Geschichte von Israel und Palästina
Damaskus Tor in Jerusalem (circa 1940)

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Geschichte von Israel und Palästina in Daten
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1862

Rom und Jerusalem – Die letzte Nationalitätenfrage“
Der jüdisch-französische Philosoph Moses Hess gibt sein Haupt-Werk  heraus. Darin spricht er sich für eine jüdische Rückkehr nach Palästina aus. Er wirbt für den Aufbau einer sozialistischen Gesellschaft, die sich vor allem der Landwirtschaft widmen soll. Unter Zionisten gewinnt der von Hess geprägte Begriff „Rücknahme des Bodens“ im Lauf der Zeit große Popularität.

1882

1882 – 1903
Erste Alijah
Die erste zionistische Einwanderungswelle kommt nach Palästina (20.000 bis 30.000 Personen). Alijah kommt aus dem Hebräischen und bedeutet soviel wie „Aufstieg“. Damit ist sowohl der geografische Anstieg nach Jerusalem gemeint, als auch eine spirituelle Erhebung die mit der Einwanderung verbunden sein soll.

1886

16. Oktober 1886
Geburt von David Ben Gurion
Im polnischen Plonsk wird David Gruen geboren, der als David Ben Gurion zum Staatsgründer Israels wird.

1891

Reisebericht von Ahad Ha’am

Ahad Ha’am, mit bürgerlichem Namen Asher Ginzberg und einer der populärsten zionistischen Denker seiner Zeit, schreibt nach einer Palästina-Reise:

Die jüdischen Siedler behandeln die Araber mit Feindseligkeit und Grausamkeit, betreten widerrechtlich ihr Land, schlagen sie schamlos ohne hinreichenden Grund und sind sogar stolz darauf.

Die Juden waren Sklaven im Land ihres Exils, und plötzlich befinden sie sich in grenzenloser wilder Freiheit […].

Diese plötzliche Veränderung hat in ihren Herzen eine Neigung zur Tyrannei erzeugt, wie es immer geschieht, wenn Sklaven zu Herrschern werden.

1896

Das Buch „Der Judenstaat“ von Theodor Herzl erscheint in Wien. Das Werk des österreichischen Publizisten gilt als Gründungs-Schrift des politischen Zionismus, und erfährt große Resonanz unter europäischen Juden.

Über den Antisemitismus schreibt Herzl:

In Russland werden Judendörfer gebrandschatzt, in Rumänien erschlägt man ein paar Menschen, in Deutschland prügelt man sie gelegentlich durch, in Österreich terrorisieren die Antisemiten das ganze öffentliche Leben, in Algerien treten Wanderhetzprediger auf, in Paris knöpft sich die sogenannte bessere Gesellschaft zu, die Cercles schließen sich gegen die Juden ab.

Herzl wird zur zentralen Figur des politischen Zionismus.

1897

29. – 31. August 1897
Erster Zionistischer Kongress in Basel

Die Leitung hat Theodor Herzl. Das sogenannte Baseler Programm wird angenommen. Der Kernsatz lautet:

Der Zionismus erstrebt die Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina für diejenigen Juden, die sich nicht anderswo assimilieren können oder wollen.

Herzl sagt später dazu:

Fasse ich den Baseler Congress in ein Wort zusammen – das ich mich hüten werde öffentlich auszusprechen – so ist es dieses: in Basel habe ich den Judenstaat gegründet. Wenn ich das heute laut sagte, würde mir ein universelles Gelächter antworten. Vielleicht in fünf Jahren, jedenfalls in fünfzig wird es Jeder einsehen.

1904

1904 – 1914
Zweite Alijah

Die zweite Einwanderungswelle kommt hauptsächlich aus Russland und Polen (35000 bis 40000 Personen)

03. Juli 1904
Theodor Herzl stirbt

1909

11. April 1909
Gründung von Tel Aviv

1910

25. Oktober 1910
Gründung des ersten Kibbuz Degania
Das prominenteste Gründungsmitglied war Aharon David Gordon, der viel zur Entstehung und Festigung des „Pioniergeistes“ vor der Gründung Israels beitrug. Der populärste Bewohner Deganias war der spätere General Moshe Dayan.

1914

28. Juli 1914
Beginn des Ersten Weltkriegs

2. August 1914
Osmanisches und Deutsches Reich schliessen Kriegsallianz

Die Türken werden Bündnispartner Deutschlands. Ihr Herrschaftsgebiet umfasst einen großen Teil des Vorderen Orients einschließlich des heutigen ganzen Libanon, Syrien, Palästina, Jordanien und Teilen des  Irak und Saudi-Arabiens („Hedschas“).

1915

McMahon Zusage

Ab 1915 verhandelt der britische Hochkommissar von Ägypten Sir Henry McMahon mit Scherif Hussein von Mekka, um  die Stämme des Hedschas zur Revolte gegen die osmanische Herrschaft zu bewegen.
McMahon verspricht Hussein, dass England nach dem Krieg die Schaffung eines unabhängigen arabischen Staates unter Führung von Hussein unterstützen wird.

Januar 1915
Großbritannien beginnt Eroberung des Sinai und Palästinas

 

1916

16. Mai 1916
Sykes-Picot-Abkommen

In einem geheimen Vertrag legen England (Sir Marc Sykes) und Frankreich (Francois Picot) fest, dass und wie sie nach dem Ende des Ersten Weltkrieges den Nahen und Mittleren Osten unter sich aufteilen wollen.
Das Abkommen steht im direkten Gegensatz zur britischen McMahon-Zusage vom Jahr zuvor an Scherif Hussein.

1917

2. November 1917
Balfour-Erklärung

Englands Außenminister Lord Arthur James Balfour gibt die sogenannte Balfour-Erklärung heraus: England verspricht den Juden bei der Gründung einer „nationalen Heimstätte in Palästina“ zu helfen.
Das ist einer der letzten Akte des Kolonial-Zeitalters, da eine europäische Großmacht mit einem Federstrich über die Zukunft eines nicht-europäischen Landes entscheidet.
Die Balfour-Erklärung steht im Gegensatz zur McMahon-Zusage an Scherif Hussein zwei Jahre zuvor.

9. Dezember 1917
Allenby erobert Jerusalem

General Allenby, der britische Oberbefehlshaber der englischen Palästina-Expedition, erobert Jerusalem.

1918

30. Oktober 1918
Osmanisches Reich kapituliert

Großbritannien hat die osmanisch-deutschen Kräfte im Vorderen Orient besiegt. Die Türken kapitulieren im Frieden von Mudros. England wird damit zur Besatzungsmacht in Palästina und Jordanien. England wird 1922 vom Völkerbund das Mandat über diese Gebiete bekommen.

1919

1919 – 1923
Eine Dritte Alijah kommt überwiegend aus Russland (ca. 350.00 Personen)

1920

1920 – (heute ?)
Das Prinzip „Jüdische Arbeit“

David Ben Gurion proklamiert das Prinzip der „jüdischen Arbeit“: Jüdische Betriebe sollen Juden anstellen, keine Araber.

Februar 1920
Arabische Demonstrationen in Jerusalem

In Jerusalem demonstrieren zahlreiche Araber für die Vereinigung Syriens und Palästinas. Richard Meinertzhagen, Englands leitender politischer Offizier in Palästina, und W.F. Stirling, englischer Gouverneur von Jaffa, sehen die Franzosen im Libanon als Drahtzieher der Unruhen, um die britische Position in Palästina zu schwächen. Das ist eine plausible Annahme, da die Briten ihrerseits vieles unternommen haben, um die Position der Frankreichs in Syrien und dem Libanon zu untergraben.

04.-07. April 1920
Nebi Musa Unruhen in Jerusalem

Beim großen jährlichen Nebi Musa Fest halten arabische Anführer in Jerusalem politische Reden gegen die britischen Besatzer und gegen die jüdische Einwanderung. Es kommt zu Auseinandersetzungen zwischen Arabern und Juden. Die britische Polizei benötigt vier Tage um Ordnung zu schaffen. Fünf Araber und vier Juden kommen zu Tode. Die jüdische Seite wirft England antisemitische Parteilichkeit vor. Englands Premier Lloyd George kündigt an, den Militärgouverneur durch einen zivilen Hochkommissar zu ersetzen (Herbert Samuel).

19. – 26. April 1920
Konferenz von San Remo

Im italienischen San Remo findet eine Konferenz der Siegermächte des Ersten Weltkriegs statt. Großbritannien erhält das Mandat für Palästina und den späteren Irak. Frankreich wird Mandatsmacht von Syrien und dem Libanon.

Juni 1920
Gründung der Haganah

Angesichts der Nebi Musa Unruhen vom April desselben Jahres gründet der Jishew – die jüdische Gemeinde Palästinas – die bewaffnete Miliz Hagana. Sie ist der Vorläufer der späteren regulären Armee Israels (IDF).

