Deir Yassin Massaker 1948

Dorf Deir Yassin
Dorf Deir Yassin

Das erste Opfer des Krieges ist die Wahrheit.

Das war im israelischen Unabhängigkeitskrieg von 1948 nicht anders.

Nach dem UN-Teilungsbeschluss für Palästina vom November 1947 kam es sofort zu kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Juden und Arabern.

In den Monaten zwischen November 1947 und der Staatsgründung Israels im Mai 1948 fanden neben zahllosen Scharmützeln und Terrorakten auch größere Gefechte zwischen den jüdischen Milizen (Haganah, Irgun, Stern-Gruppe aka Lechi) und arabischen Irregulären statt.

Die Haganah* war die „offizielle“ und mit Abstand größte Truppe der Zionisten.  Irgun und die Stern-Gruppe galten als radikale Außenseitergruppen, die sich vor allem durch Terrorangriffe auf Briten und Araber einen Namen machten.

Lange Zeit bestand eine bittere Konkurrenz zwischen diesen Gruppierungen. Je näher der Abzug der Briten als Mandatsmacht rückte und je intensiver die Kämpfe gegen die Araber wurden, desto enger rückten die drei Gruppen zusammen.

Bericht über Deir Yassin

Am 9. April 1948, also rund fünf Wochen vor der Staatsgründung, attackierten Kämpfer der Irgun und Stern-Gruppe das nicht weit von Jerusalem gelegene Dorf  Deir Yassin. Das Dorf hatte nicht lange zuvor mit dem Haganah-Kommandeur der benachbarten jüdischen Siedlung Neutralität vereinbart. Daran hatte sich Deir Yassin gehalten.

Als Irgun und Lechi angriffen, trafen sie auf heftige Gegenwehr. Wahrscheinlich aus Zorn darüber verübten die jüdischen Milizionäre ein Massaker: Zwischen 100 und 120 Männer, Frauen, Kinder und Alte wurden getötet. Darüberhinaus kam es zu zu massiven Hauszerstörungen und Plünderungen, zu Mißhandlungen und zu einer oder mehreren Vergewaltigungen.

Am nächsten Tag berichtete die Palestine Post, als wäre fast nichts passiert:

Ein Haus (!) sei teilweise zerstört worden. Tatsächlich wurden – wie auf jüdischer Seite längst üblich nach der Eroberung arabischer Dörfer – reihenweise Häuser gesprengt oder niedergebrannt.

Ein paar der gefangenen Araber seien nach Jerusalem verbracht worden, um dort vorgeführt zu werden. Sie seien dann aber den Engländern übergeben worden. Das stimmt nur zur Hälfte. Denn ein Teil dieser Gefangenen wurde zurückgebracht und außerhalb Deir Yassins erschossen.

Zehn Araber seien verwundet und ins Krankenhaus gebracht worden. Das mag sein.

Unterm Strich ist der Zeitungsbericht nur eine weitere harmlose Meldung im Bürgerkrieg, die aus einem furchtbaren  Kriegsverbrechen eine kleine Erfolgsmeldung machte.

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Mitverantwortlich für dieses Kriegsverbrechen war Menachem Begin. Er war einer der Anführer der Irgun, und wurde später Ministerpräsident Israels.

Als Menachem Begin Ende 1948 die USA bereiste verfassten jüdische Intellektuelle in Amerika einen Brief an die New York Times, in dem sie ihre amerikanischen Landsleute davor warnten, sich von den gemäßigten Reden Begins einlullen zu lassen. Begin, so die Mitverfasser Albert Einstein und Hannah Arendt, seim im Grunde ein Faschist.

— Schlesinger

 


Photo Dorf-Szene Deir Yassin: screenshot ARTE Dokumentation „Mein gelobtes Land (I)“

Zeitungs-Collagen:

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* Die Haganah wurde nach der Staatsgründung zur regulären Armee Israels (IDF, Israeli Defense Forces)

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