Israel: Die atomare nationale Heimstätte

Am heutigen 2. November des Jahres 1917 erklärte der britische Außenminister Lord Arthur Balfour in einem Schreiben an das Mitglied des Oberhauses Lord Rothschild, dass England die Gründung einer Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina unterstützen wird („Balfour-Declaration„):

Verehrter Lord RotBalfour photo by George Grantham Bainhschild,

ich bin sehr erfreut, Ihnen im Namen der Regierung Seiner Majestät die folgende Erklärung der Sympathie mit den jüdisch-zionistischen Bestrebungen übermitteln zu können, die dem Kabinett vorgelegt und gebilligt worden ist:

Die Regierung Seiner Majestät betrachtet mit Wohlwollen die Errichtung einer nationalen Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina und wird ihr Bestes tun, die Erreichung dieses Zieles zu erleichtern, […]

Ihr ergebener Arthur Balfour

 

Der Traum von einer eigenen Nation erfüllte sich, nachdem die Vereinten Nationen im November 1947 der Teilung Palästinas zugestimmt haben.

Die Bürger des jungen Israel haben mit allem Grund auf den Straßen getanzt und gefeiert, als über Radio der Beschluss der UN durchgesagt wurde.

Nach jahrhundertelanger Benachteiligung von Juden, Unterdrückung, Verfolgung bis hin zum Völkermord durch das nationalsozialistische Deutschland gab es ab dem 14. Mai 1948 einen selbständigen jüdischen Staat: Israel.

Bekanntlich brach sofort Krieg aus zwischen Israel und den arabischen Nachbarn, in dem Israel die Oberhand gewann. Dem damals starken Mann in Israel und dann ersten Ministerpräsidenten David Ben Gurion kam der von der Arabischen Liga begonnene Krieg nicht ungelegen, hatte er doch unter anderem in einem Brief an seinen Sohn unverhüllt geäußert, dass man sich des palästinensischen Problems am besten durch einen Krieg entledigen könne.

Der israelische Sieg von 1948 hatte sowohl im maßgeblichen politischen Establishment Israels*, als auch in der Bevölkerung eine ungeheure Impetus: Solange man militärisch dominiert wird man auf der sicheren Seite sein. In den Worten des früheren Präsidenten des Zionistischen Weltkongresses Nahum Goldmann:**

Der Sieg zeigte so einen glänzenden Kontrast zur jahrhundertelangen Verfolgung und Demütigung, der Anpassung und der Kompromisse, dass es so schien als sei dies die einzig mögliche Richtung, die man von nun an einschlagen konnte. […]

Geschichte formen durch das Schaffen von Fakten […]

Bemerkenswert, wie sehr sich diese Haltung bis heute gehalten hat.

Verwunderlich, wie sehr diese Ausrichtung auf Sicherheitspolitik  auch schwierigste soziale Verwürfnisse im Land übertünchen kann. Im Sommer konnte man hoffen die sogenannte J14-Bewegung in Israel, in der viele Tausende und zwischenzeitlich Hunderttausend für gerechtere soziale Verhältnisse demonstrierten, könnte eine andere israelische Öffentlichkeit formen.

Doch die rechte Regierung Netanjahu bleibt nach einigem Taktieren und Zeitspiel bei ihrer üblichen Politik. Was bietet sich zur Ablenkung mehr an als gegen den Popanz Iran zu hetzen?

Beinahe in der Manier der früheren Sowjetunion oder des geliebten Feindes Iran brüstet sich Israel nun mit seiner neuesten Generation von Langstrecken-RaketenJericho III„, die offenbar auch als ballistische Nuklearwaffe eingesetzt werden kann.

„Netanjahu möchte alle Probleme mit militärischen Mitteln lösen“, meinte ein hochrangiger Beamter des israelischen Außenministeriums.***

Allem Anschein nach trifft das zu.

— Schlesinger

* Es gab im israelischen Außenministerium – nicht unähnlich dem USAußenministerium – eine Gruppierung sogenannter Arabisten, die einen Ausgleich mit den arabischen Nationen suchten. Sie blieben eine Minderheit.
** Übers. aus Avi Shlaim: Iron Wall, S. 42
*** Vorsätzlich aus der Zeit gerissenes Zitat. Tatsächlich äußerste sich so der stellvertretende israelische Außenminister Elias Sasson 1948 über den damaligen Premier Ben Gurion.

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