Der ewige Terrorist

Samaria / Westbank, 30.04.2013. Eviatar Borovzky, 31, Vater von 5 Kindern, wurde an der Kreuzung Tapuach von einem Palästinenser erstochen. Borovzky stammte aus der Siedlung Yitzhar. Bei dem Täter handelt es sich um den 24jährigen „palästinensischen“ Terroristen Salam Azal, einem Bewohner des Gebiets der palästinensischen Autonomiebehörde. Azal ist ein Wiederholungstäter, der erst kürzlich aus der Haft entlassen wurde. Damit ist schon alles Wesentliche über der Tathergang gesagt:

Arabischer Terrorist tötet Juden

In zeitgenössischer Abwandlung der früheren bösartigen Schmähung vom ewigen Juden redet man heute mit ähnlich fragwürdiger Berechtigung vom ewigen palästinensischen Terroristen. So jedenfalls dürften es nicht wenige sehen in Israel und dem Westen. Sonst kann man recht wenig anfügen zu diesem Vorfall. Nichts jedenfalls, das einem zu denken geben könnte zu diesem doch recht klaren Befund. Das Folgende daher nur, weil der Text sonst sehr kurz ausfallen würde.

„Palästinenser“

Wer über einen „palästinensischen“ (sic) Terroristen in dieser Schreibweise schreibt will sagen, dass einerseits der Tatbestand Terrorist besteht, nicht aber der Tatbestand palästinensisch. Denn seit den Äußerungen der früheren Premierministerin Golda Meir ist für ein bestimmtes Klientel klar, dass es so etwas wie ein palästinensisches Volk nicht gibt (sehr wohl aber Terroristen, die aus diesem Nicht-Volk (?) kommen). Ähnliches gilt für die verschrobene Umschreibung  „Bewohner des Gebiets der palästinensischen Autonomiebehörde.“ Das soll bedeuten, dass es (a) kein palästinensisches Land gibt (b) das Land in Wahrheit das jüdische Judäa und Samaria ist und (c) dort nur zufällig und vorübergehend Leute wohnen, die sich Palästinenser nennen, die einer arabischen Behörde unterstehen.

Kreuzung ?

Checkpoint

Die Kreuzung Tapuach ist nicht nur eine Kreuzung, sondern auch ein gut ausgebauter militärischer Checkpoint. Checkpoint wird aber ungern geschrieben. Das hat etwas Militaristisches. Das sind sind Orte, an denen jüdische Siedler durchbrausen dürfen, Palästinenser aber täglich schikaniert werden. Kreuzung ist daher besser.

Siedlung Yitzhar

Die Siedlung Yitzhar, aus der der Getötete stammt, ist nicht irgendeine Siedlung. Sie ist die Siedlung, in der die möglicherweise radikalsten Siedler in der an radikalen Siedlern nicht armen Westbank wohnen. Verteidigungsminister Ehud Barak sprach mit Blick auf Yitzhar unlängst vom „hausgemachten Terror„. Eviatar Borovzky war als Wachmann dieser Siedlung tätig.

Motiv

Salam Azal hatte anscheinend ein klares Motiv. Er wollte die Tat ausüben, um den Ruf seiner Familie wiederherzustellen. Sein Bruder saß im palästinensischen Gefängnis, weil er für schuldig befunden worden war, mit Israel – d.h. mit dem israelischen Geheimdienstes Shin Bet – kollaboriert zu haben. Die „Anwerbung“ von Palästinensern mit allen sanften oder harschen Mitteln ist seit jeher eine Standardmethode des Shin Bet, wie man zuletzt  in der Dokumentation „The Gatekeepers“ aus dem Mund der früheren Geheimdienstchefs auf nachdrückliche Art erfuhr. Dass die massenweise Anwerbung von Kollaborateuren auch dazu dienen soll, die palästinensische Gesellschaft durch das entstehende fortgesetzte gegenseitiges Mißtrauen zu unterminieren, ist kalkulierter und durchaus erfolgreicher Bestandteil dieses Verfahrens.

Wiederholungstäter

Der Wiederholungstäter Azal war zuvor inhaftiert, weil er Steine auf israelische Soldaten warf, die man nach internationalem Recht als illegale Besatzer der Westbank ansehen kann.

Vergeltung

Siedler aus Yitzhar zündeten nach dem Mord palästinensische Felder an, schlugen eine Scheibe einer Moschee ein und warfen Steine auf zwei fahrende Schulbusse, wobei zwei Mädchen verletzt wurden. Sie verletzten einen Mann mit Steinwürfen unter Rufen „Araber, Araber!“, wobei sich herausstellte, dass es ein jüdischer Siedler aus Elon Moreh war.

Terrorakt

Eine Stunde nach der Ermordung Borovskys wurde beim Jerusalemer Orthodoxenviertel Mea Shearim ein arabischer Israeli erstochen. Die Jerusalemer  Polizei beeilte sich festzustellen, dass sie keinen Zusammenhang zwischen dem „Terrorakt“ in Tapuach und dem Ereignis in Jerusalem sehe, bei letzterem handele es sich eher um einen „kriminellen“ oder „lokalen Vorgang“.

Besatzung

Zahlreiche  UN-Resolutionen haben die im „Sechtstagekrieg“ von 1967 erfolgte israelische Besatzung der palästinensischen Westbank verurteilt.

US Komitee zur Besatzung der Westbank
US Komitee zur Besatzung der Westbank

1977 sagte Prof. Israel Shahak* vor dem Justiz-Kommittee des US-Senats zum Thema der Besatzung aus:

Die israelischen Siedlungen in den besetzten Gebieten stellen alleine durch ihre Existenz eine Verletzung der grundlegenden Menschenrechte sowie des internationalen Rechts dar.

Ihr Zweck ist Expansion und die dauerhafte Unterdrückung der Bevölkerung dieser Gebiete.

Sie sind die Quelle von Diskriminierung, Rassismus und Unterdrückung.

Im Interesse aller am Konflikt beteiligten Parteien, insbesondere im Interesse der israelischen Bürger, sollten diese Siedlungen aufgehoben und so bald wie möglich beseitigt werden.

Andernfalls korrumpieren sie nicht nur beide Seiten, sondern werden zu einem der Hauptgründe für den nächsten Krieg im Nahen Osten.

Was besagen diese Hinweise mit Blick auf die Ermordung von  Eviatar Borovzky? Zweierlei:

— Schlesinger * Israel Shahak, als Kind im Warschauer Ghetto, wurde nach Bergen-Belsen verbracht, als beinahe verhungerter 12jähriger von den Amerikanern gerettet, ging nach Palästina, kämpfte in der israelischen Armee, lehrte jahrzehntelang als Professor der Chemie in Jerusalem, sprach sich vehement gegen den rassistischen Umgang seines Landes mit den Palästinensern aus. Dafür wurde er massiv angefeindet, auf der Straße angespuckt. Er starb 2001. ** Übers. aus dem Protokoll des US Justizkomitees zur Frage der Besatzung: „The Israeli settlements in the occupied territories constitute by their very existence a violation of the most basic human rights and of international law. Their purpose is expansion and the permanent subjugation of the population of those territories.  They are a source of discrimination, racism, and oppression. In the interest of all the parties to the conflict, including the best interests of the Israeli citizens, those settlements should go, and be abolished as soon as possible. Otherwise, in addition to being a source of corruption to all, they will also become one of the main causes of the next war in the Middle East.“