Posts Tagged ‘Al Kassam Brigaden’

Hamas-Waffenhändler leider nicht vom Mossad getötet

Tuesday, February 2nd, 2010

UPDATE 17.02.2010

War’s doch der Mossad? Die Süddeutsche liefert dazu zwei Berichte, die sich durchaus widersprechen. Während der Beitrag “Mossad soll Mordkomplott von Europa aus gesteuert haben” durchaus den israelischen Geheimdienst als Täter nahelegt (“Der mysteriöse Mord an einem hochrangigen Führer der palästinensischen Hamas im Golfemirat Dubai ist nach Einschätzung deutscher Sicherheitsexperten vom israelischen Geheimdienst Mossad verübt worden.”), werden im Beitrag “Mabhuhs letzte Reise – mordete der Mossad?” eher Zweifel angemeldet: “Vieles deutet darauf hin, dass die Täter für den israelischen Geheimdienst Mossad arbeiteten, aber sie könnten auch aus den Reihen der Hamas selbst stammen oder gar aus der palästinensischen Fatah, die mit der Hamas verfeindet ist.”

Es ist also für jeden was dabei. Nur die Tötungsart steht wohl fest. Weder Vergiftung noch Elektroschocker, sondern ein Kissen. Damit hat man ihn erstickt. Ruhe sanft.

——

Original:

Mehr noch als im normalen Leben wird im Internet den Geheimdiensten CIA und Mossad so ziemlich jede Unbill zugemutet und angedichtet, die man sich vorstellen kann.

Nicht, dass die Dienste reine Engel wären. Gute Güte. Wie jeder Dienst – außer dem Bundesgutenachtrichtendienst BND – haben sie gehörig Dreck am Stecken.

Doch irgendwann wird der Generalverdacht nicht nur langweilig, sondern verzerrt die Wirklichkeit über Gebühr. Damit tragen die ach so schlauen Skeptiker just zu der Desinformation bei, die sie den Diensten so gerne unterstellen.

Kürzlich erlag der prominente Waffenhändler der Hamas, Mahmoud al-Mabhouh, einem Attentat.  Drogen sollen ihm verabreicht worden sein, die einen Herzstillstand auslösten. Dann war es eine Elektroschockpistole, die ihn tötete.

Das war natürlich der israelische Mossad. Wer sonst? Grund genug hätte Israel ja. “Mabhouh galt als Strippenzieher im Waffenschmuggel. Aufgewachsen in Gazas größtem Flüchtlingslager Dschabalja, war er ein Kämpfer der ersten Stunde und Mitgründer der Issedin-el-Kassem-Brigaden der Hamas. Zwei Entführungen israelischer Soldaten in den Achtzigern gehen auf sein Konto. Danach setzte er sich ab ins Exil”, schreibt die Frankfurter Rundschau.

Daher beschuldigte die Hamas zunächst auch die Israelis, eifrig unterstützt von den üblichen Verdächtigen wie etwa dem “Globalen Jihad” oder der Webseite des militärischen Arms der Hamas, den Quassam-Brigaden.

Doch der Fall könnte auch ganz anders liegen. Mabhouh war Waffenhändler. Das ist von Haus aus ein kniffliges, manche sagen sogar: hochriskantes Geschäft.

Nun räumt offenbar eine interne Untersuchung der Hamas ein, dass ihr Mann wohl doch nicht von den Israelis zur Strecke gebracht wurde. Das berichtet die israelische Haaretz, die in solchen Angelegenheiten über dem Verdacht von Parteilichkeit steht.

Schön, wird man sagen, diesmal war’s nicht der Mossad. Aber… !

– MK

PS.: Freuen wird’s ihn aber, den Mossad.

Bild: dailymail.co.uk

Lesenswerter Blog von: Bronski (FR)
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Palästinensische Einheit in weiter Ferne

Wednesday, March 11th, 2009

Die mit der Stammes- und Clangebundenheit der Palästinenser einhergehende Zerstrittenheit sind das beste Unterpfand Israels, um an einem souveränen Staat Palästina vorbei zu kommen.

Gerade hat eine Umfrage ergeben, dass die Hamas an Zuspruch gewonnen hat nach dem Gazakrieg. Noch mehr Zuspruch erhält allerdings Marwan Barghouti. Die Fatah wiederum stünde laut Umfrage gar nicht schlecht da, wäre da nicht der allzu schwache Mahmoud Abbas (“Abu Mazen”) an der Spitze, dem zusehends die Gefolgschaft verweigert wird.

