Henry Kissinger: Sollen die Russen doch Juden vergasen

Henry Kissinger, at the World Economic Forum's...

Henry Kissinger

Für die Feststellung, dass Henry Kissinger ein rücksichtsloser karrierebesessener Opportunist  ist, bedurfte es keiner neuen Quellen.

Trotzdem lassen einen die aktuellen Dokumente schaudern.

Der aus dem fränkischen Fürth stammende Heinz Alfred („Henry“) Kissinger emigrierte mit seiner Familie wegen seiner jüdischen Herkunft aus Nazideutschland in die USA.

Dort gelangte er zu großen Ehren und in höchste Ämter: Sicherheitsberater mehrerer Präsidenten, Außenminister unter den Präsidenten Nixon und Ford.

Den Friedensnobelpreis erhielt er 1973 zusammen mit seinem vietnamesischen Verhandlungspartner und Widersacher Le Duc Tho für den vereinbarten Waffenstillstand.

Schon damals war mehr als fragwürdig, für was diese Anerkennung stehen sollte. Dafür, den Nordvietnamesen durch eine wahnwitzige Bombenfracht auf Nordvietnam einen Verhandlungsfrieden aufzunötigen?

Denn aus nichts mehr und nichts weniger bestand die „Strategie“ Kissingers: Bombt sie so lange, bis sie einlenken.

Das Ende dieser Tragödie ist hinlänglich bekannt.

Der Antisemit Kissinger

Nun hat die Nixon Bibliothek turnusmäßig weitere Dokumente freigegeben, die nicht mehr der üblichen 30-Jahres-Frist für vertrauliche Regierungsdokumente unterliegen.

Darin zeigt sich nicht nur Nixons abschätzige Haltung gegenüber den Juden*:

The Jews are just a very aggressive and abrasive and obnoxious personality.

[ „Die Juden sind bloß aggresiv, ungehobelt und widerwärtig.“ ]

Neben der Gleichgültigkeit Kissingers gegenüber dieser Haltung Nixons zeigen die Dokumente auch, dass er noch wesentlich weiter gehen konnte.

Als im März des Jahres 1973 die israelische Premierministerin Golda Meir zu Gast in Washington war, wurde sie von Nixon und Kissinger warm empfangen.

Unmittelbar nach ihrem Besuch bestätigten sich Nixon und Kissinger gegenseitig, wie irrelevant die Forderungen von Golda Meir waren, die Russen dazu zu drängen Juden nach Israel ausreisen zu lassen.

Henry Kissinger sagte zu Nixon:

The emigration of Jews from the Soviet Union is not an objective of American foreign policy.

And if they put Jews into gas chambers in the Soviet Union, it is not an American concern.

Maybe a humanitarian concern.

[ „Die Ausreise von Juden nach Israel ist kein Ziel amerikanischer Außenpolitik.

Und wenn sie in der Sowjetunion Juden in Gaskammern stecken, ist das keine amerikanische Angelegenheit.

Das ist vielleicht eine humanitäre Angelegenheit.“ ]

Worauf Nixon erwiderte:

I know, we can’t blow up the world because of it.

[ „Ja, ich weiß, wir können deswegen nicht die ganze Welt hochjagen.“ ]

Für viele politische Äußerungen benötigt man die Darstellung von Hintergründen, muß zusätzliche Informationen liefern, den Kontext darlegen, um zu einer angemessenen Beurteilung zu kommen.

Das ist in diesem Fall nicht nötig.

Henry Kissinger ist und war Zeit seines Lebens ein kalter, rücksichtloser Karrierist.

Wie weit er letztlich ging, um seine Position zu stärken, zeigt sich hier unverstellt.

Man kann annehmen, Alfred Kissinger hätte damals in Deutschland bleiben und kraft seines geeigneten Charakters Karriere machen können.

So aber mußte er sich in den Vereinigten Staaten verwirklichen.

Das mag nicht in hiesige Schablonen passen und irritieren, weil er doch Jude war.

Aber es ist schlicht so: Brutalität kümmert sich nicht um Nationalität, Rasse oder Religion.

Daher muss man in diesem Fall letztlich auf englisch sagen:

Hail Henry !

— Schlesinger

* Bei dieser Äußerung ist die schroffe und rüde Art Nixons zu berücksichtigen. Wenn er über jemanden schlecht geredet hat, hat er meist äußerst hart geurteilt.

PS.: Kissinger ist u.a. Träger der US Friedensmedaille, Ehrenbürger von Fürth, Ritter des Britischen Empire.

Photo: World Economic Forum (Wiki CC Lizenz)

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Israel - Zitat des Tages

 Während des Libanonkriegs konnte man hoffen, daß jene Blindheit, jener Machthunger und jene Selbstgerechtigkeit, die damals so offenkundig waren, sich lediglich als Begleiterscheinung des Krieges erweisen würden und daß ein Friedensschluß uns unsere Vernunft zurückgeben würde. Aber während des Libanonkriegs begriff ich schließlich, daß die Unvernunft tiefgehend und weitverbreitet war, daß sie wohl mehr war als nur eine Begleiterscheinung.

Amos Oz
(Israelischer Schriftsteller. Über den israelischen Krieg im Libanon, 1982, befohlen von Ministerpräsident Menachem Begin, geführt von Ex-General und Verteidungsminister Ariel Scharon.)

Presseschau Naher Osten (englisch)

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