Israelische Armee: Bedouinen-Mädchen entführt, vergewaltigt, ermordet

Israelische Soldaten beten an der Klagemauer
Israelische Soldaten beten an der Klagemauer

Die Palästinenser haben in den vergangenen Wochen am Grenzzaun von Gaza gegen die Besatzungsmacht Israel demonstriert, und die israelische Armee hat das Feuer eröffnet.

Teils mit Gummigeschossen, teils mit scharfer Munition. Über Hundert Demonstranten wurden getötet.

Und wie reagieren der israelische Verteidigungsminister Lieberman und Premierminister Netanjahu?

Sie nehmen schon wieder die zynische Formulierung von der „moralischsten Armee der Welt“ in den Mund, um ihre Armee pauschal von allen Verfehlungen rein zu waschen.

Abgesehen davon, dass man die Begriffe „Armee“ und „Moral“ am besten gar nicht in Beziehung bringen sollte,  hat diese Bewertung für die israelische Armee noch nie gegolten. Und zwar von Anfang an nicht.

Schon im ersten Jahr ihrer Gründung hat es zahlreiche Kriegsverbrechen gegeben, wie die zahlreiche verfügbare historische und biografische Literatur zeigt.

Kriegsverbrechen der israelischen Armee 1949

Das vielleicht schlimmste Verbrechen in der Gründungsphase der israelischen Armee (IDF) hat sich im August 1949 ereignet.

Das Verbrechen wurde von einer Einheit begangen, die in der Wüste Negev stationiert war. Hauptmann Uri war Kompaniechef, und Leutnant Moshe der Zugführer der Einheit, um die es im Folgenden geht:

Die israelische Tageszeitung Haaretz hat im Jahr 2003 die erst spät aufgetauchten Dokumente ausgewertet und folgende Ereignisse rekonstruiert:*

Tötet jeden Araber

Kompaniechef Hauptmann Uri gab seinen Soldaten Anweisungen [für den bevorstehenden Einsatz]. Geheimdienstberichte erwähnten zwei Beduinenstämme, die in diesem Sektor gesichtet worden waren: Ihr schießt auf jeden Araber in Eurem Sektor und tötet ihn„.

Auf dem Weg stießen sie [eine Patrouille von Leutnant Moshe] auf einen Araber, der ein englisches Gewehr in der Hand hielt. Als der Araber sie entdeckte, warf er das Gewehr weg und rannte die Düne hinauf. Einer der Soldaten eröffnete das Feuer mit einer Maschinenpistole. Der Araber wurde getroffen und starb auf der Stelle. Sein Gewehr wurde als Beute genommen.

Schlachtet die Kamele ab

Kurze Zeit später traf die Patrouille auf drei Araber – zwei Männer und ein Mädchen. Es gibt verschiedene Versionen bezüglich des Alters des Mädchens. Nach einigen Berichten war sie ein junges Mädchen zwischen 10 und 15 Jahren; andere sagen, sie sei zwischen 15 und 20 Jahre alt gewesen. Zugführer Moshe befahl den Soldaten, die Araber zu ergreifen und sie zu durchsuchen. Die Soldaten fanden nichts. Leutnant Moshe befahl dann den Soldaten, das Mädchen in das Fahrzeug zu bringen. Ihre Schreie und Hilferufe waren nutzlos. Sobald sie im Fahrzeug war, verscheuchten die Soldaten die beiden Araber, indem sie in die Luft schossen. Auf dem Rückweg zum Außenposten stießen sie auf eine Herde weidender Kamele. Leutnant Moshe befahl den Soldaten, die Tiere zu erschießen. Sechs Kamele wurden erschossen. Ihre Körper blieben auf dem Feld um zu verrotten.

Die Gefangene ist „fickbar“

[Nach der Rückkehr der Patrouille zu ihrem Außenposten Nirim]

Nachdem sich das Mädchen etwas beruhigt hatte, wechselten die Soldaten einige Worte mit ihr – besonders Unteroffizier David. Die Soldaten unterhielten sich untereinander und das Wort „fickbar“ kam in der Unterhaltung auf.

