Ganz ehrlich

Anstrengend, immer diplomatisch sein zu müssen.

Eine Wohltat, ab und zu einfach sagen zu können, was man denkt.

So ungefähr dürfte es kürzlich dem israelischen Verteidigungsminister Moshe Yaalon gegangen sein.

Vielleicht hatte er auch nur schlechte Laune. Jedenfalls verpasst er dem amerikanischen Außen-Frischling John Kerry ein, zwei drei saftige Backpfeifen. Verbale, natürlich, keine echten. Obwohl echte wahrscheinlich weniger weh getan hätten.

John Kerry
John Kerry (Photo credit: Wikipedia)

Kerry ist seit einiger Zeit auf sogenannter Pendeldiplomatie im Nahen Osten unterwegs. So nennt man das, wenn amerikanische Diplomaten sehr, sehr viele Flugmeilen sammeln, um bei Israelis und Palästinensern sehr, sehr wenig zu erreichen.

Sein Ziel: Die Rettung des toten Gauls namens Friedensprozess.

Inzwischen hat der Amerikaner ein Papier mit Vorschlägen unterbreitet.

In Jerusalem findet man diese ganze Aktivität Kerrys lästig.

Ex-General Yalon fand klare Worte.*

Kerry sei obsessiv messianisch, und habe ihm, Yalon, gar nichts zu sagen zum Thema Konflikt.

Dessen Vorschläge seinen nicht das Papier wert, auf denen sie stehen.

Und, mit Klatsche auch für Präsident und Friedensnobelpreisträger Obama:

Die einzige Lösung für dieses Dilemma sei, Kerry solle [auch ] einen Nobelpreis bekommen und einen dafür in Ruhe lassen.

Ministerkollege Yuval Steinitz zeigte sich zwar ein bisschen irritiert über Yalons Wortwahl, stimmte ihm aber inhaltlich voll zu.

In Washington war man nicht wenig überrascht angesichts dieser schroffen Äußerungen und hat sich ein bisschen mokiert.

Wirklich zerknirscht ist man in Jerusalem jedenfalls nicht. Warum auch, hat man sich doch seit Ben Gurions Tagen eine kaum angreifbare Robustheit zugelegt: „What matters is not what the Gentiles will say, but what the Jews will do.“

Kerry hat für seine Mission schon zehn Reisen in die Region unternommen.

Reisen heißen im englischen „trips“. Trips kann aber auch heißen: Fehler.

Das hätte Kerry vorher bedenken sollen.

— Schlesinger

UPDATE 05.02.14: Inzwischen hat der Knessetabgeordnete Yehudi Motti Yogev US Außenminister Kerry einen Antisemiten genannt. Andere sprachen davon, Kerry wolle Israel erpressen und ihr „eine Kanone an den Kopf halten“.

* Secretary of State John Kerry—who arrived here determined, and who operates from an incomprehensible obsession and a sense of messianism—can’t teach me anything about the conflict with the Palestinians. […]  The only thing that might save us is if John Kerry wins the Nobel Prize and leaves us be. […] The American plan for security arrangements that was shown to us isn’t worth the paper it was written on.

Photo Kerry: Netoholic, Wikimedia Public Domain

Related articles