Israelische Armee setzt Harvard-Studenten in der Westbank fest

Morgends waren die Studenten der Harvard Universität in der Knesset, um etwas über die israelische Demokratie zu erfahren.

Davon haben die israelischen Soldaten in der Westbank offenbar nichts mitbekommen.

Als der Reisebus der Studenten in Richtung Al-Walajy fuhr, um in Augenschein zu nehmen wie dieses palästinensische Dorf nach und nach durch den sogenannten Sicherheitszaun systematisch von seiner Umgebung abgeschnürt wird, wurde er von der Armee aufgehalten.

Soldaten bestiegen den Bus. Eine Militäreskorte begleitete ihn weg vom Ziel. An einem Checkpoint wurden sie bis auf weiteres festgehalten.

Checkpoint Beit Furik (Westbank)
Checkpoint Beit Furik (Westbank)

Eine Armeesprecherin meinte der Bus habe eine illegale Route benutzt. Im übrigen sei eine Mitreisende bekannt als Provokateurin, die regelmäßig an Protesten in Al-Walajy teilnehme (Korrekt: Tatsächlich erdreistet sich Shereen Al Araj gegen die Einschnürung ihres Dorfes zu demonstrieren).

Würden nur mehr Studenten von Elite-Universitäten die Westbank besuchen und ihre eigenen Erfahrungen machen. Dann wäre das über alle Maßen strapazierte Thema „Israel gegen die palästinensischen Terroristen“ bald verschwunden und ersetzt durch ein wesentlich zutreffenderes „Israel in Vollzug seiner Kolonialpolitik„.

Ein linientreuer Kommentator auf dem israelischen Magazin 972mag meinte sinngemäß, was zur Hölle die Studenten sich einbilden würden einfach in einem Kriegsgebiet herum zu fahren und zu tun was sie wollten.

Kriegsgebiet?

Ja, man hätte sehr gerne, dass es so gesehen wird. Doch seit Jahren herrscht in der Westbank Ruhe. Doch die Palästinenser sollen nicht nur von der Waffe keinen Gebrauch machen, sondern auch von ihrer Stimme keinen Gebrauch machen.

Sie sollen gefälligst die Besatzung akzeptieren.

Wer dagegen auf die Straße geht oder dagegen schreibt, gerät in schwere Not.

Insofern stellt sich dem Beobachter die Frage, warum genau die regierende Fatah in der Westbank ihre Bevölkerung so ruhig hält. Von Israel hat sie bislang gar nichts dafür bekommen.

— Schlesinger

PS.: Der Berichterstatter dieses Vorgangs, Haggai Matar, verbrachte zwei Jahre in einem israelischen Gefängis, weil er sich weigerte den Wehrdienst in seiner Armee zu leisten.

Photo: Michael Loadenthal (Flick CC Lizenz)