Am Außenposten nahmen die Soldaten das Mädchen aus dem Fahrzeug. Leutnant Moshe befahl, sie in die unbenutzte Hütte zu bringen und einen Posten an die Tür zu stellen. [Der zu einem Truppenbesuch anwesende Bataillons-Kommandeur] Drexler, der eine gewisse Aufregung wegen des Mädchens bemerkt hatte, fragte, was sie dort mache. Leutnant Moshe antwortete, dass er sie und ihren Mann, der mit einem Gewehr bewaffnet war, auf der Patrouille gesehen hatte. Er berichtete Drexler, dass sie den Mann getötet und das Mädchen gefangen genommen hatten, um sie über den Aufenthaltsort ihres Stammes zu befragen. Drexler autorisierte ihre Vernehmung, befahl aber, sie solle später an den Ort zurückgebracht werden, an dem sie gefasst worden war, und freigelassen werden. Er bat auch Zugführer Moshe dafür zu sorgen, dass die Soldaten sie nicht misshandelten.

Kurz nach der Abfahrt des Oberkommandierenden Drexler unternahm Leutnant Moshe eine weitere Patrouille.

Gang rape

Nachdem er gegangen war, nahm Unteroffizier Michael das Mädchen aus der Hütte und zog ihr das traditionelle Kleidungsstück, das sie trug, aus. Er machte sie völlig und ließ sie unter die Wasserbrause stehen, die die Soldaten als Dusche benutzten, und spülte sie ab. Jeder am Außenposten konnte das Spektakel miterleben.

Nachdem die Dusche vorbei war, verbrannte Unteroffizier Michael das Kleid des Mädchens und kleidete sie in Khaki. Jetzt sah sie aus wie eine reguläre Soldatin, und wurde zurück in die Hütte gebracht und vom Gefreiten Avraham bewacht. Nach kurzer Zeit versammelte sich eine Gruppe Soldaten um die Hütte. Sie bedrängten Avraham und verlangten, dass er sie hineinließ. Zuerst lehnte er ab, gab aber schließlich nach. Tatsächlich war er der Erste, der hineinging. Er verbrachte ungefähr fünf Minuten in der Hütte und knöpfte sich beim Herausgehen die Hose zu. Ihm folgte der Gefreite Albert, der für etwa fünf Minuten in der Hütte war, und dann der Gefreite Liba.

Liba war immer noch in der Hütte, als Leutnant Moshe von seiner Patrouille zurückkehrte. Ein paar Soldaten warnten Liba, der aus der Hütte rannte und verschwand. Leutnant Moshe verstand anscheinend, was geschehen war.

Corporal Gideon, der später einer der wichtigsten Zeugen der Anklage im Prozess sein sollte, sagte über Leutnant Moshe aus, er habe zu den andern gesagt, dass das Mädchen gewaschen werden müsse, damit sie sauber fürs Ficken sei.

Gegen 5 Uhr nachmittags befahl der Zugführer dem Gefreiten Moshe, der von Beruf Friseur war, dem Mädchen die Haare zu machen. Das geschah in Gegenwart des Zugführers und des Feldwebels. Ihr Haar, das bis auf die Schultern gefallen war, wurde kurz geschnitten und mit Kerosin gewaschen. Wieder wurde sie nackt unter die Dusche gestellt, vor den prüfenden Augen des Offiziers und des Feldwebels. Danach trug sie das gleiche Khaki und wurde in die Hütte zurück geschickt.

Vor der Vergewaltigung wird gebetet

[Abends, am 12. August 1949, dem Vorabend des Schabbat]

Die Tische im großen Zelt, das als Kantine diente, waren in Reihen aufgestellt, verschiedene Süßigkeiten darauf ausgebreitet und es wurde sogar etwas Wein ausgeschenkt, allerdings nicht genug, um sich zu betrinken.