13. Juni 1920
Der Völkerbund überträgt Großbritannien das Mandat über Palästina. Das Mandat wird 1948 enden.


1. Juli 1920
Sir Herbert Samuel wird Hochkommissar für Palästina

Der bisherige britische Militärgouverneur Allenby sieht in der Ernennung des erklärten Zionisten Samuel eine große Gefahr für den Frieden in Palästina: Die Araber würden das als ersten Schritt der Übergabe des Landes an die Juden ansehen.

15. Dezember 1920
Gründung der jüdischen Gewerkschaft Histadrut

1921

Mai 1921
U.S. Emergency Quota Act
In Amerika wird ein verschärftes Einwanderungsgesetz erlassen, das durch eine Quotenregelung auch die jüdische Immigration stark einschränkt. In den vierzig vorangegangenen Jahren waren fast alle ost-europäischen Juden nicht nach Palästina, sondern nach Amerika ausgewandert. Erst mit Erlass dieses Einwanderungsgesetzes wird Palästina zum Mittelpunkt jüdischer Einwanderung.

1. Mai 1921
Ausschreitungen gegen Juden in Jaffa

Bei jüdischen 1.Mai-Kundgebungen rivalisierender Kommunisten und Sozialisten im arabisch-jüdischen Teil von Jaffa kommt es zu Prügeleien. Unter Arabern verbreitet sich das Gerücht, es habe Gewalttaten von Juden gegen Araber gegeben. Ein arabischer Mob zieht los und verübt Ausschreitungen gegen Juden in Jaffa. 47 Juden und 48 Araber kommen zu Tode.

1922

Dezember 1922
Ben Gurion fordert massive Einwanderung
Auf der 3. Generalversammlung der Arbeiterpartei Achdut Ha’avoda fordert ihr Vorsitzender Ben Gurion angesichts eines „drohenden Bankrotts der zionistischen Bewegung„:

Das wesentliche Bestreben, das unser Denken und unsere Arbeit bestimmen sollte, ist die Eroberung des Landes und dessen Aufbau durch umfangreiche Einwanderung. […]

Wir sind Eroberer eines Landes und sehen uns einer Eisernen Mauer gegenüber, die wir durchbrechen müssen.

1922

24. Juli 1922
Der Völkerbund bestätigt das britische Mandat über Palästina

1923

4. November 1923
Jabotinsky’s Eiserne Mauer
Der rechts-nationalistische jüdische Politiker Vladimir Jabotinsky verfasst eine Streitschrift, die bald berühmt wird.
Damit der Zionismus umgesetzt werden kann sieht Jabotinsky als einzige Möglichkeit nur eine harte Politik gegenüber den Arabern Palästinas:

wenn sich eine flächenmäßig so große Nation [wie die der Araber unserer Einwanderung] widersetzt, was vollkommen natürlich ist – muss sie gezwungen werden. […]

Das ist die einzige arabische Politik, die wir für möglich halten.

1924

1924 – 1931
Die Vierte Alijah kommt vor allem aus Polen und der Sowjetunion (ca. 80.000 Personen)

1925

1. April 1925
Eröffnung der Hebräischen Universität Jerusalem

1929

23. – 29. August 1929
Arabische Unruhen
In mehreren Städten Palästinas kommt es zu arabischen Gewalttaten, die viele Tote fordern. Allein in Hebron wurden 67 Mitglieder der dortigen jüdischen Gemeinde getötet. Die Unruhen wurden durch einen Streit zwischen jüdischen und arabischen Nationalisten an der Klagemauer in Jerusalem ausgelöst. Dort hatten jüdische Nationalisten mit Fahnen und Gesängen

1932

1932-1938
Fünfte Alijah
Nach der Machtübernahme Hitlers in Deutschland kommt die Fünfte Alijah / Einwanderungswelle aus Europa (ca. 200.000 Personen)

1935


18. Oktober 1935
Waffenschmuggel der Haganah löst arabischen Generalstreik aus
Im Hafen von Jaffa kommt ein belgischer Zementfrachter an. In der Lieferung hat die jüdische Miliz Haganah Tausende Gewehre versteckt. Beim Entladen fallen Kisten herunter und bringen die brisante Ladung zum Vorschein. Die Araber rufen zum Generalstreik auf.
Der unter Arabern landesweit populäre arabische Nationalist Izz ad-Din Al-Kassam ruft zum bewaffneten Kampf auf.

20. November 1935
Izz ad-Din Al-Kassam getötet – wird dadurch Märtyrer
Britische Soldaten stellen die Gruppe um Al-Kassam im Tal von Dotan und töten ihn und drei weitere Rebellen. Al-Kassam wird mit seinem Tod zu einem Che Guevara der palästinensischen Araber. Den Namen Al-Kassam wird später der bewaffnete Arm der Hamas in Gaza annehmen (Al-Kassam-Brigaden)

1936

1936-1939
Arabischer Aufstand

21. April 1936
Arabischer Generalstreik wird ausgerufen

Vor dem Hintergrund der schlechten Lage der arabischen Bevölkerung Palästinas und der zunehmenden jüdischen Einwanderung rufen in Nablus die fünf wichtigsten arabischen Parteien Palästinas zum Generalstreik auf.

25. April 1936
Gründung des Arabischen Hohen Kommittees (AHC)

Das AHC richtet sich mit seiner Gründung an die britische Mandatsmacht und erhebt drei Forderungen: Verbot der jüdischen Einwanderung, Verbot des Landverkaufs an Juden, Errichtung einer arabischen Regierung.

9. Juni 1936
Ben Gurion: Friede ist nur Mittel zum Zweck
Angesichts der Dimension des Aufstands ändert der zuvor moderate Ben Gurion seine Haltung gegenüber den Arabern. Ähnlich wie Wladimir Jabotinsky, der schon 13 Jahre zuvor in seiner „Eisernen Mauer“ für eine harte Politik gegenüber den Arabern plädiert hat, schreibt nun Ben Gurion in einem Brief an die Exekutive der Jewish Agency

Friede ist für uns ein Mittel.
Der endgültige Zweck ist die komplette und volle Realisation des Zionismus. […]
Nur wenn die Araber vollständig verzweifelt sind – verzweifelt nicht nur weil die Unruhen und ihre Versuche einer Rebellion zu nichts führen, sondern verzweifelt auch angesichts unseres Wachstums – nur dann werden sie sich mit einem jüdischen Land Israel abfinden

1937

7. Juli 1937
Peel-Kommission empfiehlt Teilung Palästinas

Die britische Regierung hat eine Untersuchungs-Kommission unter Leitung von Lord Peel eingesetzt, um die Ursachen des Arabischen Aufstandes von 1936 zu untersuchen. Die Kommission kommt zu dem Schluß, daß Großbritannien den ursprünglichen Auftrag des Völkerbund-Mandats nicht erfüllen kann (Hilfe bei der Errichtung einer jüdischen „Heimstätte“, ohne die Rechte der Araber zu verletzen).
Die Peel-Kommission schlägt die Teilung Palästinas in einen jüdischen und einen arabischen Staat vor, und empfiehlt einen Bevölkerungstransfer.
Das Arabische Hohe Kommittee lehnt den Peel-Plan sofort ab. Der arabische Aufstand wird durch den Teilungsplan befeuert.
Die Sitzung des Zionistischen Kongresses von 1937 lehnt den Vorschlag ebenfalls ab, obwohl sich David Ben-Gurion und Chaim Weizmann für den Plan aussprechen. Auf zionistischer Seite wird später bereut, diese Chance auf einen Mini-Staat vertan zu haben.

5. Oktober 1937
Ben Gurion: Wir wollen ganz Palästina

Ben Gurion schreibt 11 Jahre vor der Gründung von Israel an seinen Sohn Amos:

Wir errichten jetzt erst einmal einen jüdischen Staat, auch wenn er sich nicht über das ganze Land erstreckt.

Der Rest wird mit dem Lauf der Zeit kommen. Es muss kommen.

1938

30. September 1938
Münchner Abkommen

Großbritannien, Frankreich, Italien und das Deutsche Reich beschliessen im Münchner Abkommen, daß die Tschechoslowakei das Sudetengebiet an Hitler-Deutschland abtreten muss. Der Einspruch der Tschechoslowakei wird ignoriert. Am 1. Oktober marschiert die Wehrmacht ins Sudentenland ein.

9. November 1938
Woodhead-Kommission

Die Woodhead-Kommission soll den Teilungs-Plan der Peel-Kommission im Detail ausarbeiten.
Sie schlägt drei Optionen vor. Die britische Regierung veröffentlicht den Bericht mit der Bewertung, daß eine Teilung Palästinas aus politischen, finanziellen und administrativen Gründen derzeit nicht möglich ist.