Alleine der Machtkampf dieser beiden Gruppierungen stellt eine immense Herausforderung an die Einheit Palästinas dar, da wir es nicht mit zwei demokratisch konkurrierenden Parteien zu tun haben, sondern mit zwei latent bis manifest militanten Gruppierungen, die im übrigen auch politische Parteien sind.

Im Parlament der PNA (Palestinian National Authority – Palästinensische Autonomiebehörde) sind vertreten:

  • Democratic Front for the Liberation of Palestine (DFLP); sozialistisch
  • Fatah (Palestinian Liberation Movement), mitte-links, säkular
  • Hamas (Abkürzung für die arabische Formel: “harakat al-muqāwamah al-islāmiyyah” oder “Islamic Resistance Movement”), islamistisch
  • Palestine Democratic Union; mitte-links
  • Palestine Forum
  • Palestinian National Initiative; mitte
  • Palestinian People’s Party; links
  • Popular Front for the Liberation of Palestine (PFLP); kommunistisch, pro-syrisch
  • Al-Mustaqbal
  • Third Way
  • Palestinian Popular Struggle Front

Dabei hat fast jede Partei einen oder mehrere militärische Flügel, die durchaus die Tendenz haben, möglichst viel Einfluss innerhalb ihrer Partei zu gewinnen.

Der militärische Flügel der Hamas zum Beispiel sind die Essedin-El-Qassam-Brigaden. Die Fatah verfügt über die El-Aksa-Brigaden und die Einheiten der al-Assifa.

Hinzu kommen nicht im Parlament vertretene Gruppierungen wie der militante Islamische Djihad, der ebenfalls einen militärischen Flügel hat: die Al-Quds-Brigaden.

Andere Splittergruppen wie die irakisch orientierte ”Arabische Befreiungsfront” (Arabic Liberation Front, ALF), die Volkskampffront (PSF), die Abu Musa Gruppe oder die syrisch finanzierte und gelenkte sozialistische Al-Saiqa sind nicht im Parlament vertreten. Über ihre Struktur und Zahl der Kämpfer ist wenig bekannt.

Nicht zu unterschätzen sind die Machtpotentiale der regulären Polizei, der Zivilpolizei, der Bereitschaftspolizei, des / der Geheimdienste/s sowie der Präsidentenwache(n).

Neben diesen weltlichen Strukturen existieren zahlreiche religiöse Schattierungen, die einmal konform, einmal quer zu den Interessen und Zielen der Parteien und Gruppierungen liegen.

Schließlich ist auf die uralte, traditionelle Zersplitterung in Clans, Familien und Sippschaften zu verweisen, die ihre ganz eigenen Gesetzmäßigkeiten mitbringen.

Hinzu kommen die externen Akteure wie die USA, die arabischen Anrainer (keinesfalls alle wahre Freunde der Palästinenser), alle Gegner Israels, und natürlich Israel selbst, das über weite Strecken nicht das geringste Interesse an einem Palästinenserstaat hatte. So auch der designierte Ministerpräsident Benjamin Netanjahu nicht.

Stellt man dieser Gemengelage die Liste der Probleme gegenüber, die auf dem Weg zu einem palästinensischen Staat zu bewältigen sind, mag man an dessen Entstehung kaum glauben: Grenzfragen, Zugang zum Meer, Wasserverteilung, Infrastruktur, Pass- und staatsbürgerliche Fragen, Status Jerusalem, Regelung der Flüchtlings- / Heimkehrerfrage, freier Personenverkehr etc.pp.

Vor diesem Hintergrund hat es Israel trotz aller Konflikte, Anschläge und Kriege relativ leicht, die arabischen Bewohner Gazas und der Westbank in Schach und damit im status quo zu halten.

Die Shtinker

Der israelische Geheimdienst Shin Beth greift auf Grundlage der zahlreich verfehdeten Sippen seit jeher auf das äußerst bewährte Mittel der sogenannten ”Shtinker” zurück. Dazu werden Palästinenser teils mit Geld, teils mit Drohungen angehalten, über den je anderen Clan Informationen zu sammeln und weiter zu tragen. Einfacher kann es kein Geheimdienst haben. Sobald sich nennenswerter Widerstand rührt, finden Verhaftungen statt.

Darauf haben Gruppierungen wie etwa die Hamas reagiert, indem sie möglichst kleine und autonome Widerstandsgruppen gebildet haben. So wird die Angriffsfläche vor Entdeckung klein gehalten. Mangels Masse können diese gruppen allerdings auch nie zu einer echten militärischen Bedrohung Israels werden. Noch nicht – denn das ist eine Frage der raschen Entwicklung der Waffentechnik.

