Israelische Siedler in Hebron

Mit dem Ende des Sechstagekriegs, in dem Israel die arabische Westbank besetzt hat, begannen jüdische Siedler sich in Hebron niederzulassen. Hebron ist die größte Stadt der Westbank.

Seit 1967 befindet sich die Stadt unter einem rigiden Besatzungsregime.

Ende vergangenen Jahres haben die UN eine aktuelle Bestandsaufnahme gemacht, wie sich die Besiedlung auswirkt:

– Gemäß dem Abkommen Israels mit der der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) übt Israel weiterhin die volle Kontrolle über 20% der Stadt Hebron aus (Das „H2“-Gebiet).

– Die Bevölkerung von H2 umfasst rund 40.000 Palästinenser, die neben ein paar hundert israelischen Siedlern leben (die sich wiederum auf vier getrennte Siedlungen in H2 verteilen).

– ein aktuelles Gerichtsverfahren in Israel könnte zur Etablierung einer weiteren fünften Siedlung – das „Rajabi-Haus“ – in einem der sensibelsten Bereiche von H2 führen.

– Über 6.000 Palästinenser leben in Vierteln, die unmittelbar an die vier Siedlungen angrenzen, darunter der Großteil der Altstadt von Hebron. Diese angrenzenden Viertel sind restricted areas.

– Es gibt in Hebron über 120 physische Hindernisse die das israelische Militär betreibt. Diese Hindernisse trennen die restricted areas vom Rest der Stadt. 18 dieser Hindernisse sind ständig besetzte Checkpoints.

– Mehrere Straßen in den restricted areas, die zu den israelischen Siedlungen führen, sind für den palästinensischen Verkehr und teilweise auch für Fußgänger verboten.

– 512 palästinensische Geschäfte in den restricted areas wurden vom israelischen Militär geschlossen und mindestens 1100 andere haben aufgrund des eingeschränkten Zugangs für Kunden und Lieferanten geschlossen

– Mehr als 1.000 palästinensische Häuser in den restricted areas, d.h. über 40% der Wohnungen dieser Gegend, wurden aufgrund der unerträglichen Lage von ihren Bewohnern verlassen

– Seit Anfang 2012 wurden in Hebron rund 700 Palästinenser durch israelische Streitkräfte oder israelische Siedler verletzt, und 44 Israelis von Palästinensern.

Wie so oft sind nüchterne Zahlen wenig beeindruckend. Die Realität vor Ort ist wesentlich schlimmer. Die palästinensische Bevölkerung von Hebron ist permanenten Übergriffen durch die radikal-orthodoxen Siedler ausgesetzt. Die Siedler wiederum können sich alle, alle Freiheiten gegenüber den Arabern herausnehmen, da sie selbst Waffen tragen dürfen und außerdem durch die israelischen Soldaten geschützt werden.

Hier ein Video, in dem eine vor Seligkeit und Selbstzufriedenheit triefende orthodoxe Siedlerin über Hebron spricht: Dass sich der jüdische Anteil an der Bevölkerung erhöhen wird; dass die Araber fehl am Platze sind. Schließlich beschimpft sie eine arabische Bewohnerin des Nachbarhauses aufs Wüsteste als „Hure“ und ergötzt sich daran, wie die Frau sich darüber aufregt. Israelische Soldaten stehen desinteressiert dabei.

In der Umgebung von Hebron wurden gerade drei israelische Jugendliche entführt. Eine Entführung ist eine schlimme Sache. Das allerdings beantwortet nicht die Frage, wie es um die Verhältnismäßigkeit bestellt ist. In Israel herrscht größte Wut über die Entführung und umfassendes Mitleid mit den drei betroffenen Familien. In Bezug auf die 512 palästinensischen Familien in Hebron, denen durch die zwangweise Schließung ihrer Geschäfte die Lebengrundlage entzogen wurde, herrscht auf israelischer Seite nur absolute Gleichgültigkeit. Die Hebroner Siedler wiederum sehen diese Schließungen nicht mit Gleichgültigkeit, sondern mit Genugtuung.