1939

7. Februar – 17. März 1939
Londoner Konferenz

Da Großbritannien den Teilungsplan der Peel-Kommission verworfen hat und die Vorschläge der Woodhead-Kommission keinen Erfolg versprechen, lädt die britische Regierung Vertreter der arabischen und jüdischen Seite nach London ein, um einen Kompromiss zu erarbeiten.
Die arabische Seite lehnt die britischen Vorschläge ab, weil sie auf einen arabisch-jüdischen Staat Palästina hinaus laufen.
Die jüdische Seite lehnt sie ab, weil die Einwanderung von Juden stark begrenzt werden würden.

Aus Protest gegen die anti-zionistischen Vorschläge verübt der jüdische Untergrund (Irgun) in ganz Palästina Anschläge. 38 Araber werden getötet, 44 verletzt (27. Februar).

Die britischen Vorschläge fließen in das sogenannte Weißbuch von 1939 ein.

Zwei Tage vor Ende der Londoner Konferenz bricht Hitler das Münchner Abkommen und lässt die Wehrmacht nach dem Sudentenland auch die restliche Tschechoslowakei besetzen.

17. Mai 1939
Weißbuch der britischen Regierung (white paper)

Auf Grundlage ihrer Vorschläge aus der Londoner Konferenz gibt die britische Regierung das sogenannte Weißbuch heraus, indem die weitere Politik der Mandatsmacht England beschrieben wird. Unter anderem wird bestimmt:
Verzicht auf eine Teilung Palästinas.
Errichtung eines jüdischen Staates innerhalb der nächsten 10 Jahre.
Starke Beschränkung der jüdischen Immigration (75.000 innerhalb der nächsten 5 Jahre).
Der Erwerb von Land durch Juden soll beschränkt werden.

Die arabische Seite lehnt das Weißbuch zunächst ab, stimmt aber im Juli 1940 durch Unterschrift zu.
Die jüdische Seite lehnt das Weißbuch kategorisch ab. In Palästina kommt es zu schweren Unruhen unter der jüdischen Bevölkerung; ein Generalstreik wird ausgerufen.

Während des Zweiten Weltkriegs muss die zionistische Seite den Spagat vollbringen, an der Seite Englands gegen Hitler zu kämpfen, und mit Blick auf das Weißbuch gegen die Engländer zu kämpfen. Ben Gurion sagte dazu:

We will fight the White Paper as if there is no war, and fight the war as if there is no White Paper.

1. September 1939
Hitler-Deutschland überfällt Polen

Mit dem Angriff Deutschlands auf Polen beginnt der Zweite Weltkrieg.

1942

20. Januar 1942
Wannsee-Konferenz

In Berlin beschliessen Vertreter mehrerer deutscher Behörden die sogenannte „Endlösung der Judenfrage“, also den systematischen Mord an den europäischen Juden.

6. – 11. Mai 1942
Biltmore-Konferenz

Im New Yorker Hotel Biltmore treffen sich 600 zionistische Abgeordnete verschiedener Länder. Sie formulieren das oberste politische Ziel neu. Hatte man bisher die vage Formulierung der Balfour-Deklaration von 1917 übernommen – die Errichtung eine nationalen Heimstätte – wird nun konkret die Schaffung eines „Jüdischen Commonwealth“ angestrebt:

Die Konferenz fordert, dass die Tore von Palästina geöffnet werden;
dass die Jewish Agency die Kontrolle über die Einwanderung nach Palästina erhält und die notwendige Autorität für den Aufbau des Landes, einschließlich der Entwicklung ihrer unbewohnten und unbebauten Ländereien;
und dass Palästina als jüdisches Commonwealth etabliert wird, das in die Struktur der neuen demokratischen Welt integriert ist.

1944

10. April 1944
Zwei Insassen flüchten aus Auschwitz

Den KZ-Häftlingen Rudolph Vrba and Alfred Wetzler gelingt die Flucht aus Auschwitz. Sie liefern präzise Informationen über das Todeslager. Die Informationen kommen zwischen Juli und Oktober in Washington an. Die Allierten unternehmen keine militärischen Aktionen gegen Auschwitz.

11. Juni 1944
Exekutive der Jewish Agency lehnt Bombardierung von Auschwitz ab

Der Vorsitzende der Exekutive Ben-Gurion begründet das so:

We do not know the truth concerning the entire situation in Poland and it seems that we will be unable to propose anything concerning this matter.

Später fordern führende Zionisten die Allierten dazu auf, Auschwitz zu bombardieren.

1947

14. Februar 1947
Mandatsmacht England übergibt die Palästina-Frage an die Vereinten Nationen

16. April 1947
Kommandant von Auschwitz wird hingerichtet

Rudolf Höß, der Lagerkommandant des Vernichtungslagers Auschwitz, wird nach der Verurteilung durch das Oberste polnische Volksgerichts in Auschwitz gehängt.

19. Juni 1947
Status-quo-Vertrag

Zwischen der weltlichen jüdischen Einwanderungsbehörde Jewish Agency und den Orthodoxen Juden Palästinas wird der „Status Quo„-Vertrag geschlossen. Festgelegt wird:
I
m künftigen jüdischen Staat wird der Samstag der offizielle Ruhetag (Schabbat).
Die staatlich betriebenen Küchen werden koscher.
Die Jewish Agency sorgt dafür, dass Angelegenheiten des persönlichen Status durch das jüdische Gesetz geregelt werden.
Die Autonomie der religiösen Bildungssysteme bleibt erhalten.

29. Juli 1947
Jüdische Terroristen ermorden zwei britische Soldaten

Die Untergrund-Miliz Irgun (IZL) erhängt zwei zuvor entführte Soldaten der englischen Mandatsmacht. Die Leichen werden mit Sprengfallen versehen. Beim Versuch die Toten zu bergen kommen weitere Briten ums Leben.

29. November 1947
Resolution 181 (II) der UN-Vollversammlung
Die Vollversammlung der Vereinten Nationen beschließt mit Resolution 181 die Teilung Palästinas in einen jüdischen und einen arabischen Staat, sowie die Internationalisierung Jerusalems. In den jüdischen Gemeinden Palästinas wird gefeiert, aber bald kommt es zu ersten Auseinandersetzungen mit arabischen Milizen.

Der rechts-konservative Politiker Menachem Begin, der 1977 Ministerpäsident von Israel wird, sagt einen Tag nach dem UN-Beschluss:

Die Teilung Palästinas ist unrechtmäßig. Wir werden das nie anerkennen. […]

Das Land Israel wird für das Volk Israel wiederhergestellt werden. Das ganze Land.

1948

1948 – 1949
Unabhängigkeitskrieg Israels

1948-1951
Jüdische Masseneinwanderung aus arabischen Staaten, insbesondere aus Ägypten, Irak und Jemen, sowie aus Polen und Rumänien (knapp 700.000 Personen)

8. April 1948
Arabische Niederlage von Qastel

Der arabische Volksheld und Kommandeur der Milizen von Jerusalem, Abd al-Qadir al-Husseini, versucht das nahe Jerusalem gelegene und strategisch wichtig gelegene arabische Dorf Qastel von den jüdischen Milizen zurück zu erobern. Al-Husseini kommt zu Tode, und wird am folgenden Tag in Jerusalem beigesetzt. Zehntausende nehmen teil.

9. April 1948
Massaker von Deir Yassin
Fünf Wochen vor der Staatsgründung Israels und vor dem Einmarsch arabischer Truppen nach Israel / Palästina überfallen jüdische Milizen das nahe Jerusalem gelegene arabische Dorf Deir Yassin. Die Dorfältesten hatten zuvor einen Nichtangriffspakt mit dem für diese Region zuständigen jüdischen Kommandeur getroffen. Die Milizen töten bis zu 120 meist zivile Dorfbewohner. Es kommt dabei auch zu Plünderungen, Folterungen, Vergewaltigungen und systematischen Hauszerstörungen.

Beginn der Nakba
Die Nachricht vom Massaker verbreitet sich zuerst in Jerusalem unter den Teilnehmern der Beisetzung von Abd al-Qadir al-Husseini, und bald in ganz Palästina. Viele Palästinenser begeben sich auf die Flucht, wobei die jüdischen Milizen so gut sie können dazu beitragen. Das war der Beginn der „Nakba„, der Katastrophe des palästinensischen Volkes.

