George F. Will: Israels Propagandist bei der Washington Post

George F. Will
George F. Will

Der bekannte Kolumnist George F. Will von der Washington Post ist in Sachen Israel leider nur noch als Meinungsmacher zugunsten Israels unterwegs.

Wie sein aktueller Beitrag zeigt, macht er entweder seine Hausaufgaben als Journalist nicht, wozu in erster Linie eine gründliche Recherche gehört, oder – wahrscheinlicher – es interessiert ihn gar nicht. Das aber ist eine Absage an den Journalismus.

Mit Blick auf die anstehende neue Verhandlungsrunde zwischen Palästinensern und Israelis warnt Will eindringlich vor jenen, die Israel zu Zugeständnissen auffordern. Das seit langem anerkannte Prinzip „Land für Frieden“ hält Will für brandgefährlich.

Sein Beitrag beginnt mit einer äußerst einseitigen Erinnerung an die Zweite Intifada, gefolgt von psychologischer Kriegführung gegen Obama:

In the intifada that began in 2000, Palestinian terrorism killed more than 1,000 Israelis.

As a portion of U.S. population, that would be 42,000, approaching the toll of America’s eight years in Vietnam.

During the onslaught, which began 10 Septembers ago, Israeli parents sending two children to a school would put them on separate buses to decrease the chance that neither would return for dinner.

Surely most Americans can imagine, even if their tone-deaf leaders cannot, how grating it is when those leaders lecture Israel on the need to take „risks for peace.“

So einfach kann die Welt sein, wenn man sie aus den kurzsichtigen Augen eines George F. Will betrachtet:

Der Himmel vor dem Jahr 2000 war blau, es herrschte Frieden in ganz Palästina. Der seit 1993 laufende Oslo-Prozeß wurde seitens Israel strengstens eingehalten. Gebiete wurden wie vereinbart an die Palästinenser zurück gegeben. Der Siedlungsbau kam nicht nur zum Erliegen, sondern Siedlungen wurden aufgehoben. E s gab keine Zerstückelung arabischen Lands mehr. Willkürliche Massenverhaftungen waren höchstens blasse Erinnerungen an schlechtere Zeiten. An die vielen Hundert Straßensperren konnte sich niemand mehr erinnern. [Streiche alles, setze das Gegenteil].

Der ewig perfide Araber

Und trotz all dem, suggeriert Will, lösen die perfiden, hinterhältigen Araber vermutlich aus schierer Verruchtheit die Intifada aus. Töten Israelis, weil sie das am liebsten tun. Und die Israelis, erinnert uns George F. Will im weiteren, Benjamin Netanjahu allen voran!, wollen doch nicht sehnlicher als Frieden.

Daher gibt es gar keinen Grund für Israel, sich auf die Grenzen von 1967 zurück zu ziehen, meint Will warnend. Zumal das Land so klein sei, dass es auf „strategische Tiefe“ keinesfalls verzichten dürfe. Ach, Will, dieses Argument ist spätestens seit 20 Jahren hinfällig, als die Scud-Raketen  des Saddam Hussein in Tel Aviv einschlugen. Ungeachtet dessen kommt Mr. Will zum Fazit: Schluß mit dem Gerede, Israel müsse Risiken für den Frieden eingehen. (Wie ist das übrigens zu verstehen: „Frieden ohne Risiken“. Garantien von Gottes halber?)

George F. Will ist ein gefährlicher Mann.

Er betreibt vorsätzliche Desinformation und Verzerrung von Zusammenhängen um seiner politischen Ansichten halber.

Denn wie sonst kann man seinen Beitrag werten, wenn er die allem zugrunde liegende Tatsache unterschlägt, dass der Krieg von 1967, der zur Besetzung der Westbank, Gazas, des Sinai und der Golanhöhen geführt hat, von Israel begonnen wurde.

Es ist eine grobe Täuschung,  wenn Will annimmt, dass er der israelischen Seite damit einen Gefallen erweist. Sicher: Man wird seinen Beitrag in Jerusalem mit Wohlgefallen lesen. Ob es den Verhandlungen und einem Frieden dient? Man darf es stark bezweifeln. Willkürliche, einseitig verzerrende Darstellungen haben einer Verhandlung noch nie genutzt.

Hätte Will seinen Beitrag ungefähr damit begonnen:

Nach dem Zusammenbruch der Verhandlungen von Camp David im Jahr 2000, verursacht durch einen ängstlichen Premierminister Ehud Barak und einen Palästinenserpräsidenten Yassir Arafat, der aufgrund der vorangegangenen israelischen Brüche der Wye- und Sharm-el-Sheik Abkommen nicht weiter kompromißwillig war, sowie durch eine einseitig pro-israelische Verhandlungsführung unter Bill Clinton waren die Spannungen auf palästinensischer Seite nach sieben erfolglosen Jahren des sogenannten „Oslo-Prozesses“ drastisch gestiegen. Die als „Besuch“ deklarierte Besteigung des Tempelberges durch Oppositionsführer Ariel Scharon löste die Zweite Intifada aus, in deren Folge …. etc.pp.

Und hätte Will nicht unterschlagen, wer den Krieg begonnen hat, der den Nahen Osten so grundlegend veränderte…

Hätte.

Shame on you, George F. Will. You no longer deserve to call yourself a journalist.

— Schlesinger

Photo: Scott Ableman (Wiki CC)