Auschwitz-Besuch und Holocaust-Leugnung

KZ Auschwitz
KZ Auschwitz

Ziad al-Bandak : Christ, Palästinenser,  Ingenieur der Elektrotechnik (Studium in Dresden), Berater von Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas in christlichen Religionsfragen, hat unlängst das ehemalige Konzentrationslager Auschwitz besucht und einen Kranz abgelegt.

Die islamistische Hamas, die im Gazastreifen seit 2006 an der Macht ist, kritisiert die Visite al-Bandaks in schroffem Ton und mit absurden Begründungen:

Der Besuch sei nicht gerechtfertigt und nicht hilfreich gewesen und habe nur der zionistischen Besatzung gedient, so Fawzi Barhoum, ein Sprecher der Organisation.

Der Holocaust sei nur eine behauptete Tragödie, tönt die Gazette Filastin ergänzend, weder die Juden noch Hamas würden glauben, dass sechs Millionen Juden getötet worden seien.

Hamas hat nicht zum ersten mal versucht die Dimensionen des Holocaust klein zu reden oder ihn rundweg zu leugnen. Das ist beschämend sowohl aus humaner wie aus rationaler Sicht.

Aus schwer nachvollziehbaren Gründen meint die Organisation, das Gedenken an den Holocaust würde den Stellenwert der palästinensischen Katastophe von 1948 (Nakba) schmälern.

Das Gegenteil ist zutreffend. Würden die Palästinenser aller politischen Fraktionen die jüdische Tragödie in Europa anerkennen, würde das eine Aussöhnung der beiden Völker erleichtern. Dasselbe gilt freilich für die Anerkennung der Vertreibung der Palästinenser im Krieg von 1948.

Wer den anderen stets nur als Feind und nicht als Mensch sieht, wird kaum zu Frieden gelangen.

Die abweisende Haltung vieler Araber zum Thema Shoah hat Ed Husain, ein Senior Fellow am amerikanischen Council of Foreign Relations kürzlich bestätigt:

In conversations with young Arabs, I was saddened to hear that Holocaust denial [Holocaust-Leugnung] continues to be part of the normative mindset among so many in such an important part of the world.

Their grievances [Nöte] with the modern state of Israel are real, but this does not give them the mandate to rewrite history.

Der verhärtete Umgang mit der Vergangenheit trifft indessen auf beide Seiten zu.

Hamas hat den UN-geführten Schulen in Gaza verboten, den Holocaust im Unterricht zu besprechen. Und in Israel verbietet das sogenannte Nakba-Gesetz an die Vertreibung der Palästinenser zu erinnern.

Umso ehrenwerter, umso nötiger der Auschwitz-Besuch al-Bandaks.

— Schlesinger

Photo: agati (Flickr CC Lizenz)

Related articles

1 Comment

Comments are closed.