14. Mai 1948
Ausrufung des Staates Israel

Mit der Beendigung des britischen Mandats erklärt David Ben Gurion in Tel Aviv die Unabhängigkeit des Staates Israel

15. Mai 1948
Israelischer Unabhängigkeitskrieg
Einen Tag nach Ausrufung des Staates Israel marschieren arabische Militärverbände in Palästina / Israel ein

31. Mai 1948
Gründung der israelischen Armee

Aus der bewaffneten jüdischen Untergrundbewegung Haganah wird die offizielle israelische Armee (IDF / Zahal)

31. Mai 1948
Israelisches Pfund (I£) wird offizielle Währung Israels

1949

25. Januar 1949
Die Wahlen zum 1. Israelischen Parlament (Knesset) finden statt

14. Februar 1949
Die Knesset wählt David Ben Gurion zum ersten Ministerpräsidenten Israels

16. April 1949
Chaim Weizmann wird zum ersten Staatspräsidenten Israels gewählt

24. Februar 1949
Israel schließt ein Waffenstillstandsabkommen mit Ägypten; Abkommen mit dem Libanon, Transjordanien und Syrien folgen bis Ende Juli

11. Mai 1949
Israel wird Mitglied der  Vereinten Nationen

1950

23. Januar 1950
Die Knesset beschliesst, dass Jerusalem die Hauptstadt Israels ist

5. Juli 1950
Die Knesset verabschiedet das „Rückkehrgesetz„: Jeder Jude hat das Recht nach Israel einzuwandern

10. September 1950
Jordanien annektiert das von ihm seit 1948 besetzten Westjordanland

1951

27. September 1951
Bundestag anerkennt deutsche Verantwortung für Nazi-Verbrechen an Juden

Ein halbes Jahr später genehmigt die Knesset die Aufnahme von Verhandlungen über „Wiedergutmachung„.

1952

10. September 1952
Israel und Deutschland schließen Wiedergutmachungsabkommen

Wassenaar (Luxemburg) : Die BRD sagt zu 3,5 Milliarden Mark Entschädigung an Israel und die Jewish Claims Conference zu zahlen.

Israel befindet sich in einer schweren Wirtschaftskrise und ist dringend auf das Geld angewiesen. Das Abkommen ist in Israel sehr umstritten. Die Opposition will kein „Blutgeld“ von Deutschland. Im Januar 1952 tobt Oppositionsführer Menachem Begin – der 1977 Ministerpräsident wird – auf einer großen Kundgebung in Tel Aviv:

Das wird ein Krieg auf Leben und Tod.
Es gibt keinen Deutschen, der nicht unsere Väter ermordet hat.
Adenauer ist ein Mörder. Jeder Deutsche ist ein Mörder.

Das Abkommen führt zu einer ersten Verschlechterung der Beziehungen zur arabischen Welt. Ägyptens Staatspräsident Nasser wird den späteren deutschen Kanzler Erhard fragen:

Warum ist es notwendig, daß Israel das Erbe der jüdischen Opfer Hitler-Deutschlands antritt? Wiedergutmachungszahlungen an einzelne Juden und an einzelne Familien — dafür haben wir Verständnis [… aber] Die meisten [Überlebenden] sind nach Amerika und Westeuropa ausgewandert.

1953

14. Oktober 1953
Einheit 101 von Ariel Scharon verübt Massaker von Qibya

Ein arabischer Terrorist hat gegenüber dem jordanischen Dorf Qibya in Israel eine jüdische Mutter und deren beide Kinder getötet. Die „Anti-Terror-Einheit“ 101 unter Major Scharon wird mit der Vergeltung gegen das jordanische Dorf Qibya beauftragt, obwohl die jordanische Regierung plausibel versichert, bei der Verfolgung des Täters mitzuwirken, und von einseitigen Schritten abrät.

Scharon fordert seine Soldaten auf „zu töten und maximal zu zerstören„, was sie auch tun.

2. November 1953
David Ben-Gurion erklärt seinen Rücktritt

Nachdem sich der Staatsgründer Israels und langjährige Ministerpräsident Ben-Gurion schon im Sommer aus Erschöpfung weitgehend aus den Amtsgeschäften zurückgezogen und sie an Moshe Scharett übergeben hat, erklärt er nun seinen Rücktritt. Ben-Gurion zieht sich in die Siedlung Sede Boker in der Wüste Negev zurück (effektive Amtsübergabe Januar 1954).

 

1954

1954
Nasser fürchtet Isolation

Ägyptens Präsident Nasser fürchtet die Westmächte USA und England wollen Ägypten isolieren und die arabische Welt in der Blockpolitik des Kalten Kriegs auf die Seite des Westens ziehen. Nasser sieht die Verträge zwischen der Türkei und Pakistan (April 1954), den militärischen Hilfs-Pakt zwischen den USA und dem Irak (April 1954), den Militärpakt zwischen den USA und Libyen (September 1954) und den sogenannten Bagdad-Pakt zwischen der Türkei und dem Irak (Februar 1955) als Unterminierung seiner pan-arabischen Politik, die Neutralität zwischen West und Ost anstrebt.

Juli 1954
Israelische Terroranschläge in Ägypten

Der israelische Militärgeheimdienst verübt in Ägypten mehrere Brand- und Sprengstoff-Anschläge, vor allem auf englische und amerikanische Einrichtungen. Ägyptische Fundamentalisten sollen als Drahtzieher gelten. Das Ziel: die Beziehungen Ägyptens zu den USA zu verschlechtern und den Abzug der letzten britischen Truppen vom Suez-Kanal zu verhindern. Weil ein Brandsatz in der Tasche eines israelischen Geheimdienstlers vorzeitig zündet, fliegt der Spionagering auf. In Israel führt das zur sogenannten „Lavon-Affäre„, da Verteidigungsminister Lavon den Befehl für diese Anschläge gegeben haben soll.

1955

1955-1957
Aus Nordafrika kommen viele jüdische Einwanderer (ca. 100.000)

28. Februar 1955
Israel attackiert ägyptischen Konvoi in Gaza

Drei Tage zuvor wurde ein israelischer Bewohner von Rehovot von Palästinensern getötet, die mutmaßlich aus dem Gazastreifen kamen. Israel geht davon aus, dass Ägypten Hilfestellung leistet, wenn palästinensische Flüchtlinge versuchen zu ihrem ehemaligen Besitz in Israel zu gelangen. Die die israelische Armee startet einen Vergeltungsangriff. Auf Befehl von Ariel Scharon wird ein ägyptischer Konvoi überfallen. 38 ägyptische Soldaten werden getötet.

3. November 1955
Ben-Gurion erneut Ministerpräsident

Dezember 1955
USA versprechen Ägypten Kredit für Assuan-Staudamm

Gemeinsam mit Großbritannien verspricht US Außenminister John Foster Dulles Ägypten für den Bau des Assuan-Staudamms 70 Mio. Dollar Kredit. Das Hauptmotiv: Ägypten soll sich nicht an die UdSSR nähern.

1956

19. Juli 1956
USA nehmen Kreditzusage an Ägypten zurück

26. Juli 1956
Ägyptens Präsident Nasser verstaatlicht Suez-Kanal

24. Oktober 1956
Israel, Frankreich, England vereinbaren Angriffskrieg gegen Ägypten

Nachdem Ägyptens Präsident Nasser den Suezkanal verstaatlicht und die für Israel wichtige Wasserstraße von Tiran blockiert hat vereinbaren Israel, England und Frankreich im geheimen Abkommen von Sèvres Ägypten anzugreifen

29. Oktober 1956
Israel, Frankreich, England beginnen Suez-Krieg (bis 5.11.)

Angesichts der frühen Anfangserfolge der israelischen Armee spricht Ministerpräsident Ben-Gurion in  der Knesset vom „Dritten Königreich Israel“. Die Euphorie hält nicht lange: Die Sowjetunion und die USA fordern die drei Angreifer ultimativ zum Rückzug auf. Ben-Gurion, der bis dahin eher militärischer Falke war, scheint angesichts dieser demütigenden Erfahrung zur Taube zu werden.

3. November 1956
Israelische Armee verübt Massaker von Khan Yunis

Während des Suez-Kriegs dringen im Gazastreifen israelische Einheiten in die palästinensischen Flüchtlingslager Khan Yunis ein und ermorden laut Untersuchungsbericht der Vereinten Nationen 275 Zivilisten.

Der 8-jährige Junge Abdel Aziz al-Rantisi ist Zeuge der Hinrichtung seines Onkels. Er wird später politischer Chef der Hamas und radikaler Gegner Israels.

12. November 1956
Israelische Armee verübt Massaker von Rafah

Einen Tag nach Ende des Suez-Kriegs dringen israelische Einheiten im Gazastreifen in das palästinensische Dorf Rafah ein und ermorden 110 Personen.

1957

Dezember 1957
Waffendeal Schimon Peres – Franz Josef Strauß

Eine israelische Abordnung um Schimon Peres trifft sich heimlich mit dem deutschen Verteidigungsminister in dessen Privathaus in Rott am Inn. Deutschland liefert im Anschluß inoffiziell Waffen und Ausrüstung im Wert von 300 Mio. DM.

