Bill O'Reilly, Halle Berry und Barack Obama

In unserem Nachruf über den verstorbenen Konservativen William F. Buckley wurde betont, dass Buckley trotz aller Schärfe im Ton ein leidenschaftlicher Freund der Argumente war. Und dass er sich darin von vielen, vielleicht der meisten der heutigen konservativen Meinungsmacher unterschied.bill_oreilly.jpg

Ein Blick auf die aktuelle Homepage von Bill O’Reilly soll einen Eindruck davon vermitteln, was damit gemeint ist.halle_berry.jpg

Heute zum Beispiel gibt es den Vorschlag O’Reillys, den Blödmann („pinhead“) des Tages zu wählen.
Zur Wahl steht die Schauspielerin Halle Berry.
Als Begründung wird angegeben, sie mache mit der „radikalen Gruppierung“ MoveOn.org gemeinsame Sache in der Unterstützung von Barack Obama.

Sicher: Aus Sicht eines Erzkonservativen ist die Bürgerrechtsbewegung MoveOn so etwas wie eine radikale Bewegung. Schließlich vertreten jene so abwegige Dinge wie „Gegen den Völkermord in Darfour„, „Gegen die Nominierung des Falken John Bolton als US Botschafter bei den Vereinten Nationen“ oder „Gegen weitere Kürzungen der Ausgaben im Gesundheitsprogramm“.arianna_huffington.jpg
Aktuell wirbt MoveOn für Barack Obama, was die Sache aus Sicht O’Reillys nicht gerade besser macht.

Zur Zeit wirft O’Reilly nach Kräften mit Schlamm gegen die Herausgeberin der großen liberalen Onlinezeitung Huffington Post, Arianna Huffington (s. Bild).
Grund der Attacke: Zum Huffington-Bericht über den Unfall von Nancy Reagan, der Witwe des früheren Präsidenten Ronald Reagan, gaben ein oder einige Kommentatoren absolut inakzeptable Kommentare ab. Gewiß ist es ein Fehler, wenn derartige Kommentare von den Prüfern der Kommentare übersehen werden. Man muss dazu sagen, dass zu manchen Artikeln der Huffington Tausende (!) Onlinekommentare abgegeben werden. Hier dürfte es ein triviales Logistikproblem geben, Herr über die Qualität der Kommentare zu werden.

So nachsichtig geht ein Kaliber wie O’Reilly natürlich nicht vor. Er nutzt diese Kommentare – nicht den Bericht selbst, wohlgemerkt -, als hätte Frau Huffington sie höchstpersönlich verfasst. Dann geht es sogleich ins Extrem. Extrem hat er sich nicht nur selbst geäußert, sondern lässt auch mit Genuß seine Leser-Bulldoggen von der Leine, um seine eigenen Kommentare nachgekläfft zu bekommen. Das hört sich dann so an:

Jeanne DuVall, Park Ridge, NJ: „Mr. O’Reilly, I agree that Arianna Huffington is no better than the Klan or the Nazis in her tactics. What she allowed concerning Nancy Reagan is absolutely reprehensible.“ [ Mit Klan ist natürlich der Ku-Klux-Klan gemeint; O’Reilly hatte Arianna Huffington zuvor mit Hitler und dem KKK verglichen.]

Sarah Jones, Sea Isle City, NJ: „Bill, the analogy between the Nazis and Huffington was weak.“ [Klar: Arianna ist schlimmer als die Nazis und der KKK. Wer konnte je daran zweifeln. Man sieht den Geifer schon herabtriefen, schauderhaft …]

Dr. Robert Turner, Bend, OR: „Disgrace is earned. Arianna Huffington humiliated herself, not Nancy Reagan.“ [ Oh, der Herr Doktor formuliert aber fein im Sinne von ‚Schande über sie‘ ]

Findlay Osborn, Bunbury, Australia: „Mr. O, I couldn’t agree with you more about Huffington. She might as well be wearing a white hood.“ [ Arianna könnte also genauso gut einen weißen Spitzhut tragen = Mitglied des Ku Klux Klan sein ]

Irgendwie erscheint mir die BILD seit neuestem mit güldenem Flor umkränzt….

— Schlesinger

( Photos: Halle Berry: Wikipedia / Bill O'Reilly: Wikipedia,
  beide CC License, Ausschnitt Buchtitel v. AH )