Gaza: Bulldozer reissen Kulturzentrum ein

Die Al-Etehad Gallery war ein kleiner, aber beliebter Veranstaltungsort in Gaza.

Das Kulturzentrum, wenn man das improvisierte Zeltgebilde so nennen darf, wurde als Café, Restaurant, Bühne und Debattierclub rege genutzt.

Letztes Jahr trat dort ein deutsches Frauen-Jazz-Ensemble auf:

Jazz Veranstaltung Gaza
Jazz Veranstaltung Gaza

Die Deutsche Welle berichtete:

Ein ungewöhnliches Konzert an einem ungewöhnlichen Ort. Nach Jahren der kulturellen Isolation war die Neugier beim Publikum groß.

Und perfekter hätte die Kulisse kaum sein können: Bei Vollmond unter freiem Himmel ertönten an einem warmen Sommerabend die ersten Klänge des German Women Jazz Orchestra. Es war wohl eines der ersten Jazz-Konzerte seit langer Zeit im abriegelten Gazastreifen. […]

Unter Leitung von Saxophonistin und Komponistin Angelika Niescier waren die jazzenden Damen spürbar mit Spaß dabei, und das Publikum zeigte sich begeistert.

„Es ist ein ganz besonderer Moment, den will ich auf keinen Fall mehr missen“, erzählt die junge Araberin Ghada Ziyada.

„Toll, dass die Musiker an Gaza gedacht haben und hierher gekommen sind. Für uns bedeutet das Konzert ein paar Stunden Abstand von allem.“

Mit solchen Veranstaltungen ist nun Schluß.

Letzte Woche rückte die Ordnungsmacht mit Bulldozern an und zerstörte die Anlage:

Zerstörung Etehad Kulturzentrum Gaza
Zerstörung Etehad Kulturzentrum Gaza

Seit Jahren geht die Hamas systematisch gegen vermeintlich liberale oder im schlimmsten Fall westliche Einflüsse auf das Kulturleben vor. So auch dieses mal.

Der Besitzer Jamal Abu El Qumsan, 44, hatte schon letztes Jahr über die ungünstigen Rahmenbedingungen und daraus resultierende finanzielle Engpässe geklagt:

How can the government in Gaza impose taxes on people when we are all are under siege, when they can’t provide job opportunities?

Die ziemlich direkte Kritik an Hamas dürfte man im übel genommen haben. Unter dem Vorwand, er habe die Miete nicht mehr bezahlt, rückte das Abrißkommando an. Darüber sind viele Menschen in Gaza empört.

Vor zwei Jahren gab die frustrierte Jugend in Gaza ein Manifest gegen Hamas, Fatah, Israel und die USA heraus.

Gebessert hat sich nichts. Im Gegenteil.

— Schlesinger

Photos: FB-Seite des Kulturzentrums