1960

14. März 1960
Premierminister David Ben Gurion und Bundeskanzler Konrad Adenauer treffen sich in New York. Ben-Gurion erklärt der Presse, das heutige Deutschland sei nicht mehr das Deutschland der Nazi-Zeit.

1961

11. April 1961
Eichmann-Prozeß

In Jerusalem startet der Prozess gegen SS-Sturmbannführer Adolf Eichmann, der maßgeblich die Transporte von Juden in die Vernichtungslager organisierte. Ben-Gurion erwartet vom Generalstaatsanwalt, den Prozeß nicht zu einem anti-deutschen Ereignis werden zu lassen. Die

1962

01.06.1962
Hinrichtung von Eichmann in Jerusalem

1963

Rücktritt David Ben Gurions als Ministerpräsident (16.6.); Nachfolger wird Levi Eschkol (26.6.)

1965

12. Mai 1965
Israel und die Bundesrepublik Deutschland nehmen diplomatische Beziehungen auf

Bundeskanzler Ludwig Erhardt und Premierminister Levi Eschkol formalisieren diplomatische Beziehungen. Der Amtsantritt des deutschen Botschafters in Israel führt zu Tumulten.

13. Mai 1965
Arabische Staaten brechen Beziehungen zu BRD ab

Nachrichtensprecher im westdeutschen Fernsehen:

Bonn: Die Bundesrepublik und Israel haben heute Nachmittag die Aufnahme voller diplomatischer Beziehungen bekannt gegeben. Als Antwort darauf haben nach dem Irak heute auch Syrien, Kuwait, Ägypten und Jordanien die diplomatischen Beziehungen zur Bundesrepublik abgebrochen. Der Libanon hat einen ähnlichen Schritt angekündigt.

1966

10 Dezember 1966
Literatur-Nobelpreis für Schmuel Josef Agnon

Als erster israelischer Schriftsteller erhält S.J. Agnon den Nobelpreis für Literatur

1967

5. – 10. Juni 1967
Sechtagekrieg („Junikrieg“)

Israel führt einen Präventiv-Krieg gegen Ägypten, Syrien und Jordanien. Israel nimmt das arabische Ost-Jerusalem ein, besetzt die Sinai-Halbinsel, das Westjordanland, die syrischen Golanhöhen und den Gaza-Streifen. Lange Zeit gilt der Präventivschlag als gerechtfertigt, da die Araber offenbar kurz davor waren, Israel anzugreifen. Das ist widerlegt.

Der ehemalige israelische Botschafter in den USA, Michael B. Oren, fasst später zusammen:

By all reports Israel received from the Americans, and according to its own intelligence, Nasser had no interest in bloodshed.

Der Oberbefehlshaber und spätere Ministerpräsident Yitzhak Rabin meint später gegenüber der französischen Zeitung Le Monde:

I do not think Nasser wanted war.
The two divisions he sent to the Sinai would not have been sufficient to launch an offensive war.
He knew it and we knew it.

28. August 1967
Konferenz von Khartoum

Nach der Niederlage des Sechstagekriegs beschließt die Arabische Liga während ihres Gipfeltreffens in der sudanesischen Hauptstadt Khartoum ihre drei berühmten „Neins“: Nein zur Anerkennung Israels, Nein zu Verhandlungen, Nein zu einem Friedensvertrag.
Daher sollte Ägypten später geächtet werden, als es nach den Camp David Verhandlungen einen separaten Frieden mit Israel schließt.
Das „Nein“ aus Khartoum bestätigte Israel und die westlichen Beobachter in ihrer Annahme, dass die Araber unversöhnlich seien. Tatsächlich war es einmal mehr ein kulturelles Missverständnis. Die „Neins“ waren im arabischen Stolz begründet, während in Wirklichkeit die in Khartoum beteiligten Staats- und Regierungschefs während der Konferenz bemüht waren, untereinander zu einem Verständnis mit Israel zu gelangen. [Vgl. Avi Shlaim, Iron Wall, Poor Litle Samson 1963-69]

 

22. November 1967
Resolution 242 des UN-Sicherheitsrates

1969

1969 – 1970
„Abnutzungskrieg“ zwischen Israel und Ägypten

15. Dezember
Golda Meir wird Ministerpräsidentin Israels

1970

28. September 1970
Ägyptens Staatspräsident Gamal abd-el Nasser stirbt

1971

18. Juli 1971
Ende des palästinensisch-jordanischen Bürgerkriegs („Schwarzer September„)

Die PLO, die in Jordanien eine politisch und militärisch starke Position errungen hat, will 1970 die Macht übernehmen und König Hussein stürzen. Es kommt zu langen Kämpfen, in denen auch syrische Truppen eingreifen. König Hussein kann sich durchsetzen. Rund 100.000 PLO Milizen müssen das Land verlassen. Die PLO wählt Beirut als neues Hauptquartier.

1973

6.-26. Oktober 1973
Yom-Kippur-Krieg
Dieser Krieg ist ein Krieg mit mehrjähriger Ankündigung. Der Juni-Krieg von 1967 war für Ägypten ein herbe Niederlage. Nach dem Tod Nassers drängt der ägyptische Präsident Anwar Es-Sadat Israel zu einem Friedensschluß, wird aber wiederholt zurück gewiesen. Um die Niederlage des Kriegs von 1967 wett zu machen sieht Sadat keine andere Wahl als Israel anzugreifen. Es geht von Anfang an nur um einen Prestigegewinn, nach dem man sich wieder zurück ziehen will.

An Yom Kippur, dem höchsten Feiertag Israels, greifen Ägypten und Syrien Israel an. Mit Hilfe der USA kann sich Israel mit großer Not gegen die Angreifer erwehren.

Resolution 338 des UN-Sicherheitsrates (22.10.)

UN-Nahostkonferenz in Genf (21./22.12.)

1974

Entflechtungsabkommen Israels mit Ägypten (18.1.) und Syrien (31.5.)

10. April 1974
Golda Meir tritt als Ministerpräsidentin zurück

11. April 1974
Massaker von Kirjat Shmona
Eine Miliz der PLO-Fraktion PFLP dringt aus dem Südlibanon nach Israel ein, begeht in der Kleinstadt Kirjat Shoma ein Massaker. 18 Menschen sterben.

3. Juli 1974
Jitzhak Rabin wird Ministerpräsident

1975

4. September 1975
Sinai-Abkommen zwischen Israel und Ägypten

1976

4. Juli 1976
Befreiungsaktion von Entebbe

Deutsche und palästinesische Terroristen haben ein Passagierflugzeug der Air France nach Entebbe (Uganda) entführt. Unter den Passagieren waren über hundert Israelis. Israel schickt eine Spezialeinheit. Während der erfolgreichen Befreiung der Geiseln wird Yonatan Netanjahu getötet. Dessen Bruder Benjamin wird später Ministerpräsident werden und eine unversöhnliche Haltung gegenüber den Palästinensern einnehmen.

1977

17. Mai 1977
Der rechte Likud gewinnt erstmals die Wahlen.

20 Juni 1977
Menachem Begin wird Ministerpräsident

20. November 1977
Rede des ägyptischen Staatspräsidenten Anwar al-Sadat vor der Knesset

Als erster arabischer Staatschef spricht Sadat vor dem israelischen Parlament in Jerusalem.

1978

17. September 1978
Das Abkommen von Camp David wird unterzeichnet (Begin, Sadat)

10. Dezember 1977
Friedensnobelpreis für Menachem Begin und Anwar as-Sadat

1979

26. März 1979
Friedensvertrag zwischen Ägypten und Israel

1980

2. Juni 1980
Jüdische Attentate auf palästinensische Bürgermeister

Terroristen des Jüdischen Untergrunds verüben Bombenattentate auf die Bürgermeister von Nablus (Bassam Shakaa), El-Bireh (Ibrahim Tawil) und Ramallah (Karim Khalaf). Shakaa verliert beide Beine, Khalaf eines. Der jüdische Terrorist Moshe Zer wird zu 4 Monaten Haft verurteilt, weil er einer Untergrundorganisation angehört.

30. Juli 1980
Knesset beschließt: Jerusalem ist Hauptstadt Israels

30. September 1980
Israelisches Pfund wird durch Israelischen Schekel (IS) ersetzt

1981

14. Dezember 1981
Knesset beschließt Annexion der Golanhöhen.
Der vormals syrische Golan wurde im Sechstagekrieg von Israel erobert.

1982

Abschluss der Rückgabe Sinais an Ägypten (25.4.)

3. Juni 1982
Attentat auf israelischen Botschafter in London

Ein Mitglied der PLO-abtrünnigen Splittergruppe Ahmed Jibril verübt in London einen Anschlag auf Shlomo Argov. Israels Premier Menachem Begin beruft sein Kabinett ein. Obwohl die PLO nichts mit dem Attentat zu tun hat, wird der Vorfall als Anlass genommen, um gegen die im Libanon stark vertretene PLO militärisch vorzugehen. Das Kabinett beschliesst Angriffe gegen Beirut und den Süden Libanons.

