Rabbinisches Gericht verurteilt Hund zum Tod durch Steinigung

Gott ist tot
Irgend einen armen Hund trifft es immer

Hätten wir den ersten April oder hätte die Nachricht in der TITANIC gestanden wäre es eine hübsch gemeine und schräge Story gewesen.

Ist es aber nicht. Jedenfalls ist die renommierte israelische Zeitung Y-Net nicht dafür bekannt schlechte Witze zu machen.

Ein rabbinisches Gericht nahe des Jerusalemer Orthodoxenbezirks Mea Schearim hat einen streunenden Hund zum Tod durch Steinigung verurteilt.

Was war geschehen? Ein großer Hund war in das Gerichtsgebäude gelaufen und ließ sich nicht dazu bewegen das Gebäude zu verlassen.

Ein Richter glaubte schließlich in dem Hund die Reinkarnation eines säkularen Rechtsanwalts zu erkennen, der vor 20 Jahren das Gericht wüst beleidigt hat. Das schien insofern plausibel, als seinerzeit das Gericht eine Verwünschung über den Anwalt ausgesprochen hatte, der möge als Hund wiedergeboren werden (Hunde gelten in der orthodoxen Lehre als unreine Tiere).

Also mußte der arme Hund dran glauben.

Anscheinend wurden in der Nachbarschaft Kinder angewiesen das Urteil zu vollstrecken.

Der hündische Anwalt hat den Ernst der Lage erkannt und sich aus dem Staub gemacht.

Eigentlich zum totlachen. Gäbe nicht genügend andere Beispiele, dass so mancher fundamentalistische Rabbiner auf den Hund gekommen zu sein scheint.

Aber.

Andererseits wäre es ein Wunder, gäbe es nicht in jeder Art von Kirche so abstruse Ausfallerscheinungen wie es sie hierzulande gibt mit Bischof Mixa und anverwandten Kreaturen. Letztlich nur eine Frage der statistischen Normalverteilung. Hat insofern mit Rabbinern oder Bischöfen oder Mönchen gar nichts zu tun. Oder glaubt da draussen womöglich noch irgend jemand daran, dass es mit den Würdenträgern etwas Besonderes, gar Heiliges auf sich habe? Warum heißt es Würdenträger? Sie tragen die Würde bloß, wie eine Monstranz. Deshalb haben sie noch längst keine.

–Schlesinger

Update 22.06.: Der SPIEGEL berichtet das Gericht hat scharf dementiert: Man habe lediglich einen Hundefänger beauftragt das Tier aus den Gebäude zu entfernen. Der SPIEGEL spricht davon dass die Zeitung Maariv, die den Bericht ursprünglich gebracht haben soll, sich dafür entschuldigt hat.

Merkwürdig: Im Artikel der Y-Net, auf den mein obiger Beitrag bezieht, wurde beschrieben dass ein Bediensteter des Gerichts einem Reporter der Y-Net gegenüber den Sachverhalt bestätigt hat. Die Seite von Y-Net ist seit gestern nicht mehr aufrufbar.

Und trotz allem bleibt es dabei: Die Geschichte ist unterm Strich eine Posse, bei der mir am meisten mißfiel wie selbst „seriöse“ Zeitungen sie aus den Agentur-Tickern kommentarlos übernommen haben. So eine Story ohne Kommentierung zu übernehmen heißt letztlich nichts anderes als die Botschaft zu verbreiten „Schaut, wie absurd die sind!“. Kann es etwas Naiveres, Überheblicheres geben? Solange wir nicht von Krieg & Folter & Mord & Kindesmißbrauch  oder Ähnlichem sprechen gilt die Faustregel: Wir alle sind mehr oder weniger absurd. Am meisten die, die das weit von sich weisen.

Grafik: Flickr CC Lizenz / Christopher Dombres