Felix Sturm vs. Matthew Macklin: Eklige Schiebung?

Felix Sturm, der einmal ein verheissungsvoller hungriger Kämpfer war, hat vor einiger Zeit sein Metier gewechselt.

Er ist nun mehr Showman als Boxer.

Ich kämpfe am liebsten gegen die Besten um zu zeigen dass ich der Beste bin, sagte Sturm einmal.

Mit dem amtierenden Europameister Matthew Macklin (Irland) hatte er heute abend einen der Besten vor den Fäusten.

Macklin bewies seine Klasse indem er den „Weltmeister“ Sturm elf Runde lang in einem atemberaubenden Tempo und einer kaum zu glauben Schlagfrequenz weichgeklopft hat.

Felix Sturm bewies seine Klasse, indem er über elf Runden angesichts der nicht nachlassenden Schläge von Macklin seine Deckung hoch halten konnte. Trotzdem kam Macklin unzählige male mit guten Treffern an Kopf und noch mehr harten Treffern an der Seite von Sturm durch. Nehmerqualitäten nennt man das, was Sturm gezeigt hat.

Zwei Drittel der Zuschauer sahen Macklin vorn, und das war sehr nachsichtig gegenüber der schieren Passivität von Sturm. Axel Schulz, der gut kommentierte, hat über wenigstens vier-fünftel der Runden die Untätigkeit Sturms bemängelt und den unglaublichen Vorwärtsgang von Macklin gewürdigt.

Macklin war nur in der letzten Runde so unvorsichtig noch immer auf 100 Prozent zu gegen anstatt seinen Sieg durch einen Rückwärtsgang oder Klammern lässig einzufahren. Er wurde von Sturm angeschlagen, aber nicht ausgeknockt.

Irgendwie lag das Ergebnis nach dem Gong in der Luft:

Sturm hat durch eine beschämende „split descision“ (unentschieden) gewonnen.

Ein Interviewer fragt Axel Schulz nach dem Kampf, ob Sturm den Kampf in Irland auch gewonnen hätte. Garantiert nicht, gibt Schulz völlig zutreffend als Antwort.

Es gibt immer wieder Kämpfe die strittig sind.

Heute abend hat Matthew Macklin einen unglaublichen Kampf geliefert gegen jemanden der gerade mal in der Lage war seine Deckung zu wahren und zum Schluß noch einen winzigen Spurt vorzulegen, und hat dafür verloren.

Bravo Felix Sturm!

Sturm, der noch immer alles für „Mama“ macht, ist offenbar so gut „im Geschäft“, dass er auch Luschenvorstellungen in Siege ummünzen kann.

Er will ein Champion sein?

Ja. Nicht wenige werden seit heute abend sagen: Ein Champion der Täuschung und der Selbstdarstellung.

Dass auch jemand wie die zuschauende Kickbox-Weltmeisterin Theiss kommentiert Felix habe das bessere Auge bewiesen, beweist nur eins: Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus.

— Schlesinger

PS.: „Schiebung“ ishier keine Tatsachenfeststellung, sondern subjektive Meinung.

PS 2.: Ich mochte Felix Sturm, weil er potentiell sportliche Hoechstleistung bringen, klug und zudem beherrscht boxen kann. Seit er sich selbst vermarktet mag ich ihn nicht mehr. Der Grund ist einfach. Ich moechte Boxkaempfe sehen, aber niemanden der so extrem selbstverliebt ist dass es ihm auch nichts ausmacht nach einem mehr als klar verlorenen Kampf verlogene Interpretationen. Das Gegenteil von Sturm dem Showman ist Sebastian Sylvester. Ein harter Arbeiter, gradlinig und unverstellt. Sylvester goenne ich alle Titel der Welt.