Die Araber in Leon Uris EXODUS (II)

Leon Uris

[Vorwort siehe Teil I dieses Beitrags]

Leon Uris hat sich in seinem Bestseller EXODUS große Mühe gegeben, die Araber als Menschen und als Gesellschaft verachtenswert darzustellen. Dafür habe ich in Teil I dieses Beitrags exemplarische Beispiele angeführt.

Nicht weniger negativ schildert Uris die politische Kaste des Landes. Dafür nutzt er Amin Husseini.

Obermufti von Jerusalem

Die meisten Leser, die sich etwas mit der Geschichte des Nahostkonflikts beschäftigt haben, werden den Namen Hadsch Amin el Husseini gehört haben, besser bekannt als der Obermufti.

Amin Husseini hat es zu trauriger Berühmheit gebracht. Er ging einen Bund mit Hitler ein und wurde dafür von den Nazis großzügig alimentiert. Er versuchte von Berlin aus muslimische Hilfsverbände aufzustellen, die an der Seite Deutschlands kämpfen sollten.

Das besondere Interesse Husseinis galt dem deutschen Vernichtungswillen gegenüber den Juden. Er hoffte, Rommels Armee würde bis Palästina vorstoßen. Dann könnte Husseini, der von den dortigen britischen Mandatsherren zuvor des Landes verwiesen wurde, seinen früheren Kampf vor Ort wieder aufnehmen.

Amin el Husseini war von den Briten als Obermufti und damit als der religiöse und politische Führer der Araber Palästinas etabliert worden. Offenbar nahmen die Engländer an, sie könnnten ihn dadurch besser kontrollieren. Diese Einschätzung war falsch. Husseini war von Anfang an ein radikaler und unversöhnlicher Gegner der jüdischen Einwanderung nach Palästina. Die Einrichtung eines jüdischen Staates lehnte er vollständig ab.

Das alles ist nur herkömmliche Machtpolitik.

Das anhaltende Bündnis mit Hitler zeigt allerdings, dass Husseini durchaus gewillt war mit Verbrechern erster Ordnung gemeinsame Sache zu machen. Daran gibt es nichts zu beschönigen.

Arabische Führer: Verschlagene, hinterhältige Intriganten

Leon Uris begnügt sich in seinem rassistischen Werk nicht damit, diese dunklen Seiten Husseinis aufzuzeigen. Das wäre vollkommen gerechtfertigt. Er geht weiter. Er legt den Lesern nahe, dass alle arabischen Führer wie Husseini sind. Nebenbei wird noch einmal betont, auf was für einer bedauerlich niedrigen zivilisatorischen Stufe die Bauern des Landes stehen:

Die mächtigste dieser Familien war der El-Husseini-Klan, der im Gebiet von Jerusalem große Ländereien besaß.

Das Oberhaupt dieses Klans, vor dem alle anderen arabischen Großgrundbeseitzer eine Heidenangst hatten, war der verschlagendste, hinterhältigste Intrigant in diesem Teil der Welt, der dafür bekannt war, dass es hier verschlagene und hinterhältige Intriganten gab.

Sein Name war Hadsch Amin El Husseini.[…]

El Husseini aber hatte einen Klan von Teufeln hinter sich.[…]

Es schien ihm als die richtige Eröffnung, sich zunächst einmal in die Stellung des Mufti von Jerusalem hinein zu manövrieren.[…]

Und noch aus einem anderen grund wünschte er sich das Amt des Mufti. Die einzige Möglichkeit zur Massenbeinflussung war die Kanzel. Die Fellachen [Bauern] neigten dazu, auf die leiseste Aufforderung hin mit einem hysterischen Ausbruch zu reagieren, und diese hysterische Reizbarkeit konnte unter Umständen ein wirksames politisches Machtmittel darstellen.

Natürlich mußten sich die Zionisten gegen diese teuflische Mischung von radikalen arabischen Führern und verführbaren, hysterischen Bauern zur Wehr setzen.

