Jimmy Carter über israelische Apartheidspolitik

In der bekannten US Sendung „Hardball“, die vom großen Sender MSNBC ausgestrahlt wird, stellte der frühere Präsident Jimmy Carter vor einiger Zeit sein Israel-Buch „PEACE AND NOT APARTHEID“ vor. Aufgrund der anhaltenden Aktualität hier nochmals zu sehen:

Auszugsweises Transcript mit Übersetzungshilfe:

Carter:
Peace and not apartheid, thats what I hope to accomplish [erreichen] with this book.

Situation in der Westbank ein entsetzlicher Fall von Apartheid

But there is no doubt that within the occupied territories [dass in den besetzten Gebieten], the palestianian land, there is a horrendous example of apartheid [ein entsetzliches beispiel für Apartheid vorliegt].

The occupation of palestinian land, and the confiscation [Beschlagnahme] of that land, that does not belong to Israel, the building of settlements on it [die Errichtung von Siedlungen], the colonisation of this land, and then the connection of those isolated but multiple settlements, roughly 200 of them, by highways, on which Palestinians can’t travel and which Palestinians cannot even cross …

… so, the prosecution [Verfolgung] of the Palestinians now within the occupied territories is one of the worst examples of human rights deprivation that I know [eine der schlimmsten Fälle von Verweigerung von Menschenrechten, die ich kenne].

Q.: … Even worse than a place like Ruanda?

Carter: I am not going back in the ancient history of Ruanda but right now, the prosecution of the Palstinian people is one of the worst human rights abuse [ Menschenrechtsverletzung] …

What is beeing done to the Palestinian people is horrendous: In their own territory, by the occupying powers, which is Israel, taking away all the basic human rights as was done in South Africa with the Blacks.

Apartheid wegen Landraub

This apartheid is not based on racism as it was in South Africa, but is based on the desire of a minority of Israelis to acquire the land that belongs to the Palestinians
[Diese Apartheid basiert nicht auf Rassismus, wie dies in Südafrika der Fall war, sondern auf dem Wunsch einer Minderheit von Israelis – den Siedlern – das den Palästinensern gehörige Land an sich zu nehmen].

… and to retain that land, they exclude the Palestinians from their own property, and subjugate them [und unterwerfen sie], so they can’t arouse and demonstrate their disapproval of beeing robbed of their own property [so dass sie sich nicht erheben können und ihre Ablehnung zum Ausdruck bringen können, ihr Landund ihren Besitz gestohlen zu bekommen].

That is what is happening in the Westbank.

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Carter macht dann darauf aufmerksam, dass dieses gesamte Thema in den USA nicht bekannt sei und auch
nicht diskutiert werde. Ganz im Gegensatz dazu gebe es in Israel eine lebendige Auseinandersetzung über die in seinem Buch vertretenen Thesen.

Jimmy Carter ist ein rechtschaffener Mann, der Ungerechtigkeit auch dann benennt, wenn sie so gar nicht in das politische Gefüge seines Landes (und unseres Landes) passen will.

Deutschland ist treu und schweigt

Bei ihrem Israel-Besuch im März diesen Jahres bekräftigte Bundeskanzlerin Merkel die Bande zwischen Deutschland und Israel, was sehr zu begrüßen ist, da zweifelsfrei feststeht, dass beide Länder keineswegs nur durch den Holocaust, sondern auch ähnlich gelagerte Interessen in kultureller, ökonomischer und politischer Sicht verbunden sind.

Diese Treue und Freundschaft muss, MUSS aber dort ihre Grenze haben, wo es um grundlegende Menschenrechte geht.

Kanzlerin Merkel sagte in Israel ausdrücklich, sie empfinde die ihr und Deutschland erwiesenen Ehren als „Verpflichtung“ dafür zu sorgen, dass Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Anstisemitismus in Deutschland und Europa keinen Platz mehr finden dürfen.

Was anderes heißt das als: „Wir dulden keine Mißachtung grundlegender Menschenrechte“.

Und dennoch schweigt die Bundesregierung zu den offenkundigen, exorbitanten Menschenrechtsverletzungen, die durch israelische Siedler und die sie schützende Armee in der Westbank begangen werden.

So kann sich ein israelischer Ministerpräsident Olmert der deutschen Nibelungentreue – schon wieder diese deutsche Treue! – sicher sein und offiziell verlauten lassen:

„I wish to take this opportunity to thank you, Chancellor Merkel, from the bottom of my heart, for the unique friendship, the profound understanding of the political and security needs of the State of Israel and the unshakable commitment of both Germany as a whole and you personally to Israel’s security.

Diese Formulierung ist kein Zufall: Die unerschütterliche Verpflichtung Deutschlands, zur Sicherheit Israels zu stehen.

Die Sicherheit Israels definiert selbstverständlich nur einer:
Israel.

Und wenn die Sicherheit Israels ein monströses
Apartheidsregime erfordert, so steht Deutschland auch dazu.

In Treue fest. Fast wie früher.

— Schlesinger

PS.: Wo sind eigentlich die kritischen arabischen Stimmen, die sich mit den Mißständen in ihren Ländern auseinandersetzen? Sind Hamas und Hizbollah für jeden (palästinensischen) Muslim heilige Institutionen? Wer hätte je auf einem arabischen Blog (in westlichen Ländern) Worte der Kritik an den arabischen Verhältnissen gehört? Mein Eindruck ist: Diese Schreiber nähren sich ganz überwiegend an der westlichen Presse- und Meinungsfreiheit. An deren Adresse: Kritik im westlichen Sinn ist für die gedacht, die mit freier Kritik umgehen können, nicht für die, die sie bloß als Kampfmittel oder Agitation verwenden wollen.
Für Hinweise auf ausgewogene arabische Seiten (auf dt. / eng.) wäre ich dankbar!