Ist Hillary Clinton lesbisch?

Kleine Einführung „for absolute beginners“ in das Schmieren- und Verleumdungstheater, das die „konservative“ US Szene inzwischen beherrscht, wie hierzulande nur der Hinkefuß vor inzwischen 50 Jahren:

– Man lanciere Gerüchte beliebiger Art (wofür sich das Internet in einzigartiger Weise eignet)
– man sorge dafür, dass eine renommierte Presse in irgendeiner Weise Bezug darauf nimmt (wobei es überhaupt keine Rolle spielt, ob in positiver, neutraler oder ablehnender Haltung)
– man verwende diese Erwähnung in seinem Sinne, nach dem Motto „Wie die die renommierte Zeitung / Sender / Blog XY berichtete…“ und
– schon hat man gewonnen!
Beispiel: das stark frequentierte rechte Blog rightpundits.com stellt die Frage

„Huma Abedin is Hillary Clinton’s Lesbian Lover?“

Das ist trivial und wie von dieser Seite gewohnt gut gemacht: Es ist keine Behauptung oder keine Tatsachendarstellung, sondern nur eine Frage. Fragen darf jeder stellen. Hat Senatorin Clinton eine Verhältnis zu ihrer Assistentin Huma Abedin?

Dann wird Bezug genommen auf niemand Geringeres als die britische TIMES. Dort wird zwar vehement ablehnend berichtet über den widerlichen Lügen- und Intrigensumpf im Wahlkampf (Ist Barack Obama ein islamistischer Extremist?), aber das tut dem Zweck von rightpundit keinen Abbruch: Sie schreiben

„…Huma Abedin, rumored to be Hillary Clinton’s lesbian lover. See her photos. We cannot confirm nor deny the sensational claims reported in a leading British newspaper…“

Scheinheilig wird behauptet, dass man diese Gerüchte weder bestätigen noch wiederlegen könne, dem Leser wird jedoch suggeriert
„aber wenn schon die große britische TIMES darüber berichtet…“.

Fertig ist das Schmierengerücht, und nun müssen die derart mit Dreck Beworfenen sehen, wie sie damit zurecht kommen.

Sehr förderlich für das Gerücht ist in diesem Fall der Umstand, dass das Äußere der besagten Assistentin von Hillary dazu angetan ist, die Phantasie des Lesers anzuregen:

Das natürlich ist Bestandteil der Kalkulation. Eins, zwei, drei: Alles keine Hexerei!

Und wie das so ist im Zeitungsgewerbe: Eine Nachricht ist besser als keine Nachricht. Also wird fleissig nachgedruckt. In diesem Fall auch im deutschsprachigen Raum wie zum Beispiel auf www.nachrichten.ch
Dort wird es so wiedergegeben, wie es sich die Pundits wünschen: hier das Gerücht, dort das Dementi (von Clinton). Ohne Bewertung. Die bleibt dem Leser überlassen. Mit anderen Worten: Die Bestimmung der wahren Umstände gleicht einem Münzwurf.

Übrigens, liebe Pundits: Ihr habt Eure Hausaufgaben nur zur Hälfte gemacht. Ihr hättet noch darauf eingehen müssen, dass sie Halbmuslime aus Pakistan ist. Das ist doch auch das Rückzugsgebiet der Taliban…. Klingelts?

— Mark