6. Juni 1982
Israel beginnt den Libanon-Krieg

Verteidigungsminister Ariel Scharon versichert höchstens 25km weit einzumarschieren um die Grenzregion zu sichern, und den Abschluß des Angriffs in 48 Stunden. Tatsächlich wird Israel in fast alle Teile Libanons vordringen und ihre Soldaten erst im Jahr 2000 abziehen.

14. Juni 1982
Israelische Truppen schliessen Beirut ein

16. September 1982
Massaker von Sabra und Schatila

Die libanesische Phalangisten-Miliz dringt in die Beiruter palästinensischen Flüchtlingslager Sabra und Schatile ein. Die israelische Armee beleutet die Läger nachts ununterbrochen mit Leuchtfeuer, damit die Phalangisten ihr Morden fortsetzen können.

28. Oktober 1982
Reagan beschließt: US Marines nach Beirut

Aufgrund der weltweiten Empörung beschließt US Präsident Reagan im Rahmen einer multinationalen Einheit ein Kontingent US Marines zu senden, um die Lage in Beirut zu beruhigen.

25. September 1982
Massendemonstrationen gegen den Libanonkrieg
In Israel gehen landesweit 400.000 Menschen auf die Straßen um gegen den Krieg zu demonstrieren.

1983

28. August 1983
Ministerpräsident Begin tritt zurück

Durch den katastrophalen Verlauf des Libanonkriegs, im Gefühl von seinem Verteidungsminister Scharon hintergangen worden zu sein und wegen des Todes seiner Frau tritt Menachem Begin vor der Knesset mit den Worten „Ich kann nicht mehr“ zurück. Resigniert lebt er bis zu seinem Tod als Einsiedler.

10. Oktober 1983
Jitzchak Schamir wird Ministerpräsident

23. Oktober 1983
Anschlag auf Beiruter Hauptquartier der US Marines

Ein schiitisches Selbstmordkommando greift die Hauptquartiere der amerikanischen und französischen Kräfte an. Hunderte Soldaten sterben.

1984

1984 – 1985
Operation Moses bringt ca. 10.000 äthiopische Juden nach Israel

7. Februar 1984
Reagan beschließt Rückzug der US Marines aus Beirut

Pro-syrische Milizen besetzen West-Beirut. Der Einsatz der US Marines ist gescheitert. Reagan ordnet den Anzug an.

13. September 1984
Schimon Peres bildet Regierung der „nationalen Einheit“

1985

Februar – Juni 1985
Israelischer (Teil) Rückzug aus dem Libanon

11. Februar 1985
Jordanien und PLO einigen sich auf gemeinsames Vorgehen
König Hussein und PLO Vorsitzender Arafat wollen Friedensprozess mit Israel gemeinsam voran bringen.

24. April 1985
AM Yitzhak Schamir : Kein Interesse an Friedenskonferenz
Außenminister Schamir lässt US Außenminister George Shultz durch Moshe Arens ausrichten, er habe kein Interesse an einer internationalen Friedenskonferenz mit PLO-Beteiligung

19. Juli 1985
PM Peres bespricht PLO-Frage mit König Hussein (London)
Hussein: PLO soll an Friedengesprächen teilnehmen, weil ihre Position schwach ist und sie daher bereit zu Zugeständnissen.
Peres: Wenn PLO schwach ist, kann sie von Friedensgespächen ausgeschlossen werden. Peres ist aber zur PLO-Teilnahme bereit – entgegen der Haltung von Ministerpräsident Schamir.

1. Oktober 1985
Israel bombardiert PLO Hauptquartier in Tunis
Der Angriff folgt auf zunehmende Angriffe von PLO Milizen, die von Jordanien aus operieren. 56 Palästinenser und 15 Tunesier kommen zu Tode.

1986

19. Februar 1986
König Hussein distanziert sich von PLO
Hussein kritisiert PLO Präsident Arafat, die UN Resolutionen 242 und 338 nicht uneingeschränkt anzunehmen. Hussein will PLO nicht mehr als Teilnehmer einer Friedenskonferenz.

3. März 1986
PLO ermordet arabischen Bürgermeister von Nablus
PLO revanchiert sich für die Zurückweisung durch König Hussein mit der Ermordung des Jordanien-freundlichen Bürgermeisters Zafir al-Masri. Jordanien schließt PLO-Büros in Amman und weist Arafats Stellvertreter Abu Jihad aus.

20. Oktober 1986
Jizchak Schamir löst Schimon Peres als Ministerpräsident der Regierung der „nationalen Einheit“ ab.

1987

9. Dezember 1987
Erste Intifada
In Gaza kommt es zu einem tödlichen Verkehrsunfall, den ein israelischer LKW-Fahrer verursacht hat. Der Ärger über die israelische Besatzung, der sich auf palästinensischer Seite lange Jahre aufgestaut hat entlädt sich im sogenannten „Aufstand der Kinder“, da anfangs überwiegend arabische Jugendliche beteiligt waren.

1988

Januar 1988
Generalstabschef Rabin: Brecht ihnen die Knochen
Der Oberbefehlshaber der israelischen Armee gibt offenbar diesen Befehl, um die Intifada mit harten Mitteln niederzuschlagen. Rabin streitet das später ab. Der Knesset-Abgeordnete Yossi Sarid meint:

Die Aussagen von Dutzenden von Soldaten hat eines deutlich gemacht: Die Soldaten und Offiziere im Einsatz verstanden den Verteidigungsminister und die hochrangigen Offiziere so: Prügeln Sie die Palästinenser als Politik der Bestrafung und Abschreckung.

1989

Zerfall der Sowjetunion
Mit dem Zerfall der UdSSR beginnt eine Masseneinwanderung aus der Ländern dieser ehemaligen Union nach Israel. Viele der Einwanderer sind keine Juden.

1990

2. August 1990
Saddam Hussein (Irak) überfällt Kuwait

15. März 1990
Ein Misstrauensvotum der Knesset beendet Yitzhak Schamirs Regierung der nationalen Einheit

1991

16. Januar 1991
Operation Desert Storm
Eine von den USA geführte Koalition beginnt mit der Vertreibung der irakischen Armee aus Kuwait

18. Januar – 25. Februar 1991
Irakische Angriffe auf Israel mit SCUD-Raketen
Gemäß einer Vereinbarung mit den USA ergreift Israel keine Gegenmaßnahmen.
Palästinenserführer Arafat solidarisiert sich mit Saddam Hussein. Palästinenser jubeln angesichts der Einschläge irakischer Raketen in Israel. Die Palästinenser verlieren damit zahlreiche wichtige Unterstützer.

30. Oktober 1991
Nahost-Friedenskonferenz in Madrid
US-Außenminister James Baker III. will die Chancen die sich aus dem Golfkrieg ergeben für einen Nahost-Friedensschluß nutzen.

1992

Koalitionsregierung aus Arbeitspartei, Merez und Schas unter Jizchak Rabin als Ministerpräsident (13.7.)

1993

Geheimverhandlungen zwischen Vertretern Israels und der PLO bei Oslo (20.1.-20.8.)

9. September 1993
PLO erkennt Existenzrecht von Israel an
Folgender Brief des PLO Vorsitzenden Arafat datiert auf diesen Tag (Auszug)

Die PLO erkennt das Recht des Staates Israel auf Existenz in Frieden und Sicherheit an.

Im Gegenzug erkennt der israelische Ministerpräsident Yitzhak Rabin die PLO als die legitime politische Vertretung der Palästinenser an.

13. September 1993
Unterzeichnung von „Oslo I

Unter der Schirmherrschaft von Bill Clinton unterzeichnen Israels PM Yitzhak Rabin und der PLO Vorsitzende Yassir Arafat im Weissen Haus die Grundsatzerklärung zwischen Israel und der PLO. Gaza und Jericho sollen unter palästinensische Autonomie kommen.

1994

25. Februar 1994
Jüdischer Siedler Baruch Goldstein verübt Massaker in Hebron

Der amerikanisch-stämmige Arzt und Extremist Goldstein ermordet aus Protest gegen das Oslo-Abkommen 29 Palästinenser, verletzt 125 und wird dabei getötet. Sein Grab wird zur Pilgerstätte für jüdische Extremisten.

4. Mai 1994
Autonomieabkommen über Gaza und Jericho

2. Juli 1994
Yassir Arafat trifft in Gaza ein

Nach 12 Jahren Exil der PLO-Führung in Tunis kehrt PLO Vorsitzender Arafat zurück nach Gaza.

26. Oktober 1994
Friedensvertrag Israel – Jordanien

10. Oktober 1994
Friedensnobelpreis an Jitzchak Rabin, Yassir Arafat und Schimon Peres

1995

Terroranschläge palästinensischer Selbstmordattentäter in Tel Aviv (24.7.) und Jerusalem (21.8.)

