John Kerry ist zum Heulen

Man möchte Mitleid haben mit John Kerry, dem braven Mann mit dem großen Herz, der voll guter Absichten ins Gelobte Land fuhr um dort Frieden zu schaffen. Und kann doch kein Mitleid haben. Weil das Unverständnis über Kerry Vorgehen überwiegt.

Irgendwie haben Obama und mit ihm Außenminister Kerry geglaubt, sie könnten mit schönen Reden und amerikanischem Optimismus den Konflikt im Nahen Osten lösen.

Sie hatten ganz offensichtlich keinen durchdachten Plan A (die Wiedervorlage der Clinton-Parameter, die schon im Jahr 2000 nicht angenommen wurden, hatten offenkundig auch heute wenig Chancen angenommen zu werden). Schlimmer: Sie hatten keinen Plan B.

Jetzt stehen sie vor ihrem selbst produzierten Scherbenhaufen, und können nichts als heulen und jammern.

Apartheidstaat Israel

Kerry hat versagt, aber er versagt sich nicht, die große rhetorische Keule aus dem Sack zu holen. Offenbar hat er im kleinen Kreis davor gewarnt, Israel sei auf dem Weg zum Apartheid-Staat nach südafrikanischem Vorbild. Hoppla!

Nicht dass diese Aussage ganz falsch wäre. Nur ist sie ein weiteres Zeichen von amerikanischer Hilflosigkeit. Denn was will Kerry damit bewirken? Ein plötzliches Einlenken in Jerusalem „Huch, wir werden ein Apartheidstaat? Oh Gott, schnell, lasst uns aufhören mit unserem schlechten Tun!“ Blödsinn. Nur ein weiteres planloses Geplapper von Kerry & Co.

Little John ist zum Heulen...
Little John ist zum Heulen…

Das wäre nicht schlimm, wenn es nur um die amerikanische Blamage gehen würde. Problematisch ist dieses Versagen, weil es die schlechte Lage der Palästinenser zementiert.

„Friedensprozess“

Politiker und Medien im Westen stellen den „Friedensprozess“ auf eine verblüffend verlogene Art immer so dar, als würden zwei gleichberechtigte „Partner“ verhandeln. Da wird suggeriert, die Israelis und die Palästinenser könnten in gleichem Maß frei entscheiden, was sie vorschlagen. Wenn die Vorschläge nicht angenommen werden, kehrt jede Seite zurück und macht sich nicht allzu viel daraus (abgesehen vom versäumten Frieden).

Das ist Quatsch. Für die israelische Seite stimmt diese Darstellung einigermaßen. Für die palästinensische Seite stimmt sie gar nicht. Mahmoud Abbas sitzt auf einem armseligen Flickenteppich Land, seine Landsleute stehen unter der Knute von israelischem Militär und Grenzpolizei, und die halbe Million jüdische Siedler haben Narrenfreiheit. Die können auch mal einen Palästinenser anschiessen oder erschiessen ohne dass etwas passiert. Im übrigen hängt die Wirtschaft der Palästinenser komplett von Israel ab.

Brot & Spiele

Wehe die Amerikaner rufen zu einer weiteren publicity-trächtigen „Friedenskonferenz“. Wagt nicht, schlechte Miene zu diesem grotesken Spiel zu machen! Falls doch dürft Ihr Euch nicht wundern, wenn Washington und Jerusalem kurzerhand den Geldhahn zudrehen (die Amerikaner mit ihren Subventionen, die Israelis mit den palästinensischen Steuergeldern, die sie als Besatzungsmacht für sie verwalten).

Warum ist das ein groteskes Spiel?

Weil Abbas & Co. vom Gnadenbrot der Amerikaner und der EU leben. Aber nicht ohne Gegenleistung. Man könnte dieses Geld auch Schmiergeld nennen.

Schmiergeld dafür, mitzuspielen bei diesem unwürdigen Spiel: Tut so, als gäbe es den Friedensprozess, nehmt das Geld, spielt ein bisschen Regierung und reist auf Konferenzen.

Seid aber vor allem die Erfüllungsgehilfen Israels: Verhaftet Eure Landsleute, wenn die Israelis sie „Terroristen!“ nennen, lobt Eure wirtschaftliche Entwicklung, weil Eure Saisonarbeiter jüdische Siedlungen bauen und zu Minimallöhnen israelische Soda-Sprudelgeräte einpacken dürfen, haltet die Klappe, wenn die Israelis aus „Sicherheitsgründen“ auf Eurem Land Brunnen um Brunnen zuschütten, um Eure Bauern zu vertreiben,  und und schweigt dankbar, wenn sie Eure kleine „Elite“ reich machen.

Photo-Collage Kerry:

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