Eier aus Legebatterien sind wie IPhones aus China

English: Steve Jobs shows off the white iPhone...

Den Krebs-Tod von Steve Jobs betrauerten Millionen. Den Feuer-Tod des 22-jährigen Lai Xiadong nur seine Familie.

Wie könnte es anders sein? Lai Xiadong war nur ein weiterer Kuli in einem Zulieferer-Werk von Apple in China. Er arbeitete für Foxconn, dem größten Assembler für Elektronik im Reich der Mitte. Foxconn dürfte der wichtigste Zulieferer von Apple sein.

Apple hat eine ebenso einfache wie radikale Strategie, um einem Unternehmen den Zuschlag als Zulieferer zu geben: Sag mir was 1 Teil kostet und ich sage Dir was ich Dir gebe.

Apple bietet eine minimale Gewinnspanne für das abhängige Unternehmen (durchaus vergleichbar mit dem Gebahren von ALDI, LIDL, IKEA & Co.). Will der Zulieferer mehr, muss er es an anderer Stelle herauskratzen.

Arbeite hart oder such Dir einen neuen Job

Die Unternehmen sehen sich daher genötigt ihren Profit bei ihren Arbeitnehmern zu holen: Unbezahlte Überstunden als Normalfall, laxe Sicherheitsvorkehrungen, eine unzureichende soziale Absicherung und permanenter Druck, um die Mitarbeiter zu maximaler Produktivität anzutreiben.

In einer der gigantischen Montagehallen von Foxconn zieren Parolen die Wände: „Arbeite heute hart in Deinem Job oder arbeite morgen hart, um einen neuen Job zu finden„.

Lai Xiadong hatte es noch gut. Er nahm als Akademiker eine mäßig gehobene Stellung als Gruppenleiter ein. Dadurch war er nicht gezwungen, in einer der Foxconn-Arbeiterunterkünfte zu hausen, in denen sich schon mal 20 Personen ein mickriges Drei-Zimmer Appartement teilen müssen. Er hatte seine eigenes Mini-Appartement. Trotzdem war er zu 12-Stunden-Tagen in einer 6-Tagewoche genötigt.

Offenbar sparte Foxcon auch an anderer Stelle. Bei den Chemikalien zum Beispiel, die zur Reinigung der Apple-Displays verwendet werden. Schließlich kam es vergangenen Mai zu einer Explosion im Werk von Chengdu. Vier Arbeiter wurden sofort getötet, 18 verletzt. Die Freundin von Lai erkannte ihn nach dem Unfall nur durch seine Beine. Sein Gesicht war weggebrannt.

Schockierte Apple-Manager

Apple hat als „verantwortungsvolles Unternehmen“ einen Code of conduct für seine Zulieferer eingeführt. Eine Art Codex. Denn die nicht abreissenden Berichte über katastrophale Zustände bei den chinesischen Zulieferern haben die Manager von Apple „schockiert“.

Schockierend daran ist nur die Dreistigkeit, mit der die Führungsebene von Apple – selbstverständlich Steve Jobs allen voran – ihrer treuen Klientel vorgaukeln will, man habe ja nicht wissen können

Ach. Deshalb hat man doch einen US-amerikanischen Standort nach dem anderen geschlossen, um mit den neuen Produtkionsbedingungen in China, Taiwan, Indien etc.pp. noch mehr Profit heraus zu holen.

Wen kümmern die Arbeiter, die wie Hühner in Legebatterien arbeiten müssen, solange der Wunderknabe Steve Jobs ein glänzendes Technik-Spielzeug nach dem anderen aus dem Hut zaubern kann?

Jesus am iPhone Kreuz
Im Zweifel wird die Moral ans Kreuz geschlagen

Und heute, nach der Einführung des Codex? Im Osten wenig Neues. Darin liegt das Abgefeimte: Apple hat ja seinen hübschen Leitfaden erstellt. Mehr kann man nicht tun, nicht wahr? Nun sollen die Zulieferer sehen, wie sie den Anforderungen gerecht werden. Mal mahnt Apple, mal drückt es beide Augen zu, mal kündigt es Zulieferern (sehr selten). Das alles dient nur der Politur. Würde es Apple ernst meinen mit einer Verantwortung, würde es die Produktion in die USA zurück holen. Denn in China steht niemand ein für die Rechte von Arbeitnehmern. Das allein ist das Nonplusultra für Apple & Co.

Wie immer müssen die ominösen Kräfte des Marktes herhalten, wenn gerechtfertigt werden soll, was schwer zu rechtfertigen ist. Die Produktion nach Amerika zurückholen? Ein Apple-Manager meinte dazu, man habe keineswegs die Verpflichtung Amerikas Probleme zu lösen (gemeint waren wohl die vermeintlich hohen Löhne – aus Unternehmersicht immer zu hohen Löhne):

We don’t have an obligation to solve America’s problems.

Als Steve Jobs bei Präsident Obama eingeladen war, gab er auf die Frage des Präsidenten wie die Arbeitsplätze zurück kommen könnten trocken zu Antwort:

Those jobs aren’t coming back.

Wie könnten Apple & Co. die Probleme Amerikas lösen? Gar nicht. Sie sind Bestandteil des Problems. Im Verbund mit den allzeit glücklichen und unbedarften Verbrauchern.

Kann bitte jemand ein IPhone-App programmieren?

Wer immer sein IPhone einschaltet wird begrüsst mit „Lai Xiadong musste für dieses Spielzeug verbrennen.

— Schlesinger

Die Informationen zu diesem Beitrag entstammen dem Artikel „The Human Costs of an IPad„, New York Times, feb. 2012

Photo: Matt Yohe (Wikimedia CC Lizenz)

Photo: Montage T.A.B.

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