19. Dezember brachte die Weihnachtsbombardements

Der amerikanische Sicherheitsberater wähnte sich kurz vor dem Ziel, den unsäglichen Jahre alten Krieg endlich beenden zu können. Noch kurz zuvor war er von den geheimen Verhandlungen mit dem Gegner zurück gekommen und hatte verkündet „peace is at hand„.

Daraus wurde nichts, weil Amerika die Bedingungen für den Waffenstillstand kurzerhand verschärft hatte. Als sich der Gegner uneinsichtig zeigte, griff man zu dem Mittel zurück von dem man sich die beste Wirkung erhoffte.

Der 19. Dezember 1972 war der zweite Tag der sogenannten „Weihnachtsbombardements“ und zugleich der 26. Jahrestag des Beginns des Vietnam-Debakels.

Da die Diplomatie Henry Kissingers im Winter 1972 nicht von Erfolg gekrönt war, mußte es die US Air Force richten. 100 B-52 warfen binnen weniger Tage so viel Bomben über Nordvietnam ab, wie in den drei Jahren zuvor insgesamt.

Wie sagte Kissinger damals:

Ich weigere mich zu glauben, dass eine viertklassige Macht wie Nordvietnam nicht an irgendeinem Punkt aufgeben muss.

Er täuschte sich. Gedemütigt mußte Amerika 1975 seine letzten in Südvietnam verbliebenen Leute herausholen. Der Krieg war verloren.

Dieselbe Hybris legte George W. Bush an den Tag, als er beschloß zuerst das Regime der Taliban in Afghanistan und dann jenes von Saddam Hussein im Irak beseitigen zu wollen. Aus dem früh erklärten „mission accomplished“ wurde nichts.

Seinem Nachfolger Obama blieb nichts anderes übrig, als aus dem Schlamassel irgendwie heraus zu kommen. Angesichts des schieren Umfangs mit dem Bush-Amerika sowohl im einen wie im anderen Land verstrickt war, war absehbar, dass man nicht mit einem blauen Auge davon kommen würde.

Bush jr. ist längst im bequemem Ruhestand und hat in seiner Biografie nochmals dargelegt alles richtig gemacht zu haben.

Der Dreck bleibt am amtierenden Präsidenten hängen.

Irgendwie hätte Obama es schaffen müssen die Sache entweder als strahlender Sieger oder immerhin ohne großen Schaden zu Ende zu bringen. Das propagiert die Rechte in den USA und das scheinen nicht wenige Journalisten bei uns zu meinen.

Eins steht fest: Der Makel, der nun an Obama haftet, spielt groteskerweise nur denen in die Hände, die schuld an der Misere sind.

Die Bush-Jahre sind noch längst nicht zu Ende. Es könnte sogar sein, dass sie erst anfangen.

— Schlesinger

Bild: Photomontage auf Grundlage des SPIEGEL Dez. 1972 (das original zeigt Henry Kissinger)