Zugführer Moshe sprach den Segensspruch über den Wein. Er gab dann eine zionistische Aufmunterung und wiederholte die Bedeutung des Auftrags dieser Einheit und ihres Beitrags zum jungen Staat Israel. Der Gefreite Private Yehuda aus der Bibel. Als er fertig war, begannen die Soldaten zu singen, erzählten Witze, aßen und tranken.

Kurz vor Ende der Party, gegen 9:30 Uhr, bat der Zugführer um Ruhe. Er stand auf und erinnerte die Soldaten mit einem Lächeln im Gesicht an das Beduinenmädchen, das sie an diesem Tag während einer Patrouille gefangen hatten. Sie hatten sie zum Außenposten gebracht und sie war jetzt in einer der Hütten eingesperrt. Zugführer Moshe machte zwei Vorschläge, über die er abstimmen lassen wollte.

Der erste Vorschlag war, dass das Beduinenmädchen Küchenhilfe des Außenpostens werden könnte; der zweite Vorschlag war, dass sie den Soldaten zur Verfügung gestellt werden könnte. Die Vorschläge wurden begeistert aufgenommen. Die zweite Option wurde mit Mehrheit angenommen.

Wir wollen ficken

„Wir wollen ficken“, skandierten die Soldaten. Der Kommandant entschied: Die Gruppe A würde das Mädchen am ersten Tag, die Gruppe B am zweiten Tag und Gruppe C am dritten Tag bekommen. 

Die Party endete, und die Soldaten gingen in ihre Zelte. Leutant Moshe befahl dem Feldwebel, ein Klappbett in das Zelt zu bringen das sie teilten, und das Beduinenmädchen darauf zu setzen. Feldwebel Michael tat, was ihm gesagt wurde, betrat das Zelt, schloss den Eingang  und machte die Laterne aus.

Leutnant Moshe und Feldwebel Michael verschlossen sich mit dem Mädchen in ihrem Zelt. Nach etwa einer halben Stunde befahl Leutnant Moshe, sie aus dem Zelt zu nehmen, weil „ein Gestank von ihr kommt“. Feldwebel Michael rief den Gefreiten David, und die beiden entfernten das Bett aus dem Zelt, wobei das Mädchen bewußtlos darauf lag. Sie trugen das Bett vor den Eingang der Hütte. Feldwebel Michael stellte das Mädchen auf den Boden, ging Wasser holen und goss es über sie.

Tötet die Gefangene

[Am kommenden morgen]

Feldwebel Michael fragte Zugführer Moshe, was er mit ihr machen solle. Moshe befahl ihm, das Mädchen zu töten.

Feldwebel Michael befahl Unteroffizier David, dass zwei Soldaten Schaufeln bekommen und ihn begleiten sollten. Michael und David nahmen das Mädchen aus der Hütte und brachten sie in den Jeep. Kurz bevor das Fahrzeug den Außenposten verließ, schrie einer der Soldaten, dass er die kurzen Hosen zurückhaben wollte, die das Mädchen trug. Leutnant Moshe befahl, dem Mädchen die Shorts auszuziehen. Sie trug jetzt nur noch das Oberteil.

Sie fuhren etwa 500 Meter vom Außenposten weg. Der Fahrer, Shaul, blieb im Fahrzeug, während die anderen mit dem Mädchen in die Dünen gingen. Die Gefreiten Eliahu und Shimon begannen ein Grab zu schaufeln.

Als das Mädchen das sah, schrie sie und rannte los. Sie rannte ungefähr sechs Meter, bevor Feldwebel Michael seine Maschinenpistole auf sie richtete und eine Kugel abfeuerte. Die Kugel traf die rechte Seite ihres Kopfes. Sie fiel auf der Stelle und bewegte sich nicht mehr. Die beiden Soldaten gruben weiter.

Unteroffizier David kam herüber, nahm das Maschinengewehr und feuerte ein paar Kugeln in den Körper des Mädchens.

Die geschaufelte Grube war nicht sehr tief, nur etwa 30 Zentimeter. Sie legten die Leiche in die Grube, bedeckten sie mit Sand und kehrten zum Außenposten zurück.

