Anklagen gegen die Deutsche Bank

USA

  • Die Aufsichtsbehörde FINRA verhängt ein Bußgeld gegen die Deutsche Bank:
    „Am Donnerstag gab außerdem die Aufsichtsbehörde FINRA in New York bekannt, sie habe gegen Deutsche Bank Securities LLC ein Bußgeld von 575.000 Dollar (umgerechnet 460.000 Euro) wegen systematischer Regelverstöße im Zusammenhang mit Leerverkäufen verhängt. Die US-Wertpapiertochter der Deutschen Bank habe regelwidrig sogenannte ungedeckte Leerverkäufe ermöglicht. Bei dieser riskanten Handelsstrategie verkauft ein Marktteilnehmer Wertpapiere, die er nicht hat, ohne zu wissen, wo er sie sich leihen kann. Solche Transaktionen können Kursbewegungen an den Börsen beschleunigen und außer Kontrolle geraten lassen.“
    (Mai 2010, Bericht Reuters)
  • Die amerikanische Börsenaufsicht SEC verklagt die Deutsche Bank wegen Insidergeschäften.
    Der Gewinn  aus diesem einen unlauteren Geschäft soll dem Fondsmanager  der Deutschen Bank 1,2 Millionen Dollar eingebracht haben.
    (April 2010, Bericht Wall Street Journal)
  • Die Federal Home Loan Bank verklagt unter anderem die Deutsche Bank wegen Täuschung beim Abschluss von Handelsgeschäften mit Hypotheken-besicherten Wertpapieren. Streitwert: 19 Milliarden Dollar.
    „The bank’s complaints allege that the dealers [Deutsche Bank] made untrue or misleading statements about the characteristics of the mortgage loans underlying the securities“
    (März 2010, Bericht Bloomberg Businessweek)
  • Die Deutsche Bank ist einer Untersuchung zufolge in 50 Prozent aller Anzeigen wegen Betrugs mit Hypothekenpapieren die Angeklagte:
    „Deutsche Bank is named as the trustee on nearly 50 percent of the fraud investigations we have done in the past six months […] In many of these cases, it appears that Deutsche Bank management gave their approval to buy a lot of worthless paper on the secondary market.“
    (Februar 2009, Real Estate Channel)
  • Unsaubere Geschäfte scheinen Tradition zu haben bei der Deutschen Bank. Schon beim berüchtigten ENRON-Skandal (2002) wurde die Deutsche Bank von der Universität von Kalifornien (UCLA) wegen Betrugs angeklagt. Sie habe zusammen mit anderen Geldhäusern aktiv dazu beigetragen, den Marktwert von ENRON künstlich nach oben getrieben  und die Anleger vorsätzlich getäuscht zu haben:

These prestigious banks and law firms used their skills and their professional reputation to help Enron executives shore up the company’s stock price and create a false appearance of financial strength and profitability which fooled the public into investing billions of dollars.

Instead of protecting the public from the Enron fraud, the bankers knowingly chose to become partners in deceit.

Italien

  • Deutsche Bank, JP Morgan, USB und Hypo Real Estate werden wegen Betrugs bei Derivate /  Swap-Geschäften angeklagt, die mit der Stadt Mailand abgeschlossen wurden.
    Streitwert 2,3 Milliarden Dollar.
    (März 2010, Bericht New York Times, Bloomberg)

Deutschland

  • Anklage gegen die Deutsche Bank wegen Untreue in einem besonders schweren Fall
    Beim Verkauf der deutschen Mannesmann-AG an die britische Vodafone im Jahr 2000 wurden aus dem Vermögen von Mannesmann sage und schreibe 57 Millionen Euro an Prämien für die scheidenen Vorstände bezahlt (u.a. den Vorsitzenden Klaus Esser). Das musste durch den Aufsichtsrat gebilligt werden. Im Aufsichtsrat: Dr. Josef Ackermann.
    (September 2003, Bericht Wirtschaftswoche)

Die Anklage der Universität von Kalifornien könnte man als Motto der Deutschen Bank verallgemeinert so formulieren:

Diese prestigeträchtige Bank nutzt ihr Wissen und ihren guten Ruf, um ein Publikum zu täuschen, damit es Milliarden investiert.

Statt die Kunden vor Betrug zu schützen, werden ihre Banker wissentlich Partner in der Täuschung ihrer Kunden.

Man könnte nun Herrn Ackermann in Schutz nehmen und ihm zugute halten, dass er kaum von den Verfehlungen einzelner Manager etwas wissen könne und sie bestimmt nicht gut heissen würde. Das stimmt zweifelsfrei. Und doch könnte nichts mehr am entscheidenden Punkt vorbei gehen.

Wer wie Herr Ackermann als Gewinnmaximierung als oberstes Prinzip nicht nur vorgibt, sondern – wie hinlänglich bekannt – im Bankenalltag durch das Mittel der „Zielvereinbarungen“ rücksichtslos umsetzen lässt, muss wissen, dass gewisse Umsatzziele mit herkömmlichen, sauberen Mitteln nicht mehr zu erreichen sind.

Mit anderen Worten: Ackermann will von Betrug nichts wissen, aber weiß, dass er ihn insgeheim befördert. Das ist hinterhältig und hinsichtlich der Wertung noch verwerflicher als die Tat desjenigen, der illegale Geschäfte selbst praktiziert. Denn der unmittelbare Täter muss damit rechnen, dass er seinen Kopf dafür hinhalten muss.

Dr. Josef Ackermann nicht, er kann sich immer mit Nicht-Wissen herausreden.

Hoffentlich nicht auf ewig.

— Schlesinger

PS.: Hinweise auf weitere Anklagen / Prozesse sind willkommen

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3 Comments

  1. Ackermann kriegt man nicht dran, wetten? „So marschiert Ackermann nach etwas mehr als einer halben Stunde Vernehmung wieder aus dem Gerichtssaal. Er scheint wieder einmal alles richtig gemacht zu haben – wie so oft in dieser Krise. Die Deutsche Bank kam unter seiner Ägide ohne Staatshilfe durch die Turbulenzen und verdient schon wieder sattes Geld. Und während andere Banken auf Milliardenanleihen des Krisenstaates Griechenlandes sitzen, sind die Bestände in Ackermanns Haus nach eigener Aussage „sehr begrenzt“. Nun scheint auch der IKB-Skandal an dem raffinierten Banker folgenlos abzuprallen.“

  2. Ist doch witzig wenn die Betrüger selber betrogen werden. Der ganove Madoff hat mit seinem schneeballsystem auch die Deutsche Bank gelinkt: Im Madoff-Betrugsskandal hat ein New Yorker Gericht jetzt eine Liste mit tausenden Kunden des Ex-Brokers veröffentlicht. Auf der Liste tauchen auch die Namen deutscher Institute auf. Mit dabei: die Deutsche Bank, die Commerzbank, die Dresdner Bank und auch die angeschlagene Bayerische Landesbank.

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