Iranische Opposition wechselt Strategie

Lebensmüde wäre der, der sich in Teheran auch jetzt noch auf die Straßen begeben und sich den Basijiis, den „Barfüßigen“, kurzum: den Schlägermilizen Ahmadinedschads in den Weg stellen würde.

Nach ersten Mußtmaßungen, ob die Unruhen damit endgültig erstickt worden sind, scheinen sich hinter den Kulissen andere, geschmeidigere Aktivitäten abzuspielen.

Ziviler Ungehorsam statt gewaltsamer Widerstand

Offenbar verlagert sich der Widerstand gegen das Regime Ahmadinedschads auf die klassischen Bereiche zivilen Ungehorsams, denen durch staatliche Repressionen weniger gut beizukommen ist:

Abzug von Vermögen aus staatseigenen Banken; Transfer von Vermögen ins Ausland; Kaufverweigerung von Gütern, deren Verkauf von staatlichem Interesse ist; Verkauf von Staatsanleihen u.a.m.

Nach langen Jahren halbdiktatorischer Regimes haben die Iraner, zumal die jungen Iraner möglicherweise gelernt, dass man mit gewalttätigem Widerstand weniger weit kommt als mit feineren Methoden.

Trotz scharfer Kritik und unverhüllten Drohungen seitens regierungstreuer Instanzen hält sich Oppositionsführer Moussawi nicht zurück.

Immerhin wird er nach wie mehr oder weniger offen unterstützt von den ehemaligen Präsidenten Rafsandschani und Khatami, oder dem Teheraner Oberbürgermeister Mohammed Baqer Qalibaf.

Unter diesen Voraussetzungen können sich Ahmadinedschad und Revolutionsführer Chameini kaum erlauben, Moussawi hinter Gitter zu bringen.

— Schlesinger

(Photo: .faramarz)