Mein Antisemitismus west

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Mit Kritik zu meinem Beitrag „Unbequemer Rückblick auf terroristische Juden“ hatte ich gerechnet. Immerhin habe ich – in Gedenken an Al Gore, der seine geharnischte Rede auf der Klimakonferenz in Bali mit den Worten eröffnete: I am not as an official here, so I don’t have to use diplomatic niceties – auf diplomatische Feinheiten verzichtet.

Mit echter Erleichterung stelle ich fest, dass scharfe Reaktionen bislang ausblieben. Daraus schliesse ich, dass sich die Leser mit nüchternen historischen Tatsachen auseinandersetzen, den Beitrag entsprechend einordnen können und die Schärfe der Formulierung vor dem Hintergrund der Absicht verstehen.

Die im Blog benannten Umstände der gewaltsamen Anfänge Israels sind historisches Allgemeingut und können in jedem beliebigen Standardwerk nachgeschlagen werden.

Jetzt aber!

Mein Kampf des Horst Grobavski

Eine erstklassige – da unerwartete Reaktion – stellte sich prompt auf dem populären Internet-Portal „webnews“ ein. Dort hat uns ein Kommentator namens Grobavski – sicherlich ein Kunstname – in seine kleine Liste der verkappten Antisemiten aufgenommen. Ich meine, er müsse Horst mit Vornamen heißen.

Mein Kampf des Horst Grobavski wird von ihm selbst wie folgt beschrieben:

Der Nationalsozialismus war nie besiegt, nur geschwächt. Er west weiter und bricht sich in den „Äußerungen“ des gemeinen Bürgers seine immergleichen Bahnen.

Bitte. Geniessen Sie das. Das ist Teutsch in Vollendung. Goethe tät erröten thun und seinen Faust umschreiben, hätte er gewußt um seinen sprachlichen Nachfolger! Wir alle sind [geistige] Zwerge, die auf Schultern von Giganten stehen? Nö. Goethe war ein Zwerg, der hier vom Sprach-Riesen Grobavski in den Dichter-Sumpf getreten wird.

Nochmal:

Der Nationalsozialismus war nie besiegt, nur geschwächt. Er west weiter und bricht sich in den „Äußerungen“ des gemeinen Bürgers seine immergleichen Bahnen.

Phantastisch!!! Ist das nicht POESIE? Apropos Poesie: Gab es nicht früher in der Süddeutschen die Rubrik ‚Helden der Lyrik‘? Ach, er hätte groß heraus kommen können, unser polnischer Anti-Antisemiten-Ritter. ‚Tschuldigung, aber mich zerreißt es fast …. Warum auch muss sich der Anti-Antisemitische Ritter ‚Grobavski‘ nennen? Vielleicht hat er ein bisschen im Nietzsche geschnüffelt: Ich bin ein polnischer Edelmann von Geblüt

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… und wurde ein wenig betütelt davon. Weiter!

Die Poesie dieses Geschwächt-Seins, sie rührt aus diesen geschmeidigen Formulierungen, spüren Sie es, das Rühren? Da rührt es:

Es west und bricht und bahnt der Antisemitismus (Wohin? Durch Nacht und Wind ? Mein Vater, mein Vater, jetzt faßt er mich an, der Grobavski hat mir ein Leids getan, und zehn Minuten bis Buffalo) ….

Entschuldigung, ich musste kurz mit dem Schreiben aufhören, weil es ein bisschen brauchte, bis ich wieder klar sehen konnte vor lauter Lach-Tränen… Ich bin ja jedem dankbar, der mich zum Lachen bringt, aber, …, also Danke! Horst, Du edler Ritter Retter.

Grobavski ist zu lang für ständige Wiederholung, nennen wir ihn daher kurz und bündig Grob.

Grob fährt nun fort, die user zum Mitmachen zu animieren:

Einige Freunde haben mit der Auflistung von antisemitischen oder latent antisemitischen Äußerungen in der Gruppe „antisemitische Internationale“, die auch gerne unter dem Deckmantel der „Israelkritik“ daherkommen, begonnen.
Wer interesse daran hat, der kann sie unter https://www.webnews.de/forum/
antisemitische_internationale/thread/447
einsehen und sogar mitmachen.

Sagt Grob hier wirklich, was er sagen will, oder purzeln ihm die Worte ein bisschen durcheinander?

