Gaza-Flottille gewaltbereiter als das letzte mal

Israelische Soldaten sollen bluten!“ soll in der Vorbereitung der neuen Gaza-Hilfsflotte ein Aktivist gesagt haben.

Außerdem sollen Chemikalien auf die Schiffe verladen worden sein, um sie bei Bedarf gegen israelische Soldaten einsetzen zu können.

Das haben namhafte israelische Zeitungen berichtet. Als Quellen wurden anonyme Stellen israelischer Sicherheitsdienste angegeben. Die konservative Washington Post hat diese Meldungen aufgegriffen, aber immerhin reflektiert dargestellt.

Die grosse Tageszeitung „Maariv“ titelte gar:  „Sie kommen um zu töten!

Die weltweit vielleicht bekannteste israelische Tageszeitung „Jerusalem Post“ hat alarmistische Meldungen der Armee unkritisch übernommen:

IDF sources said Monday night that new intelligence information obtained in recent days shows that participants of the flotilla planning to break Israel’s sea blockade over the Gaza Strip later this week plan to kill IDF soldiers who board their ships.

According to the information obtained by the IDF, some of the participants have prepared sacks with sulfur, which they plan to pour on the soldiers as they board the vessels.

Die Quelle aus der Armee (IDF) verstieg sich zu der abstrusen Darstellung, die Aktivisten wollten die Soldaten mit Schwefel überschütten und anzünden, womit sie „brennen würden wie Fackeln„. Diese Behauptung hat unfreiwillig komische Züge.

Israel versucht sein Bestes den Hilfkonvoi zu in ein schlechtes Licht zu stellen. Inzwischen hat selbst das Büro des israelischen Ministerpräsidenten Netanjahu bestätigt, dass die abgegebenen Erlärungen zur Gefährlichkeit der Flotilla-Teilnehmer von der Armee abgegeben wurden.

Doch scheint der Versuch zu misslingen.

Denn schon kurz nach den fingierten Horrornachrichten über die vermeintlich schlechten Absichten der Aktivisten – zu denen auch die 87jährige Holocaust Überlebende Hedy Epstein oder die 64jährige Pulitzer Preisträgerin Alice Walker („Die Farbe Lila“) gehören – rudern die Medien zurück, weil sie offenbar die fingierten Informationen als solche erkannt haben.

Die Jerusalem Post druckt eine lange Gegendarstellung, in der von säbelrasselnder „Hasbara“ (Propaganda) die Rede ist:

Rattling the Cage:

Israel’s propaganda machine is in full swing prior to the ships’ upcoming arrival.

Die Zeitung „Yedioth Achronoth“ schreibt, es gäbe nicht den geringsten Beweis für die Stichhaltigkeit der von der Armee getroffenen Aussagen. Auch von Waffen wisse man nichts:

There isn’t a shred of evidence that extreme elements will initiate resistance against IDF soldiers.

There is no knowledge of the existence of firearms on the ships.

Leider hat sich Hillary Clinton beeindrucken lassen und eine harsche Warnung an amerikanische Teilnehmer der Flotilla ausgesprochen: Sie müssten mit Geldstrafen und Verhaftungen rechnen.

Nachdem die Behauptung der Gewaltbereitschaft der Aktivisten beantwortet ist bleibt eine Frage offen: Wie sieht die Gewaltbereitschaft des israelischen Militärs gegenüber der ankommenden Flotte aus?

— Schlesinger

Zur letztjährigen Flotilla, bei der es zahlreiche Tote gab, aber auch unangenehme Fragen an die Initiatoren offen blieben.

Der amerikanisch-jüdische Blogger Jerry Haber ist der Ansicht, dass es bei der Frage um die Gaza-Flotte gar nicht um die Sicherheit Israels geht, sondern nur um die Frage wie man die Kontrolle behalten kann:

Let me put my cards on the table.

I think that Israel’s blockade of Gaza blockade is illegal, has nothing to do with Israel’s security, and has everything to do with Israel’s desire to control the lives and resources of Palestinians without taking responsibility for their welfare — and without treating them as equals.

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1 Comment

  1. So wie es aussieht, kann Netanyahu sich ohnehin darauf verlassen, dass er mit den Gaza-Solidaritäts-Seeleuten machen kann, was er will. Standing ovations sind ihm aus Washington gewiss…

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