Barak: Krieg gegen Iran mit höchstens 500 Toten

Hört man dem israelischen Verteidigungsminister Ehud Barak in diesen Tagen zu, muss man an Nicolas Sarkozy denken.

Sarkozy lästerte kürzlich auf dem G20-Gipfel zu US Präsident Obama über den israelischen Ministerpräsidenten Netanjahu:

Ich kann ihn nicht ausstehen, er ist ein Lügner

Ob man Ehud Barak ausstehen kann muss jedem selbst überlassen bleiben. Mit dem Attribut Lügner verhält es sich vielleicht anders.

Israeli Minister of Defense Ehud Barak, left, ...

Im Radio sagte Barak in Bezug auf einen möglichen Krieg gegen den Iran, man müsse auf israelischer Seite keinesfalls mit 50.000 Toten rechnen, auch nicht mit 500. Vorausgesetzt, es gingen alle in die Schutzräume.

Das erinnert ein wenig an Reichsluftfahrtminister Göring, der sich gegenüber Führer und Volk aufplusterte mit “ Wenn auch nur ein feindliches Flugzeug unser Reichsgebiet überfliegt, will ich Meier heißen!

Wer wie Barak seinen Landsleuten verspricht, ein Krieg würde „nur“ maximal 500 Tote mit sich bringen – auf der eigenen Seite, versteht sich – , versucht offenkundig einen Krieg zu verkaufen.

Oder verhält es sich mit den öffentlich vollzogenen Gedankenspielen wie denen von Barak oder von Staatspräsident Shimon Peres, der eine militärische Auseianndersetzung näherrücken sieht, wie mit den bellenden Hunden, die nicht beißen?

Viele Medien bei uns scheinen darauf zu vertrauen und  haben die Kriegsgefahr fürs erste mehr oder weniger abgeblasen.

Israel, so geht die Überlegung, habe mit dem jüngsten Bericht der Atomenergiekommission IAEA die Beweise dafür vorgelegt, was Israel schon lange wußte: Iran bastelt an der Bombe. Nun hätten alle ein schlechtes Gewissen, gegen Teheran nicht mehr getan zu haben, und werden das voraussichtlich tun. Israel könne sich also entspannen.

Kann man sich gut vorstellen: Einen völlig entspannten Avigdor Liebermann neben einem relaxten Benjamin Netanjahu, beide zusammen mit Ehud Barak schäkernd über den nun bloßgestellten Iran.

Mehr Sanktionen gegen den Iran?

Wo aber will die oft beschworene „Völkergemeinschaft“ den Iranern die Daumenschrauben anlegen?

Zur Debatte steht eine Blockade des iranischen Ölexports. Iran hat nach Saudi-Arabien die zweitgrößten Ölreserven der Welt. Bei Gas liegt es hinter Rußland an zweiter Stelle. Beide Energieträger sind für den Iran insofern heikel, weil die Erlöse einen besonders hohen Anteil am Staatseinkommen ausmachen.

Auch wenn zum Beispiel China als ein wichtiger Akteur auf der Weltbühne seine Abhängigkeit von iranischen Öl um die Hälfte verringert hat, würden bei einem Boykott mitmachen. Rußlands Energieriese Gazprom etwa will mit den Iranern umfängliche Kooperationen eingehen. Daher zeigt sich Rußland unnachgiebig. Vize-Wirtschaftsminister Gatilov meint aktuell:

This approach is unacceptable to us, and the Russian side does not intend to consider such a proposal.

Abgesehen von der lückenhaften Boykottfront würde die Verknappung des Öl-Angebots eine Verteuerung des Ölpreises mit sich bringen. In der aktuellen Lage der Weltwirtschaft und vor allem der USA könnte der Schuss nach hinten losgehen.

Ebenfalls im Gespräch ist eine Abriegelung der iranischen Zentralbank vom internationalen Finanzmarkt. Zum einen ist fraglich, wie das gehen soll, zum anderen wären zahllose Unternehmen in aller Herren Länder betroffen. Deren Regierungen würden sich dagegen verwehren. Auf einer Deutschlandvisite meinte kürzlich der iranische Vize-Wirtschaftsminister Resa Farzin, die Sanktionen hätten seinem Land bislang nicht geschadet. Das Handelsvolumen des Iran habe sich lediglich nach Osten verlagert. Der Handelsaustausch mit anderen Ländern betrage derzeit insgesamt 140 Mrd. Dollar, Europa habe daran einen Anteil von 33 Prozent. “Wenn der Westen Einschränkungen verhängt, profitieren andere Länder davon”. Das war schon immer die Schwachstelle bei Sanktionen: Irgend jemand weiß sie zu seinem Vorteil geschickt zu umgehen.

Zeit, die Israel nicht hat

Welche Schritte man sich auch immer überlegt und in den Gremien der Weltbühne debattiert: Sie alle werden viel Zeit in Anspruch nehmen.

Zeit, die Israel nicht hat, wenn es aus Überzeugung daran glaubt, dass der Iran binnen eines halben Jahres die Bombe hat. Jeder weitere Monat hilft Teheran, sich gegen einen Schlag durch Israel zu schützen. Das weiß Jerusalem und wird seine Schlüsse daraus ziehen.

Es gibt nur einen Trost: Mehr als 500 Tote wird es nicht geben.

— Schlesinger

Photo: Ehud Barak mit dem ehem. US Verteidigungsminister Robert Gates (Wikipedia, US DoD CC Lizenz)

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