Weitere Abwrackprämien: Das richtig falsche Signal

Satte 21 Prozent mehr Neuzulassungen im Februar – dank Kfz-Abwrackprämie.

Das ist eine äußerst positive Nachricht für eine Branche, die zuletzt von Horrornachrichten geprägt war wie der von einem massiven Bestell- und damit verbundenem Produktionsrückgang für Nutzfahrzeuge :

Nach einem Rückgang um 76 Prozent im Januar brachen die Bestellungen aus dem Ausland für Nutzfahrzeuge über 6t im Februar sogar um 95 Prozent ein.[…]

Beeinflusst durch das extrem schlechte Auslandsgeschäft haben die deutschen Hersteller von Transportern und schweren Lkw ihre Fertigung auch im Februar deutlich zurückgefahren. Insgesamt produzierten sie 65 Prozent weniger Fahrzeuge bis 6t und 68 Prozent über 6t in ihren deutschen Werken. In den ersten beiden Monaten 2009 musste die Herstellung von Nutzfahrzeugen auf 37.000 Einheiten (-57 Prozent) zurückgefahren werden.

Die Auslandsorder im Transportersektor unterschritten im Februar das Vorjahresvolumen um 55 Prozent.

Den Erfolg der Prämie möchten nun andere Branchen, die ebenfalls unter großen Absatzproblemen leiden, kopieren. So fordert nun die Gewerkschaft IG Metall eine Abwrackprämie für Kühlschränke in Höhe von 100 Euro.

Die Idee ist nicht ganz neu. Sie wurde im September letzten Jahres vom damaligen Wirtschaftsminister Michael Glos vorgestellt. Allerdings fand sie zuwenig Befürworter, um umgesetzt werden zu können. Die finanzielle Belastung von geschätzten 600 Mio. € schien untragbar.

Der Charme der „Weisse-Ware-Initiative“ hätte neben einer konjunkturellen Belebung auch in einer wirtschafts- und umweltpolitischen Weichenstellung bestanden: Der Förderung von Produktionszweigen, die nachhaltige Güter abieten.

Im übrigen könnten Haushalte durch eine Umstellung auf energiesparende Geräte der Effizienzklasse A++ bis zu 340 Euro Stromkosten sparen.

Vom Schäppchenjäger zum Prämienjäger

Verbraucher sind Herdentiere.

Gestern noch schien man dem Verbraucher die Krise gar nicht anzumerken – übrigens: ich will noch immer nicht verstehen, wie wir plötzlich nur noch Verbraucher sind, und längst keine Bürger mehr -.

Mit jedem Tag wird er von einer auf Schlagzeilen bedachten Medienlandschaft mit neuen Schreckensnachrichten bombardiert, um ja bitteschön zu kapieren, dass wir derzeit die bemitleidenswerten  Kinder der Rabenmutter aller Krisen sind.

Inzwischen dürfte dem doch recht begriffsstutzigen Verbraucher eingebleut worden sein, wo wir (vermeintlich) stehen.

In dieser psychologisch fragilen Situation tritt der Staat auf, und bietet diverse Hilfen an. Prämien. Belohnungen für richtiges Handeln.

Verbraucher, bring Dein Auto zum Schrott und kaufe ein neues: Bitteschön, hier sind 2.500 Euro.

Und nun, vielleicht: Verbraucher, bring Deinen Kühlschrank zur Entsorgung und kaufe einen neuen. Bittesehr, 100 Euro dafür.

Damit werden wenigstens zwei schwerwiegende Fragen aufgeworfen.

Wo fängt man als belohnender Staat an und wo hört man auf? Sind als nächstes Alt-Fernseher, Alt-Mofas oder alte Schuhe Kandidaten für eine Prämie? Soll, kann der Staat jedesmal sein Portemonnaie öffnen und uns einen Groschen dazu geben?

Mit diesem Verfahren wird ein Verhalten traniert, das für eine Krise fatal ist: Handle nur, wenn Dir ein Anreiz dafür gegeben wird.

Normales Geldausgeben, herkömmliche Investitionen waren gestern. Wir stecken in der Krise! Haltet Euer Geld zusammen, hört man aus dieser Methode heraus; wir sagen Euch, wofür es sich (noch) auszugeben lohnt.

Das ist Erziehung zu unselbständigem Handeln. Mehr noch: zur Passivität, auch wenn das niemand so möchte oder beabsichtigt.

Es fördert zudem die irrige Annahme, der Staat könne die Krise alleine durch eine geschickte Auswahl von Konjunkturanreizen bewältigen. Nichts könnte falscher sein. Der Bund hat sich inzwischen bis zu seiner Belastungsgrenze verausgabt. Punkt.

Die Haushalte müssten „normal“ investieren

Die deutschen Haushalte verfügen in Summe über ein circa 70 mal größes Nachfragepotential als die beiden von der Bundesregierung verabschiedeten Konjunkturprogramme.

Hier gilt es verstärkt anzusetzen.

Wenn die Deutschen statt dessen beginnen (oder fortfahren), sich von der Krise ins Bockshorn jagen zu lassen, werden wir die schönste selbsterfüllende Prophezeiung erleben, die man sich vorstellen kann. Dann hätte man aus den großen Krisenjahre der späten Zwanziger, Anfang Dreissiger tatsächlich nichts gelernt.

Gold – eine höchst schädliche Anlage

Ein unschönes Beispiel dafür ist die einsetzende Flucht in das vermeintlich sichere Gold. Denn mit jedem gekauften Gramm Gold wird der Ökonomie Geld entzogen. Goldwerte sind passive Werte. Das einmal für Gold ausgegebene Geld ist dem Wirtschaftskreislauf fürs erste entzogen.

Man stelle sich ein kleines Dorf vor, das einen Bäcker, einen Autohändler und einen Schreiner hat. Eine Krise zieht übers Land. Der Bäcker kauft Gold, um sicher zu sein in schwierigen Zeiten. Das dafür ausgegebene Geld kann er aber nicht zugleich für die erwünschte Schrankwand nochmals ausgeben. Da aber der Schreiner keine Einkünfte vom Bäcker erzielt, kann er sich das ersehnte Auto nicht kaufen, zumal er sein bisher Erspartes ebenfalls in Gold angelegt hat… etc.pp.

Die Umlaufgeschwindigkeit und damit die Geldmenge verringert sich damit weiter – und dies in Zeiten, in denen gerade der Mangel an Liquidität eins der vordringlichsten Probleme ist.

Was daher JETZT weitaus mehr vonnöten ist als weitere Prämien, Steueranreize etc.pp.: Uns allen etwas Mut zuzusprechen und uns zu normalem wirtschaftlichen Handeln anzuhalten.

Das wäre vernünftig.

Aber vielleicht gleichen wir doch viel mehr den Lemmingen, als man annehmen möchte.

— Schlesinger