Islamische Scharia bedroht deutsche Leitkultur

Ein Dr. Banser* schreibt in einem aktuellen Leserbrief an die Süddeutsche Zeitung zur Islamdiskussion in Deutschland:

Bei der Islamdiskussion bleibt immer das Wesentliche außer Betracht, nämlich diejenige Seite von dessen Charakter, die aus zahlreichen Suren hervorgeht, aus denen die Islamisten das Recht für ihren Kampf ableiten.

Im Folgenden leitet Herr Banser ab, der Islam sei bis auf weiteres

gegen die moderne Auffassung von den Menschenrechten gerichtet

Dazu folgende Anmerkungen.

  • die mutmaßlich schrecklichen Vorgaben des Koran, aus denen die Gewaltakte der Islamisten naturgemäß zu folgen scheinen, bleiben nach Meinung des Leserbriefschreibers in den Diskussionen „immer“ außer Betracht. Das Gegenteil dürfte zutreffen. Diesen Vorwurf hat man schon so oft gehört und gelesen, dass er dadurch zwar nicht plausibler wird, aber einem immerhin aus den Ohren kommt.
  • Der Islam ist dem Leserbriefverfasser zufolge gegen die moderne Auffassung von Menschenrechten gerichtet.Das bringt uns zwangsläufig zur Frage:Was bringt unsere „moderne Auffassung von Menschrechten“, die Herr Banser in seinem Beitrag als typisch westlich-christlich verortet, in der Praxis mit sich?Denn letztlich ist nie das Wort entscheidend, sondern nur die Tat.
    Die Taten christlich-westlicher Leitkultur sind unter anderem folgende:
  • Krieg:
    Tod, Verstümmelung, Vertreibung und Armut für Hunderttausende im Irak aufgrund frei erfundener Kriegsgründe durch den Ober-Christen G.W. Bush.
  • Folter:
    Guantanamo / Abu Ghraib / Bagram / CIA-Foltergefähnisse etc.pp.
  • Misshandlung / Mißbrauch:
    Canisius-Gymnasium, Odenwaldschule, Kloster Ettal, Limburg, Mergentheim u.v.m. Ein jahrzehntelanger systematischer Mißbrauch fand nicht durch irgendwelche finstre Gesellen statt, sondern durch die Hohepriester unserer Kultur: Pädagogen und Priester.
  • Armut:
    Im christlichen deutschen Abendland ist aktuell jede/r sechste arm. Trotz des obszönen Reichtums von relativ wenigen Privatpersonen und Konzernen. Immerhin gibt es aktuell 5 Euro mehr für Hartz-IV-Empfänger.
  • Gott Mammon:
    Die amerikanisch-deutsch-englisch-griechisch-irische Finanzkrise fußte auf einer unvorstellbar ausufernden Kombination von Gier und Verantwortungslosigkeit. Hunderte Milliarden stellt unsere Gesellschaft bereit für die von Finanzjongleuren verursachten Schäden, und zieht dafür höhere Steuern von den kleinen braven Christenbürgern ein. Welche Verursacher wurden bislang in Regress genommen?

    Ach, gäbe es bei uns nur die Scharia. (Zumindest einen Teil davon).

    Dann hätten nicht Millionen Amerikaner ihren Job verloren, säßen Hunderttausende Amerikaner nicht kraft Zwangsversteigerung auf der Straße, würden nicht Hunderttausende bei uns ihre Arbeit los haben.

  • Zukunftsgefährdung:
    Die Atom- und Kohlelobby darf Profite auf Jahrzehnte hinaus maximieren. Zu Lasten einer vorhandenen echten Alternative. Das Gewinnstreben weniger geht offenbar vor den wahren Interessen nicht nur dieser, sondern auch kommender Generationen. Kultur, Würde und Rechte haben auch etwas damit zu tun, wie die Güter einer Gesellschaft verteilt werden. Sie werden bei uns immer ungerechter verteilt.
  • Kulturelles Niveau:
    Fernsehen
    : 3 bis 11 Millionen sitzen vor „Wer wird Millionär“, 6 Millionen vor DSDS, 10 Millionen vor „Wetten dass?“;

    Fernsehkonsum pro Person in Deutschland: durchschnittlich 3 Stunden 20 (Bayern) bis 4 Stunden 33 (Thüringen).

