Die Gier ist schuld an der Krise!

… sagt der Naive, denn er urteilt wenig hilfreich mit Moralmaßstäben seiner relativ einfachen Lebenswelt über komplexe Systeme , meint verkürzt gesagt der Bamberger Soziologe Gerhard Schulze in einem beeindruckenden Essay und kommt zum Schluß:

„Mit Bußpredigten kommt man Systemen nicht bei.

In der gegenwärtigen Weltwirtschaftskrise fungiert der Vorwurf der Gier bloß als eine Art Blitzableiter.

Man wird damit Aggressionen los, sieht sich auf der Seite der Guten und hat das schöne Gefühl, die Welt zu verstehen.

Ein ähnliches Phänomen gibt es auch in der Medizin; Ärzte sprechen in diesem Zusammenhang vom Kausalitätsbedürfnis der Laien. Patienten wollen einen Namen für ihre Symptome. Durch Etikettierung mit einem Krankheitsbegriff entsteht ein Gefühl des Begreifens, das heilend wirken kann, so falsch der Begriff vielleicht sein mag.

Analog lässt sich die Diagnose „Gier“ als ein entlastender moralischer Pathologisierungsreflex verstehen.

Doch anders als in der Psychosomatik gibt es in der Ökonomie keinen Placeboeffekt.“

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— Schlesinger