Mixa, Marx & Co. beissen, kratzen und spucken

Wie kann sich ein hoher Würdenträger der Kirche nur so aufführen, wie es zur Zeit der Bischof Mixa tut? Oder dessen Brüder im Amte Marx und Zoellitsch?

Wer diese Frage ernst nimmt, ist zu bemitleiden, weil er rein gar nichts versteht von der Natur des Menschen.

Mixa, Marx & Co. sind Menschen, die in ihrer Welt – die gewissermaßen zufällig eine katholische Welt ist – fast ganz nach oben gekommen sind. Nun gibt es keinen menschlichen Bereich auf Erden, in dem man ganz oder fast ganz nach oben käme, ohne die dafür nötigen Voraussetzungen mitzubringen.

Im positiven Fall sind die Mitbringsel Fach- und Sachkenntnis, Intelligenz oder Teamgeist. Das sind aber beileibe keine notwendigen Voraussetzungen, um nach oben zu kommen. Notwendige Voraussetzungen sind vielmehr Ehrgeiz, Machtbewußtsein, Durchsetzungswillen, rhetorische Begabung, Cleverness, Beziehungen. Oft hilft Rücksichtslosigkeit bis hin zur Brutalität, Verschlagenheit, Täuschung, Scheinheiligkeit. Manchmal – manchmal! – klappt es ohne diese Zutaten. Das macht den Charme des Außenseiters.

Im Fall der Mixa, Marx, Zoellitsch & Co. darf man davon ausgehen, dass es nicht diese romantischen Eigenschaften waren, die sie ins hohe Amt beförderten.

Wie leicht es für diese verwöhnte Spezies ist, sich den Anschein eines nächstenliebenden und gottesfürchtigen Menschen zu geben, wenn man finanziell so abgesichert ist, gesellschatflich so hoch gestellt, eingewöhnt in kirchlichem Pomp und in geradezu fürstliche Zeremonie, mehr als wohlgenährt, umgeben von liebedienerischen Hofchargen und unterwürfigen Gläubigen. Kurzum: Behütet. Verwöhnt.

Und dann, welch Wunder, liegen die Nerven blank, mehr als blank, wenn die erstbeste Krise ins Haus steht.

Und was registriert der unbedarfte Beobachter auf Seiten der Würdenträger angesichts der Mißbrauchsfälle? Akte der Nächstenliebe? Christliche Einkehr? Buße? Zerknirschung gar? Bitte um Vergebung?

Weit gefehlt. Hätten sie das zustande gebracht, die Mixas & Co., hätten sie den Anschein dieser Einkehr zustande gebracht, dann hätte man den Hut ziehen müssen wegen der gezeigten Disziplin. Immerhin, denn für Disziplin braucht es etwas.

Doch nicht einmal dafür reichte es. Im Alltag lief man mit dem dünnen Firniß von Moral und  Christlichkeit durch die Gegend. Und jetzt, in einer mittelmäßigen Krise beissen, spucken und kratzen die christlichen Würdenträger, wo es nur geht. Heute hat der gelackte Sprecher des Münchner Kardinal Marx in die Kamera geheuchelt, man wünsche dem Bischof Mixa weiterhin alles Gute auf dem Weg der Besserung, nachdem sich der ja bereits in psychiatrischer Behandlung begeben habe…

Schwer zu sagen, wer widerlicher ist: Der mutmaßlich gedächtnisschwache egomanische Kinderprügler Mixa oder dessen bigott selbstgerechte Widersacher Marx und Zoellitsch?

Man würde sich wünschen, man hätte es mit Sündern zu tun, denn immerhin: Es sind ja auch nur Menschen. Das trifft es aber nicht. Man hat es vielmehr mit Heuchlern zu tun,mit professionellen Heuchlern.

Wer Augen hat zu sehen, der sehe. Wer Ohren hat zu hören, der höre. Insofern ist es gut, dass sie sich zeigen, wer, was und wie sie wirklich sind:

Keine Gottesmänner. Bloß eitle, machtgierige Menschlein, die ihren meist schwammigen Leib in Gold-Brokat kleiden dürfen, die mit ihren bleichen Beinen  auf dem Boden der eingebildeten Tatsachen stehen – und dabei noch geschont sind von weichen Prada-Slippern. Auf Kosten der treu-gläubigen Oma.

Vergelt’s Gott, Hochwürden!

— Schlesinger