    Bücher: Aktuelle Bestsellerliste Belletristik z.B. „Doch die Sünde ist scharlachrot“, „Der Fluch der Hebamme“;  Sachbuch: Natürlich Thilo SarrazinsDeutschland schafft sich ab„. Mit Sarrazins Werk ist leider nur demonstriert, dass heute selbst die, die kraft formaler Bildung zu besonderen Leistungen in der Lage sein sollten, nur das zustande bringen, worüber sich schon Goethe ärgerte: “ In bunten Bildern wenig Klarheit, viel Trug und ein bisschen Wahrheit, so wird der beste Trank gebraut, der alle Welt erquickt und auferbaut.“

    Dass Herr Sarrazin sein Halbverdautes für viel Geld (22,90 €) an den halb gebildeten, aber ganz braven Bürger bringen kann, lässt einen traurigen Rückschluss zu auf das wirkliche Bildungsniveau in der deutschen Leitkultur.

    Internet
    : Eingabe von „Sex“ bringt bei Google 525.000.000 Treffer. Man kann davon ausgehen dass die Mehrzahl der Seiten nicht muslimischer Herkunft ist.

Bert Brecht hatte nicht recht mit seinem Bonmot  „Zuerst kommt das Fressen, dann die Moral„. Es muss vielmehr heißen: „Zuerst kommt Fressen, shoppen und f……, Kohle machen, fun fun fun haben, dann, äh, die Moral.“ Aber auch das ist falsch.

Denn unter Moral verstehen die meisten so etwas wie ein ehernes Gesetz, was natürlich eine kindische Annahme ist. Analog zu Kierkegaard und dessen „Wahrheit ist Wahrheit für Dich“ muss es lauten „Moral ist Moral für Dich„. Was leicht zu beweisen ist.

Lloyd Blankfein, Chef des Investmenthauses Goldmann-Sachs meinte auch nach der Krise im Brustton der Überzeugung, er und seine Manager vollbringen als Banker die Arbeit Gottes.

Deutsche Bank Chef Ackermann ist vorsichtiger in seinen Äußerungen, macht aber ebenso klar, welche Banker-Moral einzig und allein gelten kann. Zitat:

„Wer sich nicht darauf einstellt, wie die Welt funktioniert, wird niemals erfolgreich sein.“

Für dieses beim braven Volk in letzter Konsequenz nicht verstandene wahre Wort könnte einem der Schweizer-Deutsche mit dem biblischen Namen Josef**  fast sympathisch werden.

Leitkultur als Leitbegriff?

Es wird viel Aufhebens gemacht um den Begriff der Leitkultur.

Leitkultur wird dargestellt als eine Art Oberbegriff. Darin enthalten sind alle gesellschaftlich-kulturellen Komponenten, die den Vorbild-Charakter einer Gesellschaft ausmacht – der unseren -.

Was könnte plausibler klingen als diese Beschreibung von Slavoj Zizek, sehr bekräftigt durch ZEIT-Autor Jörg Lau:

Der Respekt individueller Freiheiten und Rechte, auch auf Kosten von Rechten einzelner Gruppen,
die volle Gleichberechtigung von Frauen,
die Religionsfreiheit (inklusive des Atheismus),
die Freiheit der sexuellen Orientierung,
die Freiheit jeden und alles zu kritisieren,
sind zentrale Bestandteile einer liberalen Leitkultur.

Wenn damit das ganze Bild fertig wäre, würde ich dem Begriff Leitkultur vielleicht etwas abgewinnen können. Aber leider werden entscheidende Dinge ausgeklammert. Dazu gehören zunächst die oben angeführten Taten. Sodann:

Wieviel ist das individuelle Recht auf Meinungsäußerung wert, wenn der Hartz-IV Empfänger sich lauthals über die nochmals nachträgliche 150.000 Euro-Ablösezahlung an den HypoRealEstate-Bankrotteur Funke aufregen darf? Wenn der arbeitslos gewordene langjährige Siemens-Mitarbeiter sehen muss, wie seine Firma einmal mehr Rekordgewinne macht und dagegen ein bisschen protestieren darf?

