann denn gar nicht entscheiden? Sagt erst: Gore! Nun gut, dafür sei er entschuldigt, denn wenn der Star nicht möchte, möchte er nicht. Dass Ruuuuudy 9/11 Superstar Giuliani nicht in Frage kommt, ist nachvollziehbar. Dann aber sagt er: Hillary. Gut, nicht mit letzter Überzeugung, eher mit einer großen Portion Pragmatismus. Schön, wenn das Herzblut fehlt, ist es meist nicht weit bis zum Abschied. Kürzlich aber sagt er dann: Obama! Ja, the charming boy, der Junge Wilde, der Unverbrauchte! Obama war offenbar nicht gut genug, denn dann wurde im Naivität angelastet: Er wolle zu viel Ausgleich, aber das gehe nie gut.

Ausgleich mit Haien, das weiß man spätestens seit „Findet Nemo“, bilden
sich seit je her nur Goldfische ein. Daher: Edwards! Der Anwalt der Entrechteten, der sich nicht zurück nimmt in seiner Kritik am industriellen Establishment. Nun das: Bob Cesca von der Huffington Post hat Edwards in 2004 unfreiwillig exakt beobachtet:

„On the Democratic side, John Edwards is a tough call because he has the right idea. But there was a thing with Edwards from 2004 that I can’t seem to shake. And I’ve really, really tried. During one of the primary debates, Howard Dean stood up to answer a question. As was the campaign fashion at the time, Dean rolled up his sleeves. Then, behind him, I spotted John Edwards whose eyes suddenly widened at Dean’s sleeve-rolling as if to say, Oh crap, I should roll up my sleeves now
or else I won’t be awesome like Howard. Then he quickly rolled up his sleeves. It was an awkwardly candid moment which revealed a lack of originality and, for my admittedly nitpicky tastes, a little too much of the staged illusion of it all. But most importantly, I imagined him exhibiting the same derivative behavior when voting with the president
on Iraq.“

Nein, das zeugt tatsächlich nicht von Größe. Nun möchte man sagen: Das war 2004. Die Sache ist die: Der Charakter ändert sich nicht. Stimmt die Momentaufnahme, die Cesca in 2004 machte, stimmt das stimmige Bild von
Edwards in 2008 nicht mehr.

Und Obama? Lernt er vielleicht doch rasch genug, um seine Ausgleichs-Ideale kurzfristig über Bord zu werfen? War diese Haltung vielleicht seit je nur Fassade, um den Versöhner zu mimen?

Charaktermängel jedenfalls sind nie entschuldbar. Hear me, George W.? Sollte das für John Edwards zutreffen? Ich weiß es nicht, aber Bob, der keinen Mist erzählt, verunsichert mich….

Sagt jemand „Politiker sind eh alle gleich!“ ?. Dummkopf. Geh Kerner gucken!

Obama? Vielleicht doch Obama….

— Schlesinger