Araber verstehen nur die Sprache der Gewalt

Dafür gibt Leon Uris zwei seiner zionistischen Helden eine angemessene Waffe an die Hand: einen Ochsenziemer. Was für eine raffinierte literarische Verknüpfung, die Uris hier anstellt: Dort die tumben, aufstachelbaren arabischen Bauern, hier die starken, idealistischen Zionisten, die diesen Barbaren mit dem Ochsenziemer eine Lektion erteilen:

„Fahr mit dem Korn nach Ata und laß es mahlen.“

„Ja, Vater“ sagte Ari ganz ruhig.

„Und vergiß eines nicht, mein Sohn: Was Du da in deiner Hand hältst, ist Wehr und Waffe der gerechten Sache. Nur zur Verteidigung.

Ari sprang auf den Karren und fuhr los […]

Leon Uris lässt dann, sehr vorhersehbar, den jungen Helden Ari von feindseligen Araberjungen angreifen. Doch die werden eines Besseren belehrt:

Als die ersten Steine geflogen kamen, sprang er mit einem Satz vom Wagen, nahm sich den Anführer der Araber aus Korn, ließ den mächtigen Ochsenziemer pfeifend durch die Luft sausen, dass sich das Ende um den Hals des Arabers wickelte, und riß ihn mit einem Ruck zu Boden. Dann ließ er das Leder mit so einem Schwung heruntersausen, dass es seinem Gegner tief  ins Fleisch schnitt.

[Ari kommt gut zurück und wird von seinem Vater gefragt, wie die Fahrt war. Der vierzehnjährige Ari erwidert so lässig wie später nur Bruce Willis:]

„Ganz in Ordnung“.

Ja. So sind sie halt, die Araber. Oder die Palästinenser: Unzivilisiert. Grob. Verstehen nur die Sprache der Gewalt (wie auch heute kein israelischer Ministerpräsident müde wird zu betonen).

Gute Propaganda für Israel

Der Gründer des Staates Israel, David Ben Gurion, hat erstaunlich offen beschrieben was es mit Exodus auf sich hat:

Als literarisches Werk ist es nicht viel.

Aber als ein Stück Propaganda ist es das Größte, was jemals über Israel geschrieben wurde

Wer über eine normale Portion gesunden Menschenverstand und Anstand verfügt, müsste sich von diesem Propagandawerk von Leon Uris  mit Entsetzen abwenden.

Man sollte besser zur Kenntnis nehmen, wie die wahren Verhältnisse während der beginnenden jüdischen Besiedlung Palästinas waren.

Schon 1891 hat der seinerzeit berühmte jüdische Publizist Ahad Ha-am nach einer Reise durchs Land folgendes geschrieben:

Die jüdischen Siedler behandeln die Araber mit Feindseligkeit und Grausamkeit, überqueren unbefugt deren Ländereien, schlagen sie schamlos aus nichtigen Gründen und brüsten sich damit.

Solche Tatsachen wird der Leser in Leon Uris‘ Märchenbuch „Exodus“ nicht finden. Das war auch nicht die Absicht Uris‘. Der wollte seine Seite glorifizieren und die andere Seite verdammen.

Bis heute dürften wohl hundert Millionen Leser diese widerwärtige anti-arabische Propaganda mit Genuß verinnerlicht haben.

So sind die Menschen, so ist das Leben.

Die Ochsenziemer aus Exodus sind heute amerikanischer Bauart, heißen F-15 oder F-16, und laden ihre tonnenschweren Bombenlast auf Gaza ab, um den nach wie vor unbelehrbaren Palästinensern eine Lektion zu erteilen.

Anmerkung: Kursivsetzung in den Zitaten durch mich.

Die Zitate sind den Seiten 318 ff. entnommen (Leon Uris, Exodus, HEYNE-Verlag, 1990)

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