FAZ: Angela Merkel ist eine Opportunistin

Bemerkenswert. Die konservative Frankfurter Allgemeine Zeitung kritisiert Frau Merkel nicht, sondern zieht über sie her.

Das ist neu.

Rainer Hank schreibt:

Nur immer der Stimmung nach.

Darin macht der Kanzlerin so leicht niemand etwas vor.

Prinzipien kennt Angela Merkel nur, wenn sie ihr nützen.

Sollte sich die Stimmung ändern, nimmt sie sich eben neue Prinzipien.

Oder zur Abwechslung mal gar keine.

Eben immer nur der Stimmung nach.

Denn das dient dem Erhalt der Macht.

Wow.

Worum gehts? Um ihre Positionswechsel in Sachen US Finanzkrise. Zuerst alles auf Wolke Sieben, dann die USA in Grund und Boden verdammen, weil es hierzulande gut ankommt. Womit Rainer Hank verdammt recht hat.

Da es gerade etwas knifflig wird auf den Finanzmärkten und die Wähler gerne ein Machtwort (Wörtchen) hören möchten, spricht sie für ihre Verhältnisse erbost von einer „Teilschuld“ der USA und ergänzt:

„Und das muss man sich dann unter Freunden auch sagen können.“

Geht doch, Frau Bundeskanzlerin.

Flip-Flop…

Noch vor wenigen Tagen erläuterte Merkels Finanzminister Steinbrück die (überschaubaren) Auswirkungen der Finanzkrise für Deutschland:

„Weil die Verhältnisse bei uns anders sind, ist ein ähnliches Programm [wie die Rettungsaktion inn den USA] in Deutschland oder Europa weder notwendig noch sinnvoll.“

Nun kippt mit der HypeReal einer der großen deutschen Hypothekenbanken weg und was geschieht – eine Bundesbürgschaft muss herhalten.

„Mehrere deutsche Finanzkonzerne hatten der Hypo Real Estate (HRE) kurz- und mittelfristige Darlehen „über mehrere Milliarden Euro“ gewährt.

Die Bundesregierung bürgt für diese Darlehen mit […] 35 Milliarden Euro.

Es ist „nur eine Bürgschaft“, wird versichert. Blödsinn. Das ist nur ein Spiel über Bande. Stünde es nicht so schlecht um die Werte der Hypo, würde auch keine Bürgschaft gebraucht. Der Bund wird zahlen müssen, und damit – wir.

Die Beteuerungen von Frau Merkel waren nur leeres Geschwätz, das den Groll der Bürger auf die Amerikaner lenken sollte. Wurden die Manager der HypoReal, der IKB, der Sächsischen Landesbank, der BayernLB oder anderer Banken vielleicht gezwungen, amerikanische Immobilien-Schrottanleihen zu kaufen? Nein. Bei uns herrscht bloß dieselbe Gier wie andernorts. Das will unsere Wendehals-Kanzlerin aber ihren lieben Wählern nicht so direkt sagen, sondern versaut sie es sich mit den Wirtschaftsmanagern.

Schade, dass Bundeskanzler Merkel nur dann Widerspruch einlegt, wenn es gerade en vogue ist. Hätte sie – um nur ein weiteres Beispiel zu nennen – mal einen winzigen Kommentar zum Thema Guantanamo von sich gegeben, als sie letztes Jahr zum Grillfest bei Bush war. Unter Freunden ginge das nämlich. War aber nicht opportun.

Ich will ja nicht zu denen gehören, die hinterher immer klüger sind. Aber das mit dem Opportunismus, das war mein erster Kommentar nach den Wahlen. Die Frau hat von Kohl nur eines gelernt. Dessen Spezialität. Aber das richtig. Nein, nicht wie man einen Pfälzer Saumagen zubereitet und 5 Portionen davon verspeist, sondern wie man das Machtgefüge um sich herum stricken muss, dass es einen möglichst lange trägt.

Daher sind in der CDU Führung heute ebenso viele Nullen wie unter Kanzler Kohl (siehe Leichtmatrosen wie Pofalla, Klaeden etc.pp.).

Apropos echte Leichtmatrosen (= Wort des Jahres von Gerhard Schröder über die FDP): Die von der FDP dürfen jetzt wohl in Bayern mitmischen. Das haben sich die Guido-Jungs von der Besserverdiener-Spaßpartei aber auch redlich verdient, nicht wahr?

Jetzt siehts für die Bayern sehr danach aus, als würden die vom Regen in die Traufe kommen.

Das klingt alles irgendwie lustig, ist es aber nicht. Gar nicht.

— Bigdaddy

(Photo: Weltwirtschaftsforum, Flickr CC)