Arktis eisfrei? Eine Katastrophe mit Vorankündigung

SPIEGEL: Forscher machen dramatische Vorhersagen für das Eis am Nordpol. Es taut in einem brutalen Tempo ab, viel schneller als vom Weltklimarat vorhergesagt.

Es ist eine Katastrophe mit Vorankündigung. Das Eis der Arktis dürfte in diesem Sommer weiter schrumpfen – ein Nordpol ganz ohne Eis gilt unter Experten als durchaus wahrscheinlich.

National Snow and Ice Data Center (USA / Bolder / Colorado):

Thinner ice already showing weakness

As mentioned, the thin ice that covers much of the Arctic Ocean is showing signs of early breakup, with large polynyas [ eisfreie Flächen innerhalb des arktisches Eises ] off the coast of Alaska, the Canadian Archipelago, and Baffin Bay.

Coastal polynyas are not unusual, at this time of year, but the polynyas we are currently seeing appear larger and more numerous than usual. This is partly because of the thinner, weaker ice cover.

Inuit report that sea ice is starting to break up near Baffin Bay much earlier than normal this year. They have observed wide cracks in the ice already […]

Angela Merkel die Mutter aller Klimaschützer

Angesichts dieser globalen Notlage hat sich Angela Merkel spätestens seit dem G-8 Gipfel in Heiligendamm zur Vorreiterin Sachen Klimaschutz stilisiert.

Im April diesen jahres hielt sie eine Ansprache im FORD-Werk in Köln. Daran kann man ihre Hartnäckigkeit in Sachen Klimaschutz gut ablesen:

Wir führen eine große Diskussion über die Herausforderungen im Zusammenhang mit dem Klimaschutz. Ich finde es sehr beeindruckend, welche Fortschritte hierbei erzielt wurden und welche Perspektiven sich uns eröffnen. Wir haben uns vorhin im Entwicklungsraum ein Bild davon gemacht. Es ist interessant, wie die verschiedenen technischen Innovationen ineinander greifen und dazu führen, dass wir das Ziel eines durchschnittlichen Ausstoßes von 120 Gramm CO2 pro Kilometer in der gesamteuropäischen Flotte durchaus ins Visier nehmen können.

[…]

Ich halte nichts davon, eine Branche […] übermäßig zu reglementieren.

Wir wissen, dass uns ein bestimmtes Zeitfenster zur Verfügung steht, um die Herausforderungen des Klimaschutzes zu bewältigen.
Wir müssen dieses Zeitfenster nutzen.
Wir müssen aber auch die Entwicklungsdauer berücksichtigen.
Das heißt, wir dürfen nicht sehr hohe Kosten bei zu kurzen Zeitläufen verursachen.“

Es gibt ein Zeitfenster? Stimmt. Wir müssen aber auch die Entwicklungsdauer berücksichtigen?

Leider gibt es nicht beides im harmonischen Doppelpack.

Ich fürchte, die dahinschmelzende Arktis lässt das Thema „Entwicklungsdauer“ nicht kalt.

Al Gore verwendet in seinen Vorträgen oft das Bild von den Kindern, die uns angesichts des bewältigten oder nicht bewältigten Klimawandels dereinst die Frage stellen werden, warum wir so oder so gehandelt haben.

Vermutlich werden wir nicht auf die Fragen der Kinder warten müssen.

Wir werden Gelegenheit bekommen, uns selbst die Frage zu stellen.

— Schlesinger

(Photo: Yukon White Light)
(Photo: National Snow and Ice Data Center)