Israelische Diplomatie mit dem Vorschlaghammer

Dass man mit den Palästinensern nicht vernünftig reden kann, weiß man schon lange. In Israel jedenfalls. Dass Ministerpräsident Netanjahu kürzlich den palästinensischen Präsidenten Abbas als seinen „Partner für den Frieden“ nannte, war nur so dahingesagt. Immerhin hörte US Präsident Obama zu. Da ist man gut beraten, etwas Nettes zu sagen über seinen Verhandlungsgegner.

Danny AyalonWeniger zurückhaltend ist der stellvertretende israelische Außenminister Daniel („Danny“) Ayalon. Der hat sich gerade in New York mit dem palästinensischen Ministerpräsidenten Salam Fayyad getroffen, um über Modalitäten israelisch-palästinensischer Finanztransfers zu verhandeln. Das Gespräch verlief nicht so, wie Ayalon es sich gewünscht hat.

Statt zu sagen, dass man zu keinem Ergebnis gekommen sei, hat Ayalon es vorgezogen, Salem Fayyad den schwarzen Peter zuzuschieben. Das Gespräch sei voller Spannungen verlaufen und habe schließlich abrupt geendet, weil sich die Palästinenser nicht auf die Bedingungen eingelassen haben:

We did not reach an agreement because the Palestinians did not agree to the terms of a two-state solution

Ayalon hat daraufhin die urspünglich geplante gemeinsame Pressekonferenz kurzerhand abgesagt.

Nun stellt sich heraus, dass die Verhandlungen etwas anders verlaufen sind. Der norwegische Leiter dieser Gespräche, Ragnhild Imerslund, der zuhause der Sprecher des norwegischen Außenministers ist, korrigierte Ayalon, indem er den Gesprächsverlauf als ganz normal darstellte. Im übrigen habe es auch keinen „abrupten Abbruch“ gegeben.

Was solls, sagt sich die israelische Seite. Die Norweger, so ließ ein Vertrauter Ayalons verlauten, können sagen was sie wollen.

Wundern darf man sich über diese Diplomatie mit dem Vorschlaghammer freilich nicht.

Herr Ayalon reüssierte unter dem damaligen Ministerpäsidenten Ariel Scharon zum israelischen Botschafter in den USA.

Seit 2008 ist er Mitglied in der Partei Israel Beitenu („Unser Haus Israel“), der Partei seines Chefs im Außenministerium, Avigdor Lieberman. Sie wissen schon, der Lieberman, dessen bevorzugte Lösung des Palästinenserproblems in einem „Tansfer“ besteht, womit nichts anderes gemeint ist als die ethnische Säuberung Palästinas von den Arabern.

Ach ja, und Ayalon ist der Diplomat, der vor nicht langer Zeit den türkischen Botschafter einbestellt hatte und seine Leute unmittelbar vor der Besprechung anwies dafür zu sorgen – in Anwesenheit von Medienleuten – dass der Türke auf einem niedrigen Sofa sitzen solle. Auf den entsprechenden Bildern hat das entsprechend unangenehm ausgesehen für den Botschafter Ankaras. Es hat anschliessend für einen Eklat gesorgt und die zuvor deutlich verbesserten Beziehungen zwischen der Türkei und Jerusalem spürbar eingetrübt.

Gerade hat die UN ihren Untersuchungsbericht über den Gaza-Flotillen-Vorfall präsentiert. Ayalon hat ihn als „niederträchige Lüge von Anfang bis zum Schluß“ bezeichnet.

Wie geht das alte Sprichwort? Wer nur einen Hammer hat, dem wird alles zum Nagel. Wäre Daniel Ayalon ein Wrestler wäre sein Kampfname „Danny the stealhammer“.

— Schlesinger

Photo: Robert D. Ward / US Gov. (Wiki CC)