Mandela: Eigentlich ein Terrorist

Mandela war ein Mensch voller Fehler, Widersprüche und Unzulänglichkeiten.

Er hat einmal Gewalt, ein andernmal Gewaltlosigkeit gepriesen.

Er hat Diktatoren der Dritten Welt als Freunde und Brüder bezeichnet.

Er hat Terror befördert und Terroristen wie Arafat als politische Freunde angesehen.

So die konservative Jerusalem Post in ihrem Bemühen, das Erbe Mandelas klein zu reden.

Warum? Alle Welt kennt den Hintergrund Nelson Mandelas.

Die Geschichte des African National Congress (ANC) ist voller Gewalt. Mandela selbst hat nie einen Hehl daraus gemacht, hat sich nie als Ghandi dargestellt.

Dennoch ist es kein Zufall, dass fast alle Welt das Lebenswerk Mandelas seit Jahrzehnten einhellig preist. Nicht aber Israel, wenigstens nicht das offizielle Israel.

Natürlich gab es auch Huldigungen aus Jerusalem. Ministerpräsident Netanjahu und Staatspräsident Peres lobten den Brückenbauer und Versöhner Mandela, der der Gewalt abgeschworen hat. Das ist kein Widerspruch zur insgeheimen Abneigung, die Mandela entgegengebracht wurde und wird.

Denn kaum ein Politiker in Israel kann unbefangen die Rede Mandelas lesen, die der 1964 zu seiner Verteidigung vor Gericht hielt, bevor er auf Robben Island eingekerkert wurde.

Was Mandela dort über seine Beweggründe für den gewaltsamen Widerstand erklärte, ähnelt frappierend der Lage der Palästinenser:

I do not, however, deny that I planned sabotage.

I did not plan it in a spirit of recklessness [Kaltblütigkeit], nor because I have any love of violence.

I planned it as a result of a calm and sober assessment [ruhige und nüchterne Einschätzung] of the political situation that had arisen after many years of tyranny, exploitation, and oppression of my people by the whites.

Und niemand hat vergessen, wie er sich 1997 auf die Seite der Palästinenser gestellt hat:

our freedom is incomplete without the freedom of the Palestinians

Es ist daher kein Zufall, dass trotz ihrer Sonntagsreden weder Netanjahu, noch Friedensnobelpreisträger Peres zum Begräbnis Mandelas nach Südafrika reisten.

Stattdessen heben sie die späte Gewaltlosigkeit Mandelas in den Himmel. Denn das ist, was sie sich am meisten wünschen: gewaltlose Palästinenser. Gewaltlos angesichts der fortgesetzten tagtäglichen Enteignung, Benachteiligung, Unterdrückung, Demütigung.

Was könnte perfekter sein aus israelischer Perspektive als duldsame Palästinenser, die keine wirkliche politische Kraft auf ihrer Seite haben, und die das Geschehen so lange hinnehmen, bis sie das Schicksal der amerikanischen Indianer teilen. Ein Szenario, wie es jahrzehntelang von Edward Said mahnend beschworen wurde, und das jeden Tag ein Stück mehr Realität wird, trotz der unfreiwillig peinlichen, da höchst amateurhaften Vermittlungsversuche des John Kerry.

Auf der anderen Seite gibt es Stimmen, die die israelische Besatzung der Palästinensergebiete „Sklaverei“ nennen. Ein Vorwurf noch schwerwiegender als „Apartheid“, den man in Israel ja stets empört von sich weist. Der da von Sklaverei sprach war kein Antisemit, sondern Bradley Burston von der linksliberalen israelischen Tageszeitung Haaretz.

Aber was ist schon ein Burston, was eine Haaretz gegenüber Netanjahu, AIPAC & Co?

Dafür gibt es ein chinesisches Sprichwort: Sand gegen den Wind.

— Schlesinger

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