Nun gut, der Mann muß wissen, was er sagt. Ergo: In der Gruppe „antisemitische Internationale“ werden antisemtitische oder latent antisemitische Äußerungen getätigt? Das ist…. doppelt tragisch. Erst macht der Grob eine Gruppe „Antisemitische Internationale“ auf – das wird den durchschnittlichen Israeli / Juden gar nicht erfreuen! – und darin finden sich sodann die besagten antisemitischen Äußerungen. Mein lieber Horst-Schwan! Wenn das mal ein bestimmtes Klientel mitbekommt, bist Du bestimmt am Rudern.

Wer sodann „Interesse daran hat“, kann den thread (= das Thema) einsehen und „sogar mitmachen“.

Wir als eingefleischt-verkappte Antisemiten wollten natürlich unseren Gegner kennenlernen und klickten auf „mitmachen“.

Dann bekommt man als interessierter user Folgendes zu sehen:

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Hmmmmmpf. Irgendwie stelle ich mir gerade das Gesicht von Stefan Raab vor, wenn er jemand besonders Klugen erwischt hat. Und dann breit grinsend dasteht.

Lieber Grob – und Ihr anderen, ähnlich gewickelten Anti-Antisemiten – : Falls Du von Beruf Schuster sein solltest, bleib doch bitte bei Deinen Leisten. Oder lerne wenigstens Deine Muttersprache. Sonst wird es immer schwierig für Dich bleiben, sich mit anderer Leute Meinungen auseinanderzusetzen. Wer die Sprache nicht versteht, versteht das Argument gleich zweimal nicht.

Israel, hast Du solche Freunde, brauchst Du keine Feinde mehr.

— Schlesinger

PS.: Was ich Horst wirklich übelnehme ist, dass er mich in altdeutscher Diktion einen gemeinen Bürger heißt. Das west mich echt an.

(Photo: Orthodoxe Juden / DaveyBot - Flickr CC)

Privater Nachtrag

Das Eingangsbild der orthodoxen Juden, die zum Zeichen ihrer Ablehnung des Staates Israel eine Fahne Jordaniens schwenken, erinnert mich an meine erste Israel-Reise. Bei einem Rundgang durch das orthodoxe Jerusalemer Viertel Mea Shearim wurden wir von jüngeren Orthodoxen ohne jeglichen Anlass mit Steinen beworfen und mit Rufen „Go away!“ zum Verlassen aufgefordert. Das taten wir freiwillig und waren recht irritiert. Wir waren erst Mitte zwanzig.

Der damalige Leiter der Jugendherberge oberhalb des Genezareth (phantastischer Ausblick!), der als Kind in Bergen-Belsen war, meinte dazu, die Orthodoxen seien in der Tat eins der größeren Probleme im Land.

So wie manche Araber ein Problem sind, etwa die Gruppe, die wir in einem Cafe in der Altstadt Jerusalems getroffen haben und die uns schmeicheln wollten mit markigen Sprüchen à la „Germany great! Mercedes Benz – very good! Hitler – great man!„. Eine Kollegin, die einige Zeit in Israel gearbeitet hat, konnte mir just diese Formulierung lebhaft bestätigen.

Das steht wiederum im Gegensatz zu den Palästinensern, die uns im Norden – in der Nähe von Quiriat Shmona – sagten, sie wollten keinen Palästinenserstaat. Sie fühlten sich wohl als arabische Israelis.

Was einen dann wieder wundern mochte, angesichts des allzu testosteron-aggressiven Verhaltens der waffenstrotzenden jungen Soldaten, die am Jerusalemer Damaskustor Leibes-Visitationen an älteren Arabern durchführten.

Steht man dann aber auf dem Golan und weiß um die kümmerlichen 20 km Luftlinie zur Mittelmeer-Küste (so schmal ist Israel dort) , dann spürt man die israelische Angst, überrannt zu werden. Etc.pp.

Das war 1990, und in 1993 zeigte sich uns dasselbe Bild. Es dürfte sich wenig geändert haben bis heute. Nur in Gaza, da ist es noch desperater geworden. Und im Westjordanland wuchern die Siedlungen der Orthodoxen. Alles recht kompliziert da unten, zu kompliziert für Horst & Co.

(Grafik: webnews.de)