Wieviel wert ist das Recht auf volle Gleichberechtigung der Frau, wenn eine Leitkultur-Gesellschaft mit sich bringt, dass über eine Million (!) Frauen ihre Kinder alleine erziehen müssen? Das betrifft derzeit fast 20 Prozent aller Kinder unter 18 in Deutschland.

Wie viel ist die Freiheit der sexuellen Orientierung wert, wenn das in der Praxis zwar in Großstädten wie Berlin, Hamburg oder München funktioniert, aber zum Beispiel in Bayern kraft der noch immer eindeutig inhuman-zynischen Bewertung der Katholischen Kirche auf dem Land beinahe unmöglich ist (Bischof Dyba über Homosexualität: „Degeneration“)?

Wie tragfähig ist das Recht auf körperliche Selbstbestimmung, wenn die Katholische Kirche bis heute einen Keil in die Gesellschaft treiben darf, indem sie die Frauen unter den Gläubigen zwingt sich zu entscheiden, ob sie Gläubige sind oder teilnehmen an einem „Holocaust“ (Bischof Mixa über die Abtreibung). Wie wertvoll ist dieses Recht, wenn es dadurch genutzt wird, sich großteils unnötigen Schönheits-OPs im Wert von inzwischen 2 Milliarden Euro zu unterziehen? Womit weitere Frauen und Männer in den Sog des Schönheitswahn geraten.

Wie viel wert ist „Freiheit“, wenn eine „christlich“ geführte Regierung 1984 mit der Einführung des Privatfernsehens den bis dato größten Angriff auf informelle Selbstbestimmung erfolgreich geführt hat? Ein Wunder müßte geschehen, damit die Bürger nicht untergehen in diesem abgrundlosen Infotainment-Morast. Dieses Wunder gab es nicht und wird es nie geben.
Aus „Religion ist Opium fürs Volk“ wurde „Fernsehen ist Valium fürs Volk“. Unablässige Werbung im Fernsehen, Radio, an Plakatwänden, auf Getränkeflaschen sagen den Bürgern, was sie mit ihren „Freiheiten“ machen sollen: Kaufen, total lustiges Fernsehen fernsehen, Spaß haben, gut aussehen („Das bin ich mir wert!“), informiert sein ohne etwas zu verstehen („Somalische Terroristen!“, doch leider wurden die somalischen Fischer von EU-Fangflotten in Existenznöte getrieben), sich gesund ernähren (etwa von dem beliebten leckeren Viktoriabarsch, wobei dadurch im und am Viktoriasee eine ökologische und soziale Katastrophe ersten Ranges  verursacht wurde und wird). Und die Bürger tun das sehr bereitwillig mit ihrer Freiheit.

Die Freiheit bei uns leidet unter Fettleibigkeit – weil sie seit langem ihre Kinder frißt.

Leitkultur ist Tünche

Da sich diese Liste beinahe unendlich fortführen liesse, darf man die Frage stellen, was genau der Hauptzweck von „Leitkultur“ sein soll.

Der Zweck besteht darin – vergleiche den nachfolgenden Beitrag „Definition Terrorismus“ – eine Norm zu setzen.

„Leitkultur“ beschreibt nicht den Zustand unserer Kultur, sondern schreibt ihrem Zustand einen Wert zu:  „Unsere Gesellschaftlich ist eine Leitkultur.“

Wir sind so frei und schreiben uns selbst einen hohen Wert zu (Das gab es übrigens schon in der Kaiserzeit: „Am deutschen Wesen soll die Welt genesen!“). Der Wert wird begründet. Unter Außerachtlassung zahlreicher Aspekte. Die Anderen, so folgt daraus, haben demgegenüber eine schlechtere Kultur. Keine Leitkultur eben.

Das alles scheint suspekt. Was ist die Alternative?

Zum Thema „Wertigkeit von Kultur“ gibt es ein hervorragendes Stück deutsch-jüdischer Literatur.

