Deutsche – trinkt beim Juden!

Die Macher des Münchner Szene-Restaurant Schmock sind seit einiger Zeit bekannt für Ihre freche, provozierende Werbung.

So ähnlich sehen die Sprüche aus, die sie auf ihrer Homepage zeigen:

Manche finden das vielleicht meschugge, aber alleine die Vorstellung, wie sich bei dem einen oder anderen eher rechts Gesinnten beim Anblick solcher Sprüche der Magen umdreht lohnt die Sache.

Ich jedenfalls finds gut, und last but not least: Das Lokal bietet eine vorzügliche Künche und ebensolche Weine (davon, versteht sich, viele aus Israel: Yarden, Golan Heights Vinery, Gamla…)

— Schlesinger

P.S.: Es gibt ja durchaus einen aktuellen Bezug zum alten Slogan „Kauft nicht beim Juden!

Die Kampagne BDS (Boycott – Divestment – Sanctions) fordert einen Boykott Israels in mehreren Ebenen, um sie zur Aufgabe der Besatzung in der Westbank und zum Ende der Abriegelung von Gaza zu zwingen.

Nach wie vor halte ich BDS für keine gute Idee. Bei den meisten Boykotts leidet die Bevölkerung mehr als die Führungsebene, die es letztlich beeinflussen soll. Ich jedenfalls will nicht den Obstbauern in Haifa für die Besatzungspolitik Netanjahus bestraft sehen. Ähnlich skeptisch bin ich gegenüber Boykotten gegen den Iran etc.pp.Und ob die Boykotte maßgeblichen Anteil am Sturz des südafrikanischen Apartheitregimes hatten wage ich schwer zu bezweifeln (im übrigen ist es auch eine Ohrfeige für den jahrzehntelangen Widerstand des ANC).

Ironischerweise gibt sich ausgerechnet Noam Chomsky, der unter Linken gerne als Kronzeuge verwendet wird, sehr skeptisch, was die Nützlichkeit von BDS anbelangt:

[ BDS is ]a very welcome gift to the most extreme supporters of US-Israeli violence… It removes from the agenda the primary issues and it allows them to turn the discussion to irrelevant issues, …, anti-Semitism and academic freedom and so on and so forth.

[…] even in the case of South Africa, I think sanctions are a very questionable tactic. In the case of South Africa, I think they were [ultimately] legitimate because it was clear that the large majority of the population of South Africa was in favor of it.

Sanctions hurt the population. You don’t impose them unless the population is asking for them. That’s the moral issue. So, the first point in the case of Israelis that: Is the population asking for it? Well, obviously not.

Sehr bedauerlich ist auch festzustellen, dass die hiesigen Befürworter von BDS partout ignorieren, in welche mißliche Lage Deutschland gebracht würde, wenn sich BDS hier zu einer Massenbewegung entwickeln sollte.

Link für Chomsky-Kritiker: Ein Artikel auf DesertPeace setzt sich kritisch mit dessen Haltung auseinander

2 Comments

  1. Die Sanktionen gegen den Iran sind deshalb etwas Anderes, weil dort die Ölproduktion zu 100% in staatlicher Hand ist. Und da die Einnahmen ins Atomprogramm oder zur Hisbollah gehen, bekommt die iranische Zivilbevölkerung davon sowieso nichts ab.

  2. Ein bisschen arg simplizistisch „alle Einnahmen gehen ins Atomprogramm oder zurHisbollah“. So ähnlich argumentierte man damals bei den Sanktionen gegen Iraks Saddam. Das Ergebnis war nicht nur, dass man die Baath-Elite unter Druck setzte, sondern aufgrund vielfacher Unterversorgung der öffentlichen Infrastruktur (Kliniken z.B.) Tausende zugrunde gehen mussten. Für Profi-Zyniker wie Kissinger oder stramm gesinnte Kommentatoren / Blogger ist das natürlich eine lässliche Sünde (sofern es überhaupt wahrgenommen wird).

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