Landtagswahl Bayern – Söder weder Strauß noch Tyson

Söder

Markus Söder sieht sich in der Nachfolge von Franz-Josef Strauß.

Was den unbedingten Willen zur Macht anbelangt, mag das sogar stimmen.

Nur:

Der Strauß war intelligent, hatte eine politische Begabung, eine Statur, und ein enormes Ego, die ihn mächtig werden ließen und Bayern dabei groß.

Der Söder ist gerissen, hat ein riesiges Ego und eine Arbeitswut, die ihn mächtig werden ließen und sonst nix.

Strauß war „a Hund“, der Söder ist ein „Bazi“

Größe: Die sucht der Markus Söder seit langem vergebens.

Söder zieht es vor immer das zu tun, was ihm für die nächsten Tage oder Wochen oder Monate einen Vorteil verspricht.

Wichtig ist, was für ihn dabei heraus kommt (Ministerpräsident werden!). Was für Bayern dabei heraus kommt ist Wurschd.

Der Strauß hat g’fressn und g’soffen und anderes mehr, und die Leut‘ habens gelitten.

Der Söder lässt sich mit einer Maß Bier ablichten, an der er kurz nippt und sie dann lack werden lässt.

Soll heißen: der Strauß war echt, der Söder macht den Leuten was vor.

Das fängt mit der Maß Bier an und hört beim Wohnungsbau längst nicht auf.

Söder will Christ sein

In der Süddeutschen war zu lesen, dass Ministerpräsident Markus Söder als gewissermaßen erste Amtshandlung zwei ihm wichtige Dinge auf seinem Schreibtisch drapiert hat: Eine Bibel und ein Photo von Franz-Josef Strauß.

Im Handschuhfach seines Fahrzeugs hat Söder anscheinend eine weitere Bibel liegen – als Hörbuch.

Dem evangelischen Christen und Ministerpräsidenten Kretschmann in Stuttgart nimmt man ja noch ab, dass er trotz des Politiker-Berufs bemüht ist, so etwas wie Christ zu sein.

Aber Markus Söder?

Um christliche Werte ging es offenkundig nicht, als der Herr Söder seinerzeit dafür war, 33.000 staatliche Wohnungen der GBW für über 2 Milliarden Euro an die private Augsburger Immobilienfirma Patrizia zu verschachern. Da ging es anscheinend um die „Sachzwänge“ des Kapitalmarkts und um die Forderungen aus Brüssel (was eher nicht stimmt).

Da schau an: Der Markus Söder, der sich gern als unbeugsam gibt, hatte sich damals doch recht flink gebeugt – bei genauerem Hinschauen würde man vielleicht sehen, dass er sich gar nicht hätte beugen müssen.

Jedenfalls tät Herr Söder mit dieser Kapitalisten-Kungelei viel besser zur FDP passen.

Söder: Mike Tyson der CSU ?

Markus Söder stellt sich gerne als der starke Mann der CSU dar, so eine Art Mike Tyson.

Richtig dabei ist, dass er seine Kontrahenten auf die Bretter schickt, und – den Eindruck hat man schon – das auch gerne tut.

Wenn Söder bei all dem erklärt Christ zu sein ist das so, als hätte Mike Tyson während seiner Blütezeit als Schwergewichts-Weltmeister nach jedem weiteren blutigen K.O. mit zuckersüßer Stimme erklärt, er wolle nichts anderes als die Botschaft der Liebe in der Welt verbreiten.

Dass Markus Söder jetzt wieder den staatlichen Wohnungsbau ankurbeln will – zufällig kurz vor der Wahl – zeigt, dass er doch kein stiernackiger Mike Tyson ist, sondern nur:

ein Wendehals.

— Schlesinger

Photo: Nan Palmero (Flickr CC Lizenz)