Es ist Lessings Nathan der Weise mit der darin beinhalteten Ringparabel. Obwohl es darin um den überflüssigen Streit zwischen Islam, Judentum und Christentum geht, lässt sich die Parabel mühelos über die Religion hinaus auf die Frage nach den kulturellen Wertigkeiten der muslimisch / jüdisch / christlich geprägten Kulturen übertragen:

Es strebe von euch jeder um die Wette,
Die Kraft des Steins in seinem Ring an Tag (hier: Die Kraft seiner Kultur)
zu legen! Komme dieser Kraft mit Sanftmut,
mit herzlicher Verträglichkeit, mit Wohltun,
mit innigster Ergebenheit in Gott
zu Hilf! Und wenn sich dann der Steine Kräfte
Bei euern Kindes-Kindeskindern äußern:
So lad ich über tausend tausend Jahre
Sie wiederum vor diesen Stuhl. Da wird
Ein weisrer Mann auf diesem Stuhle sitzen
als ich, und sprechen.

Statt eine andere Kultur zu denunzieren, wie es derzeit allzu viele tun, würde man deutlich kultivierter handeln, wenn man die eigene Kultur auf ihre Tragfähigkeit und – wichtiger – auf ihre Auswirkungen hin überprüfen würde. Statt dessen raunt man sich gegenseitig etwas zu von der kulturellen Bedrohung durch den Islam.

Weil im christlichen Abendland der Sündenbock vielleicht ein heiligeres Tier ist als andernorts, hat auch der bayerische Ministerpräsident Seehofer keinerlei Problem mit entsprechenden Plattitüden:

Wir stehen für eine deutsche Leitkultur.

Der Wertekanon in Deutschland ist christlich orientiert mit jüdischen Wurzeln.

Er ist nicht islamisch geprägt, und das muss auch so bleiben.

Diese „deutsche Leitkultur“ steht nun wie ein Goldenes Kalb in unserer Mitte, und wir und die Populisten unter den Politikern führen darum ihren Tanz auf.

Und wie ist es nun um die Muslime und deren Gefahr für unsere Kultur bestellt?

Scherzhalber meine ich, würde ein Bannstrahl aus dem Koran das gesamte deutsche Privatfernsehen, die Häfte des Öffentlich-Rechtlichen Fernsehens mitsamt BILD, BUNTE & Co. treffen, wäre ein Anfang gemacht, um irgendwann wieder, in ferner Zukunft, von einer deutschen Kulturnation reden zu können.

Im Ernst meine ich, dass sich eine solide Kultur angesichts einer anderen Kultur nicht sorgen muss. Eine nicht solide schon.

Ist damit die muslimische Kultur rundweg in Schutz genommen, schön geredet? Keinesfalls. Vieles von dem oben Gesagten gilt in umgekehrten Sinne für Muslime. Oft hört man von jungen Türken und ihrem Habitus „stolz darauf“ zu sein, Türke zu sein. Was unser Etikett „Leitkultur“ ist, scheint deren „Stolz“ zu sein.

Sicher gibt es in Deutschland vieles, was uns positiv von anderen unterscheidet. Sicher gibt es in der Türkei oder in anderen muslimischen Ländern vieles, was sie positiv von uns unterscheidet. Und hüben wie drüben gibt es leider Vieles, worauf man alles andere als stolz sein kann.

Statt also zu viel Tam Tam mit diesen Etiketten zu betreiben, sollte jede Seite sich mehr um ihre Nöte kümmern.

Die Muslime hierzulande sollten sich beispielsweise um die Ausbildung ihrer Kinder kümmern und ihren Töchtern neben der freiwilligen oder weniger freiwilligen Heirat echte gesellschaftliche Perspektiven bieten. Beide Themenkreise geben wenig Anlass stolz zu sein.

Herr Seehofer:  Schmieren Sie Ihrem Wahlvolk nicht so viel Leitkultur-Honig ums Maul, sondern holen Sie sich lieber Steuerzahlers Milliarden von der Bayerischen Landesbank zurück.

Damit ließe sich viel, sehr viel ganz normale Kultur finanzieren. Günstige Sprachkurse für Ausländer etwa. Es muss nicht gleich Leitkultur sein.

— Schlesinger

* Name geändert
** Josef bedeutet im hebräischen יְהוֹסִיף, yəhossif : „er fügt hinzu“. Wie wahr.