Interimsabkommen Israel – PLO über Ausdehnung der palästinensischen Selbstverwaltung im Westjordangebiet (28.9.)

Rückzug der israelischen Streitkräfte aus sechs Städten des Westjordanlandes (25.10.-28.12.)

4. November 1995
Ermordung von Ministerpräsident Jizchak Rabin

Während einer Massen-Friedenskundgebung in Tel Aviv wird Rabin durch den jüdischen Extremisten Jigal Amir erschossen. In den Monaten zuvor haben rechts-nationale Kreise, zu denen auch Siedler und Rabbiner gehören, gegen Rabin gehetzt, ihn als Verräter bezeichnet und seine Tötung theologisch gerechtfertigt.

Assoziierungsabkommen mit EU unterzeichnet (20.11.)

Schimon Peres wird Ministerpräsident (22.11.)

1996

6. Januar 1996
Gezielte Tötung des „Ingenieurs“ Yahya Ayyash

Fünf Monate vor den nächsten Knesset-Wahlen fürchtet Ministerpräsident Schimon Peres, daß er gegenüber seinem Herausforderer Netanjahu zu schwach wirkt. Obwohl Hamas in den vorangegangenen 4 Monaten keinen Anschlag mehr verübt hat und sich offenbar an den von Arafat erbetenen Waffenstillstand gehalten hat, ordnet Peres die gezielte Tötung von  Yahya Ayyash an, der als Bomben-Spezialist der Hamas gilt. Die Rechnung von Peres geht nicht auf: Die Hamas antwortet mit einer Serie von Anschlägen. Die zurecht entsetzte israelische Bevölkerung wählt den als hart geltenden Benjamin Netanjahu. Netanjahu, dessen Bruder Yonatan während der Befreiungsaktion von Entebbe zu Tode kam, ist an Verhandlungen mit Palästinensern nicht interessiert.

Wahlen im Westjordanland, im Gaza-Streifen sowie in Ost-Jerusalem zum Palästinensischen Rat (20.1.)

Selbstmordattentate palästinensischer Terroristen in Jerusalem, Ashkelon und Tel Aviv (Februar/März)

Israelische Militäraktion „Früchte des Zorns“ in Südlibanon (11.-27.4.)

Wahlen zur 14. Knesset (29.5.) und erstmalige Direktwahl des Ministerpräsidenten (Benjamin Netanjahu/Likud)

1997

Israel übergibt 80 Prozent von Hebron an die Verwaltung der Palästinenser (Januar)

1999

Wahl zur 15. Knesset und Direktwahl Ehud Baraks (Arbeitspartei) zum Ministerpräsidenten (17.5.)

2000

24. Mai 2000
Abzug der letzten israelischen Soldaten aus dem Libanon

Der Libanonkrieg, der 1982 begonnen hat, sollte laut Ariel Scharon nur 48 Stunden dauern. Er zog sich über 15 Jahre hin.

1. Juni 2000
Assoziierungsabkommen mit Europäischer Union

11.-25. Juli 2000
Verhandlungen von Camp David
Israelisch-palästinensische Gespräche in Camp David (Ehud Barak, Yassir Arafat, Bill Clinton)

28. September 2000
Ausbruch der Zweiten Intifada
Der rechte Oppositionsführer Ariel Scharon geht in Jerusalem unter Schutz von 1.000 Polizisten auf den Tempelberg. Dort befinde sich die muslimischen Heiligtümer Felsendom und Al-Aksa-Moschee. Scharon will israelische Dominanz demonstrieren. Die Provokation ist beabsichtigt und führt zum vorhersehbaren Ergebnis: Die Zweite Intifada, also ein weiterer palästinensischer Volksaufstand. Sie wird ungleich blutiger als die erste.

16. Oktober 2000
Gipfel von Scharm el-Scheich (bis 18.10.)

9. Dezember 2000
Ministerpräsident Ehud Barak tritt zurück

2001

21. Januar 2001
Israelisch-palästinensische Verhandlungen in Taba

6. Februar 2001
Ariel Scharon Ministerpräsident

Ariel Scharon besiegt Ehud Barak, der im Jahr zuvor die Verhandlungen von Camp David ohne Ergebnis beendet hat.

1. Juni 2001
Hamas Attentat auf Discothek Dolphinarium (Tel Aviv)

Ein Selbstmordattentäter reißt vor dem Eingang des Strandclubs

2002

26. Januar
Saudi-Arabien legt Nahost-Friedensplan vor

27. März 2002
Anschlag der Hamas in Netanja

Während des jüdischen Pessach-Festes, an dem Juden ihrer ägyptischen Gefangenschaft und der Flucht aus Ägypten gedenken, verüben Terroristen der Hamas einen Anschlag auf ein Hotel in Netanja. 30 zumeist ältere Menschen werden getötet, viele weitere verletzt.

29. März 2002
Beginn der Operation „Defensive Shield“ (Verteidigungschild)

Nach dem Anschlag in Netanja befiehlt Ministerpräsident Scharon der Armee in die palästinensische Westbank einzumarschieren. Zuerst wird Ramallah eingeschlossen. Palästinenserpräsident Jassir Arafat wird von israelischen Einheiten in seinem Regierungssitz eingeschlossen.

Während Defensive Shield verwüstet die israelische Armee vorsätzlich große Teile gerade auch der zivilen Infrastruktur: Aus Behörden, Sendern, Archiven oder Redaktionen werden Computer und Datenspeicher gestohlen oder zerstört und Einrichtungen vandalisiert.

Soldaten, die in privaten Häusern einquartiert werden, stehlen in großem Stil oder verrichten ihr Geschäft absichtlich in den Zimmern.

Tonnenschwere Panzer fahren ohne Not über private PKW, kreiseln auf der Straße um Bordsteine zu zermahlen oder fahren reihenweise Straßenlampen um.

Im Flüchtlingslager Jenin walzen riesige israelische Militär-Bulldozer Unterkünfte nieder, in denen sich noch Menschen befinden.

Der israelische Politologe Baruch Kimmerling bezeichnet die gesamte Politik Ariel Scharons gegenüber den Palästinensern als den Versuch, diese Gesellschaft insgesamt zerstören zu wollen („Politizid“).

18. Dezember 2002
AI: Israelische Kriegsverbrechen
Amnesty International übt scharfe Kritik an Israels Armee, weil deren Einheiten zur Niederschlagung der Intifada

[…] schwere Menschenrechtsverletzungen begehen und Kriegsverbrechen, wie etwa das Töten von Kindern oder unbewaffneten Zivilisten, rücksichtslos dicht besiedelte Gebiete beschiessen und bombardieren oder Häuser sprengen, in denen sich noch Menschen befinden, und sie unter dem Schutt sterben lassen […]

2003

28. Januar 2003
Partei von Ariel Scharon gewinnt Knesset-Wahlen

16. März 2003
Rachel Corrie von israelischem Bulldozer getötet

Im Gazastreifen wird die 23-jährige amerikanische Friedensaktivistin Rachel Corrie von einem israelischen Bulldozer getötet. Aufgrund von Zeugenaussagen muss man davon ausgehen, dass es eine vorsätzliche Tötung war. Der Fahrer des Bulldozers wird von General Almog von einer vollständigen Aussage abgehalten. General Almog entgeht später einer Festnahme in Großbritannien; er hätte sich für die Zerstörung von 50 palästinensischen Häusern im Flüchtlingslager Rafah verantworten sollen.

April 2003
Sperrzaun zwischen Israel und Westbank

Israel beginnt mit dem Bau einer Sperranlage (Grenzzaun, Apartheits-Mauer) zwischen Israel und dem Westjordanland. Im Laufe der Bauzeit wird der Grenzzaun zahlreiche arabische Gemeinden zerschneiden, vielen Bauern unmöglich machen zu ihren Feldern zu gelangen. Durch den Verlauf des Zauns eignet sich Israel weiteres palästinensisches Land an.

5. April 2003
Brian Avery von israelischem Truppentransporter angeschossen

Der US Friedensaktivist Brian Avery nimmt in der Nähe von Jenin friedlich an einer Protestaktion teil. Er trägt eine leuchtend orangene Warn-Weste. Er und seine Begleiter heben ihre Hände, als sich ein gepanzerter israelischer Transporter nähert. Der Transporter eröffnet das Feuer. Die Kugel, die Avery trifft zerreisst seine Zunge und zermettert seine rechte Gesichtshälfte.

