Frieden in Nahost?

Frieden im Nahen Osten?

Aryeh Eldad, Mediziner, früher Mitglied der Knesset und ein Mensch mit konservativer Einstellung, hat in der israelischen Tageszeitung Haaretz ein desillusioniertes Bild der israelisch-arabischen Zukunft gezeichnet.

Kein Frieden, niemals

Eldad hält jede Suche nach einer „Friedenslösung“ für illusorisch.

Mit den Arabern werde es keinen Frieden geben.

Die Linken würden behaupten, man müsse den Palästinensern nur Land zugestehen, um Frieden zu erreichen. Das gehe an der Realität vorbei. Der Konflikt würde sich nicht nicht um Land drehen. Der Konflikt sei vielmehr ein Religionskonflikt. „Land für Frieden“ sei demnach sinnlos.

Die Rechten würden behaupten, man habe bei militärischen Auseinandersetzungen immer wieder zu früh aufgehört. Man habe die Chance verpasst, der Schlange den Kopf abzuschlagen. Diese Stimmen würde man auch jetzt, zum Ende des jüngsten Gazakriegs vielfach hören. Auch das gehe an der Realität vorbei. Denn selbst der größte militärische Sieg Israels, im Juni 1967, habe die Ägypter und Syrer nicht davon abgehalten, einen Abnutzungskrieg gegen Israel zu führen. „Mehr militärische Entschlossenheit“ sei demnach sinnlos.

Was dann?

Unheilbare Krankheit

Als Mediziner weiß Eldad, dass sich manche Krankheiten nicht heilen lassen. Diabetes. Rheuma. Krebs.

Fazit: Man könne nur versuchen, die Lebensqualität so hoch wie möglich zu halten.

Israel, so Eldad, müsse mit dem Konflikt,  müsse „mit dem Schwert leben„, wie es schon Moshe Dayan postulierte.

Flucht in Fatalismus

Hält man sich vor Augen, dass der Konflikt beinahe 100 Jahre alt ist – wenn man die Unruhen von 1920 als Ausgang nimmt – dann ist das drei mal so lang wie der Dreissigjährige Krieg. Länger ist kaum vorstellbar. Verständlich, wenn das in die Zukunft projeziert wird.

Ob dieser Fatalismus eine bessere Perspektive ist als der Versuch, doch zu einer diplomatischen Lösung zu kommen, darf bezweifelt werden.

Bei einem fortwährenden Kampf wird früher oder später einer der Verlierer sein. Nachdem beide schon zuvor viel, sehr viel verloren haben.

Der gerade verstorbene Peter Scholl-Latour gab seinem Hauptwerk über den Mittleren Osten den Titel „Allah ist mit den Standhaften„.

Wer wird der „Standhafte“ sein, in zehn, zwanzig, dreissig Jahren, wenn jeder Einzelne über hochzerstörerische Waffen verfügen kann?

Eine grauenhafte Vorstellung.

Die „Einsicht“ von Aryeh Eldar ist nicht fatalistisch, sie ist mit Blick auf das zu erwartende Ende apokalyptisch.

Das mag verlockend sein für Freunde der Apokalypse.

Freunde des Lebens – Juden, Christen, Muslime – müssen an einer anderen Perspektive arbeiten.

Übrigens: Der Mediziner Eldar sollte am besten wissen, dass auch schwerste Krankheiten wie Pest und Cholera irgendwann bezwungen wurden.

Frieden ist derzeit nicht in Sicht – aber möglich.

— Schlesinger