Bibi, Bibi, Bibi !

Benjamin Netanjahu, Mann des Friedens

„Bibi“ Netanjahu möchte als Mann des Friedens wahrgenommen werden.

Natürlich möchte er das. Er ist amtierender Ministerpräsident Israels.

Netanjahu ist der Regierungschef der einzigen Demokratie westlicher Prägung, die seit Jahrzehnten Besatzungsmacht ist.

Daher muss er alles unternehmen um der Welt zu zeigen, dass nicht Israel schuld daran ist. Er muss zeigen, dass die Araber Israel in diese Lage gezwungen haben.

Doch wer ist Bibi wirklich? Frankreichs Präsident Sarkozy meinte, Netanjahu sei ein Lügner.

Doch Lügen, so viel sei zugunsten Netanjahus gesagt, gehören mehr oder weniger zum politischen Geschäft.

Nein, Netanjahu ist kein harmloser Lügner. Er ist gefährlich.

Israeli Minister of Defense Yitzhak Rabin arri...

Netanjahu der Totengräber von Yitzhak Rabin?

Eine Episode aus dem Oktober 1995, dem Jahr der Ermordung von Ministerpräsident Rabin, kann als charakteristisch angesehen werden für das Naturell dieses merkwürdig übrig gebliebenen Kalten Kriegers.

Rabin, der bemüht war den Friedensprozeß im Rahmen der Oslo-Verträge voranzubringen, hatte im Parlament auch von territorialen Zugeständnissen gegenüber den Palästinensern gesprochen.

Netanjahu gab folgende Erwiderung*:

Sie, Herr Premierminister, haben kürzlich eine widerwärtige Bemerkung fallen gelassen.

Sie sagten die Bibel sei nicht unser Grundbuch.

Ich sage: Die Bibel ist unser Grundbuch, unsere Vollmacht und unser Eigentumsnachweis.

Nur wenn wir die Äußerungen untersuchen, die Sie und Mitglieder Ihres Kabinetts gemacht haben verstehen wir erst richtig was Sie getan haben: Eine nie dagewesene Tat in der Geschichte der jüdischen Nation.

Es ist richtig, dass wir in der Vergangenheit besiegt wurden, ins Exil mussten und dazu gezwungen waren auf Teile unserer Heimat zu verzichten.

Es ist allerdings noch nie vorgekommen, dass Juden vorsätzlich, ja fröhlich Teile ihrer Heimat abgegeben und damit die Einsicht aufgegeben haben, dass wir ein Recht auf dieses Land haben.

Damalige Beobachter waren sich im Klaren darüber, dass „Bibi“ diese Rede weniger an die Abgeordneten der Knesset richtete, sondern vielmehr an seine Gefolgschaft auf der Rechten.

SS-Mann Rabin

Netanjahus Anhänger jedenfalls versammelten sich am selben Abend zu Tausenden auf Jerusalems Zionsplatz, wo sie auf Plakaten Yitzhak Rabin in der Verkleidung eines SS-Mannes zeigten und eine Fahne schwenkten mit der Aufschrift „Rabin, Arafats Hund„.

Die aufgebrachte Menge trug den Radikalen Benjamin Kahane – Sohn des Rechtsextremen Rabbi Meir Kahane – auf den Schultern und skandierte

Tod für Rabin! Nazis! Judenrat!

Der damalige Wohnungsbauminister Ben-Eliezer geriet in die Menge und wurde tätlich angegriffen. Er musste um sein Leben bangen, wie er später berichtete.

Schließlich konnte er doch zum anwesenden Benjamin Netanjahu vordringen und rief ihm zu, er solle die Menge bändigen, sonst würde es Tote geben. Wenn jemand zu Tode käme, hätte Netanjahu Blut an den Händen. Die Siedler, so die abschliessende Warnung Eliezers an Netanjahu, seien inzwischen durchgedreht, und würden bald jemanden umbringen, wenn nicht heute, dann in einer kommenden Woche oder einem kommenden Monat.

Netanjahu bestieg die Rednertribüne, wurde als der nächste Ministerpäsident vorgestellt und begann seine Rede unter lauten „Bibi! Bibi! Bibi!„-Rufen.

Ermordung von Yitzhak Rabin

Am 4. November versammelten sich auf dem Tel Aviver König-Israel-Platz 100.000 Menschen zu einer Friedensdemonstration. Der Hauptredner war Ministerpräsident Rabin.

Um genau 11 Uhr nachts starb Rabin auf dem Operationstisch des Ichilov-Kranhenhauses an den schweren Schußverletzungen, die ihm der Rechtsextremist Yigal Amir zugefügt hatte.

Netanjahu war schockiert. Nicht wegen der Ermordung.

Offenbar hat er sich an jenem Tag mit US Botschafter Martin Indyck getroffen (einem überzeugten Zionisten). Bibi war in Panik: Sollten jetzt Neuwahlen ausgerufen werden, würden er und die gesamte Rechte untergehen, da sich das Land aus Empörung über das Attentat den Gemäßigten zuwenden würde.

So kam es nicht. Shimon Peres, der Rabin nicht wohl gesonnen war, übernahm die Regierung und tappte von einem Fehler in den nächsten. In den kommenden Neuwahlen gewann Netanyahu.

Inzwischen wurde Netanjahu ein zweites mal gewählt. Er bleibt seiner attacke auf Rabin treu, und sieht die Bibel nach wie vor als Grundbuch für Israel an.

Die Siedlungen in der Westbank werden mit unverminderter Geschwindigkeit vorangetrieben.

Bei einem wie ihm gibt es keinen Platz für Frieden. Nur Sieg oder Niederlage.

— Schlesinger

Photo: Sgt. Robert G. Clambus (Wikimedia CC Lizenz)

* Übers. aus „The fall of the house of Bush“, Craig Unger, S. 139ff.

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1 Comment

  1. Bibi hat auch mal Peres wüst beschimpft:

    During the first Knesset debate on the Oslo peace accords, Likud party chairman Benjamin Netanyahu, a close ally of US neoconservatives and Christian fundamentalists, compares the accords to British attempts to appease Nazi dictator Adolf Hitler before World War II. Referring to British Prime Minister Neville Chamberlain, he shouts at Foreign Minister Shimon Peres, “You are worse than Chamberlain.”

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