11. April 2003
Tom Hurndall von israelischem Scharfschützen getötet

Der 22-jährige britische Friedensaktivist Tom Hurndall nimmt im Gazastreifen an einer friedlichen Aktion teil. Er ist mit einer leuchtend orangenen Warn-Weste bekleidet. Als er versucht 3 Kinder von der Straße in Sicherheit zu bringen, weil mit anrückenden israelischen Militärfahrzeugen zu rechnen ist, wird er von einem Scharfschützen in den Kopf geschossen. Am Grenzübergang Rafah lassen israelische Grenzschützer die Gruppe um den bewußtlosen Hurndall 2 Stunden warten. Er wird nach 9 Monaten im Koma sterben. Der Schütze wird zu einer Gefängnisstrafe verurteilt, aber vorzeitig entlassen.

30. April 2003
Roadmap des Nahost-Quartetts

Die UN, USA, EU und Russland verabschieden die „Roadmap“ genannte Friedensinitiative für Israel und Palästina.

 

2004

17. April 2004
 
Gezielte Tötung von Abdel Aziz Al-Rantisi

Israel tötet den politischen Chef der Hamas durch einen Raketenangriff.

11. November 2004
Jassir Arafat ist tot

Sein Nachfolger wird Mahmud Abbas

2005

22. März 2005
Israel tötet Hamas-Gründer Scheich Ahmed Yassin

Der greise, gelähmte langjährige Führer der Hamas wird durch eine Rakete liquidiert. Die EU Außenminister erklären:

Not only are extrajudicial killings contrary to international law, they undermine the concept of the rule of law, which is a key element in the fight against terrorism.

12. September
Israelischer Abzug aus dem Gaza-Streifen ist beendet

Ariel Scharon trennt sich vom Likud und gründet Kadima, der sechs Minister und zahlreiche Mitglieder des Likud und der Arbeitspartei beitreten (August/November)

2006

4. Januar 2006
Ministerpräsident Ariel Scharon erleidet einen schweren Schlaganfall; Ehud Olmert übernimmt die Amtsgeschäfte

26. Januar 2006
Hamas Wahlsieger

Die Hamas gewinnt bei demokratischen Parlamentswahlen der Palästinenser die absolute Mehrheit im palästinensischen Legislativrat

Mai 2006
Nach den Wahlen zur 17. Knesset bildet Ehud Olmert (Kadima) eine Regierung mit der Arbeitspartei, ultra-orthodoxe Schas, Rentnerpartei; später folgt die rechts-nationale Jisrael Beitenu

25. Juni 2006
Der israelische Soldate Gilad Schalit wird von Hamas in den Gazastreifen entführt.
Drei Tage später marschiert die israelische Armee in den Gazastreifen ein.

12. Juli 2006
Zweiter Libanonkrieg (bis 14.8.)

17. September 2006
Untersuchungskommission zum zweiten Libanonkrieg

Auf Druck der israelischen Öffentlichkeit wird die Winograd-Kommission eingesetzt, um die Ursachen für den desaströsen Libanonkrieg zu finden.

2007

Juni 2007
Hamas setzt sich im Gaza-Streifen gegen Fatah durch
Der Putsch-Versuch der Fatah gegen die Hamas scheitert. Die konkurriende Fatah von Mahmoud Abbas wurde von Israel und den USA mit Geld und Waffen unterstützt, um Hamas daran zu hindern, nach ihrem demokratischen Wahlsieg die Regierungsgeschäfte zu übernehmen. Trotzdem hat sich Hamas durchgesetzt. In westlichen Medien wird in Verdrehung der Tatsachen fast immer vom Putsch der Hamas gesprochen.

1. Mai 2007
Veröffentlichung des ersten Winogradberichts

28. Mai 2007
Schimon Peres wird Staatspräsident

27. November 2007
Nahost-Friedenskonferenz im amerikanischen Annapolis

2008

30. Januar 2008
Winograd-Bericht
Der abschließende Bericht der sogenannten Winograd-Kommission wirft Israels politischer und militärischer Führung während des Libanonkrieges von 2006 schwere Verfehlungen vor

17. März 2008
Deutsch-israelische Regierungskonsultationen
In Israel finden zum ersten mal deutsch-israelische Regierungskonsulationen statt

19. Juni 2008
Waffenstillstand Israel – Hamas
Ein von Ägypten vermittelter Waffenstillstand tritt in Kraft. Die Zahl der Raketenangriffe von militanten Gruppierungen aus dem Gazstreifen gehen fast auf Null zurück (nach ~1500 im Vorjahreszeitraum).

4. November 2008
Israel bricht Waffenstillstand
Israel dringt mit Truppen in den Gazastreifen ein und tötet mit Luftunterstützung mehrere Hamas-Aktivisten

18. Dezember 2008
Hamas kündigt Waffenstillstand
Unter Verweis auf nicht eingehaltene Vertragsbedingungen seitens Israel – vor allem Öffnung von Grenzübergängen für humanitäre Hilfslieferungen – kündigt Hamas den Waffenstillstand und nimmt Raketenangriffe gegen Israel wieder auf.

27. Dezember 2008 – 18. Januar 2009
Operation Gegossenes Blei
Die israelische Armee greift Gaza an, ab dem 3. Januar 2009 dringen Bodentruppen ein.
Israel setzt Munition ein, die vom Kriegsvölkerrecht geächtet ist: Weisser Phosphor und Schrapnell-Geschosse.
In diesem Gaza-Krieg setzte Israel offenbar jene „unverhältnismäßige Härte“ um, die sie in 2006 als Dahiyeh-Doktrin formuliert hat. Ein Prinzip, das für einen bewaffneten Konflikt gezielt auf Unverhältnismäßigkeit der Mittel zielt ist dem Humanitären Völkerrecht diametral entgegen gesetzt.
In Gaza kamen ca. 1400 Menschen ums Leben, die meisten davon Zivilisten.

2011

18. Oktober 2011
Gilad Schalit frei
Der von der Hamas im Jahr 2008 entführte israelische Soldat kommt im Rahmen eines Gefangenenaustauschs frei.

2014

September 2014
Kriegsdienstverweigerung israelischer Soldaten
43 Reserve-Soldaten der israelischen Armee schreiben an Ministerpräsident Netanjahu, um die israelische Besatzung des arabischen Westjordanlandes zu kritisieren und ihre Bereitschaft zu weiteren Einsätzen abzulehnen:

Millionen von Palästinensern haben über einen Zeitraum von über 47 Jahren unter der Militärherrschaft Israels gelebt.
Diese Herrschaft verweigert ihnen grundlegende Rechte.
Große Flächen Land werden zum Zweck jüdischer Besiedlung enteignet. […]
Die Ausdehnung von Siedlungen hat nichts mit nationaler Sicherheit zu tun. […]
Wir können diesem System, das Millionen die Rechte vorenthält, nicht mehr mit gutem Gewissen dienen.

2017

6. Dezember 2017
US-Präsident Trump: Jerusalem Hauptstadt von Israel
Trump kündigt den Umzug der amerikanischen Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem an

2018

30. März 2018
Gaza: Proteste zum „Marsch zur Rückkehr“
In Gaza demonstrieren Palästinenser anlässlich eines „Marsches zur Rückkehr“ am Grenzzaun zu Israel. Die israelische Armee erhält den Schießbefehl. Am Grenzzaun werden zahlreiche Scharfschützen postiert.

14. Mai 2018
Israel feiert 70. Geburtstag
US-Botschaft in Jerusalem
Die USA werten ihr Konsulat in Jerusalem zur Botschaft auf und setzen damit die Politik von US Präsident Trump um.

Die Proteste am Grenzzaun zu Gaza werden gewalttätig. Demonstranten lenken mit Benzin beladene Flugdrachen über den Zaun und zünden damit auf israelischer Seite Getreidefelder an. Vom 30. März bis 12. Juni erschiesst die israelische Armee 135 Palästinenser und verletzt etwa 14.000; fast 4.000 durch scharfe Munition. Darunter sind Menschen, die weithin sichtbar als Journalisten oder Sanitäter gekennzeichnet sind. Die israelische Organisation Breaking the Silence, die aus ehemaligen Soldaten besteht,  spricht in einem offenen Brief von „Scham angesichts von Befehlen, die frei von Moral und ethischem Urteilsvermögen“ sind.

19. Juli 2018
Gesetz erklärt Israel zum Nationalstaat für das jüdische Volk

In diesem Nationalstaats-Gesetz werden vor allem drei Dinge bestimmt: (1) Israel ist das Land für Juden (2)  Arabisch ist keine Landessprache mehr (trotz 20% arabischer Israelis im Land) (3) der jüdische Siedlungsbau bekommt „nationalen Wert“.
Die ersten beiden Punkte widersprechen der israelischen Unabhängigkeitserklärung von 1948, in der es hieß:

The State of Israel […] will ensure complete equality of social and political rights to all its inhabitants

 


Diese Chronik zu Israel und Palästina wird fortlaufend erweitert.

Photo Damaskus-Tor: Matson Collection, Wikimedia Commons (gemeinfrei)