Leutnant Moshe fuhr später nach Be’er Sheva. Es war Samstagabend und er wollte einen Film sehen. Im Kino traf er den Bataillonskommandeur Drexler. Drexler fragte, ob das Beduinenmädchen an den Ort zurückgebracht worden sei, wo sie gefunden wurde.

Leutnant Moshe sagte, dass sie das nicht getan haben: „Sie haben sie getötet“, sagte er, „es wäre eine Schande gewesen, das Benzin zu verschwenden.“

[ In seinem offiziellen Bericht über die Vorgänge schrieb Leutnant Moshe ]

„Ich nahm die arabische Frau gefangen. In der ersten Nacht haben die Soldaten sie missbraucht und am nächsten Tag fand ich es angebracht sie aus der Welt zu schaffen.“

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Könnte jemand diesen Bericht bitte den ehrenwerten Herren Liebermann und Netanjahu geben?

Aber es würde nichts nützen. Sie würden sagen, dass ein Bericht der letzten verbleibenden linken Tageszeitung Israels nur fake news sein kann.

Und so bleibt die israelische Armee das, was sie angeblich schon immer war: die moralischste Armee der Welt.

Nachtrag aufgrund der ersten Reaktionen aus den asozialen Medien: Wie zu befürchten sind die Wenigsten in der Lage so einen Bericht als das wahrzunehmen, was er ist: Eine historische Tatsache, zu der im übrigen auch ein Gerichtsverfahren stattgefunden hat, und mehrere der Beteiligten zu Gefängnis verurteilt wurden. Statt dessen fällt die Hälfte der Reaktionen in zwei extreme Kategorien.
Antwort-Typ (1) : Ha! Das ist ein weiterer Beweis wie besonders barbarisch Israel ist.
Antwort-Typ (2): Eine gemeine, erfundene Geschichte um Israel-bashing zu betreiben. Das ist klar antisemitisch.

Zu (1): Falsch. Völlig falsch. Israels Armee ist nicht brutaler als jede x-beliebig andere. Nur ein Beispiel: Nachdem US Vizepräsident Dick Cheney die Losung ausgegeben hat, im vermeintlichen Kampf gegen den Terror die Samthandschuhe auszuziehen, fühlten sich die US Soldaten in Abu Ghraib und an anderen Orten ermuntert, mit den Gefangenen nach Belieben umzugehen. Jeder weiß, zu welchen furchtbaren Entgleisungen das führte.

Es gilt ganz einfach der kluge Satz von Uri Avnery:

Any army is composed of all types of human beings, decent youngsters with a moral conscience besides sadists, imbeciles and others suffering from moral insanity.
In a war you give all of them arms and a license to kill, and the results can be foreseen.

Israels politische Führung ist schlicht zu feige und ideologisch zu verklärt um zuzugeben, was für alle Welt offen zutage liegt: Dass ihre Armee eine „normale“ Armee ist, und damit normal brutal. Wer mit Phrasen wie „moralischste Armee der Welt“ hantiert, muss sich gefallen lassen mit der Nase auf den Schmutz  gestoßen zu werden, den die eigenen Gerichte dokumentieren, und über den die eigenen Zeitungen berichten.

Zu (2): Wäre diese Geschichte unwahr, wäre ihre Wiedergabe hier in der Tat eine schlimme Sache. Ich vertraue allerdings der Tageszeitung Haaretz,  ihre journalistischen Hausaufgaben gemacht zu haben.

– Schlesinger

Photo: Mor, Flickr CC Lizenz

* Auszugsweise, stellenweise gekürzte und in der textlichen Reihenfolge veränderte Übersetzung des Originalberichts durch mich, ebenso die im Original nicht enthaltenen Zwischenüberschriften. Der Sinn des Originaltextes wurde dadurch nicht verändert, aber in eine strikte chronologische Reihenfolge gebracht. Im Zweifel oder bei Bedarf bitte den vollständigen englischen Bericht der Haaretz lesen.