Yalla! Arabischunterricht an Israels Grundschulen

Im September beginnt in Israel das neue Schuljahr. An zunächst 170 Grundschulen werden die Fünft- und Sechstklässler wöchentlich zwei Stunden arabisch büffeln. Das neue Unterrichtsfach ist Pflicht. Lediglich religiös geführte Schulen sind davon ausgenommen.

Obwohl arabisch offiziell zweite Amtssprache in Israel ist, gab es bislang keinen verbindlichen arabischen Sprachunterricht. Zwar wurden in den vergangenen Jahren zunehmend Sprachstunden angeboten, aber nur als Wahlfächer. Fremdsprache Nummer eins ist natürlich englisch, das oft schon ab der ersten Klasse gelehrt wird.

Gute Erfahrungen mit Arabischunterricht hat man schon bisher vor allem in Haifa im Norden Israels gemacht, wo ein großer Bevölkerungsteil arabisch ist.

Dr. Shlomo Alon, der im Erziehungsministerium für dieses Programm zuständig ist, führt dazu aus:

This offers two major benefits.

Firstly, it provides jobs for Arab teachers. The Arab school system is overflowing with teachers, and this helps ease the pressure.

And secondly, we believe that by introducing teachers who come from the Arab community into Jewish schools, it will help bridge the gap [Kluft überwinden] between the people.

Der für Minderheiten zuständige Minister Avishai Braverman ergänzt:

I think it should be adopted nationwide.

Every young person who lives in Israel should know how to communicate in Arabic.

Selbstverständlich gehen die Meinungen zu diesem Programm auseinander. Ein geharnischter Kommentator auf der Jerusalem Post meint:

How many palestinian children are learning Hebrew in Palestinian schools? Are the Palestinians teaching their children to coexist? Hebrew isn’t necessary in any Arab state. Why? All the Jews were killed or expelled [ausgewiesen]. Only Israel is suicidal and allows a fifth column [„Fünfte Kolonne“, d.h. Agenten] within its borders.

Ich denke dieser Sprachunterricht ist eine gute Sache. Denn unabhängig von denAbsichten, die damit verbunden sind – den offiziell verlautbarten und den vielleicht inoffiziell zugrundeliegenden – kann das Ergebnis letztlich nicht gesteuert werden.

Viele Tausend Kinder werden arabisch lernen und jedes von ihnen wird die Sprachkenntnisse auf seine Weise nutzen. Mit den Nachbarn reden zu können ist die Grundlage dafür, ihn besser kennen zu lernen.

Politisch gewendet: Die Voraussetzung für Verständigung ist, dass man sich sich verständigen kann.

Yalla!

— Schlesinger

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