Ansehen der USA auf neuem Tief in Arabien

Trotz jüngster amerikanischer Bemühungen um einen israelisch-palästinensischen Frieden ist das Ansehen der USA in arabischen Ländern auf einem Tief angelangt, wie aktuelle Umfragen von Zogby ergeben.

64 Prozent der 4000 Befragten in Ägypten, Marokko, Jordanien, Libanon, Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten gaben an, sie hätten eine „sehr unvorteilhafte Ansicht“ („very unfavourable“) auf die USA.
Vor zwei Jahren lag dieser Wert noch bei 57 Prozent.

Demgegenüber befürworten die meisten die Bemühungen des Iran bei dessem Atomprogramm (67%).

Erstaunliche drei Viertel der befragten Saudis gaben sogar an, ein Atomwaffenbesitz des Iran hätte einen günstigen Einfluß auf die Region.

Furcht vor den USA und Israel

Auf die Frage, welche zwei Länder als größte Bedrohung angesehen würden, gaben 95% die USA und 88% Israel an.

Hizbollah-Chef Nasrallah in höchstem Ansehen

Die Frage nach dem angesehendsten ausländischen Führer wurde am häufigsten mit dem Namens des Führers der schiitischen Hizbollah, Scheich Hassan Nasrallah, geantwortet.

Barack Obama relativ günstig bewertet

Von den Präsidentschaftskandidaten wurde Obama am günstigsten bewertet, obgleich viele angaben, den Wahlkampf in den USA nicht zu verfolgen oder sich von dessen Ergebnis nichts zu versprechen.

Eine allgemeine Korrektur ist bei derartigen Umfragen zu berücksichtigen.

Es gilt der Unterschied zwischen geäußerter Meinung und tatsächlicher Meinung. Auch hierzulande wird oft über „die Amis“ gescholten, ohne dass das Land damit in letzter Instanz abgewertet werden soll (notorische USA-Kritiker ausgenommen). Noch pointierter, aber dennoch mit einem Restbehalt an Sympathie, wird arabische Kritik an den USA geäußert. Das beste Beispiel ist der Iran mit seiner Differenz zwischen öffentlicher Haltung gegenüber „dem großen Satan“ und der in der Bevölkerung weitaus günstigeren Meinung.

Wäre es anders, würden sich arabische Studenten nicht regelmäßig um Stipendien in den USA bemühen, wie zuletzt die berechtigte Empörung gezeigt hat, als palästinenensischen Studenten seitens Israel verweigert wurde, ihre Fulbright-Stipendien anzutreten.

BBC-Umfrage verweist auf verbesserte Werte

In einer großen Umfrage kam die BBC zu abweichenden Ergebnissen und berichtet von günstigeren Werten für die USA. Allerdings handelte es sich um andere Fragestellungen. Dabei ging es nicht um die eigene Haltung („Attitude“) gegenüber den USA, sondern um die Bewertung des „Einfluß“ („influence“) der jeweiligen Länder.

Fast übereinstimend sind die Positiv-Werte, da auch in den BBC-Umfrage 35% den USA einen günstigen Wert zugesprochen haben. Das ist der korrespondierende Wert zu den 64% Negativ-Punkten aus der zuvor genannten Umfrage. Allerdings gaben in der BBC-Umfrage 18% an, sie könnten keine Aussage treffen.

In der BBC-Umfrage wurde festgestellt, dass sich das Ansehen der USA in den Ländern Libanon, Kanada und Ägypten verschlechtert habe. Völlig konträr zur Zogby-Umfrage fallen die Auswertungen zum Iran aus, für den fast so ungünstige Werte wie für die USA ermittelt wurden.

Übrigens: Unangefochtener Sieger ist Deutschland mit hervorragenden 56% Zustimmung.

— Schlesinger

(Photo: ManilaRyce)

Helga Baumgarten lehrt Politikwissenschaft an der palästinensischen Birzeit Universität: