Angela Merkel, Freundin von Al Gore und des ADAC

Im kabarettistischen Jahresrückblick 2007 auf Bayern 3 gab Urban Priol zum Besten, man habe nun in wissenschaftlichen Untersuchungen heraus gefunden, warum die Kanzlerin so gute Umfragewerte habe: Man bringe sie nicht mit Politik in Verbindung. Im weiteren Verlauf seines herausragenden Rückblicks machte Priol klar, was er von der Kanzlerin hält. Wenig, um es kurz zu machen. Warum? Weil sie die fragwürdige Kunst beherrsche, auf wundersame Weise unanreifbar zu bleiben, alles offen, in der Schwebe und kontrastlos zu halten.

Uns allen ist ihre Vorreiterrolle – oder sollte man zurückhaltender Vorsprecherrolle? – in Erinnerung, mit der sie im Vorfeld und während des G8-Gipfel in Heiligendamm die USA zu Zugeständnisses beim Klimaschutz bewegen wollte und wenigstens rhetorisch auch bewegt hat?

Sie hat sich dann bildreich in der Arktis ablichten lassen, um ihre Nähe zu den schmelzenden Polen zu demonstrieren.

Als kürzlich Manuel Barroso, mit dem sie vor nicht allzu langer Zeit noch ein Küsschen ausgetauscht hatte, bei Deutschland in Sachen Abgasnormen für deutsche Autos nicht zurück stecken wollte, war es rasch vorbei mit dem honeymoon.

Nun verfasste unsere Kanzlerin einen Beitrag in der ADAC motorwelt. „Wir wollen die CO2-Emissionen im Zeitraum von 1990 bis 2020 um 40 Prozent reduzieren. Auch der Verkehrsbereich muss dazu einen Beitrag leisten. Damit sind nicht zwangsläufig höhere Kosten für die Autofahrer verbunden.

Ach. Die gesamten Investitionen in die erforderliche Umwelttechnik – ob seitens der Automobilhersteller, seitens der Raffinerien, seitens der Filterproduzenten etc.pp. – werden demnach spurlos am Autofahrer vorbei gehen. Theoretisch geht das natürlich. Man bedenke die Autofahrer mit so hohen steuerlichen Anreizen bzw. Nachlässen, dass unterm Strich tatsächlich keine Mehrkosten entstehen. Die dabei auflaufenden steuerlichen Ausfälle müssen allerdings an anderer Stelle wieder eingenommen werden. Irgend jemand wird in jedem Fall dafür bezahlen müssen. Investitionen sollen sich aber auch auszahlen. Wenn durch den Einsatz umweltfreundlicherer Fahrzeuge die Exportfähigkeit steigt, kommt das hierzulande wieder vielen zugute (ein Punkt, den unsere Autoindustrie jahrelang sträflich vernachlässigt und sich daher seit einiger Zeit aufs Lamentieren verlegt hat).

Warum also so tun, als würden höhere Anforderungen an Umwelteffizienz auf wundersame Weise kostenneutral bleiben? Irgendwo wird umgeschichtet werden. Aber statt die Karten auf den Tisch zu legen, verlegt sich Frau Merkel auf leere Worte. Man darf bezweifeln, dass sie damit auf Dauer gut ankommt. Auch nicht bei den Automobilisten.

— Marc