Das beantwortet allerdings keinesfalls die in den Raum gestellte Frage nach der Einheit. Denn eine “erfolgreichere” militärische Konfrontation Israels bringt noch längst keine palästinensische Einheit zustande - vielleicht sogar das Gegenteil.

Eine Fatah, die einer zunehmenden militärischen Modernisierung der Essedin-El-Qassam-Brigaden auf Dauer tatenlos zusieht, kann man sich schwerlich vorstellen.

Hey, Dickbauch

Bei all dem ist auch nicht zu unterschätzen, dass sich die Gewalt und der (passive) Widerstand seitens der Palästinenser gewissermaßen nur an der Oberfläche, also medienwirksam ereignet. Ein Selbstmordattentat ist spektakulär und Kassam-Raketen taugen ebenfalls fürs Fernsehen. Damit ist jedoch wenig bis nichts über die etwa zweieinhalb Millionen Bewohner der Westbank und Gazas gesagt, die sich täglich brav an den checkpoints anstellen und sich den Leibesvisitationen unterziehen.

Mit dem durch Solidarität untereinander möglichen massenhaften (passiven) Widerstand Indiens unter Mahatma Gandhi ist das nicht zu vergleichen.

Tom Friedman berichtete dazu von der Begegnung des früheren britischen Außenministers George Brown mit dem palästinensischen Bürgermeister von Nablus (Westbank), Hamdi Qana’an. Der war ein reicher und überaus fülliger Mann. Sogleich lamentierte Qana’an gegenüber dem Briten über die brutale Ausbeutung durch die Israelis. Brown wurde es angesichts des in diesem Fall allzu gut situierten Palästinensers zu viel. Er klatschte Qana’an auf dessen dicken Bauch und meinte bissig: “You don’t seem to be doing too badly for yourself, old chap.”

Sagen Sie nun nicht, das war ja 1970. Denn mit Strukturen wie den oben genannten verhält es sich wie mit einem dicken Bauch: Man bekommt ihn sehr schwer weg.

– MK

Quellen: engl. Wikipedia, Robert Fisk: The Conquest of the Middle East; Thomas L. Friedman: From Beirut to Jerusalem; GlobalDefense.net

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Palästinenser zerfleischen sich langsam selbst

Thursday, July 31st, 2008

Die jüngsten Berichte über massive Menschenrechtsverletzungen seitens der Hamas gegenüber mutmaßlichen Fatah-Anhängern in Gaza sowie seitens der Fatah gegenüber mutmaßlichen Hamas-Anhängern im Westjordanland haben keinen erkennbaren Niederschlag in unseren Medien gefunden.*

Das braucht nicht weiter zu verwundern, weil es sich nicht recht ins Bild fügt, in dem der israelisch-palästinensische Konflikt üblicherweise dargestellt wird.

Entweder man berichtet tendentiell pro-israelisch und damit mit Schwerpunkt über Kassam-Angriffe von Al-Aksa-Brigaden & Co. gegen zumeist zivile Ziele wie das kleine Städtchen Sderot, oder man berichtet pro-palästinensisch und damit vorrangig über jeden von der israelischen Armee erschossenen Palästinenser.

Wenn die in Gaza herrschende Hamas Anhänger der Fatah inhaftiert, mißhandelt, foltert oder gar tötet – und umgekehrt – sprengt das gewissermaßen den üblichen Bezugsrahmen.

Seitdem die Hamas durch ihren klaren Wahlsieg im Juni 2006 die Macht im Gazastreifen übernommen hat, kam es immer wieder zu teilweise schweren Konflikten zwischen den zwei Palästinenserbewegungen.

Nach einem Bombenattentat in Gaza vor einer Woche, bei dem unter anderem ein vierjähriges Mädchen starb, erreichte die Feindseligkeit einen neuen Höhepunkt:

The latest wave of arrests began after three explosions in a 24-hour-period in Gaza, the last of which, on July 25, 2008, killed a 4-year-old girl and five members of Hamas’s armed wing, the al-Qassam Brigades, in a Gaza City beach café.

Hamas leaders quickly said Fatah was responsible, though they produced no evidence to support the claim. Fatah denied responsibility.

Shortly after that bombing, Hamas police, the Internal Security Force, and al-Qassam Brigades conducted wide-scale arrests of Fatah members and supporters. Hamas Minister of Interior Said Siyam told Human Rights Watch on July 28 that forces under his control had arrested about 200 people.

Im Zuge dieser Verhaftungen dokumentierte Human Rights Watch massive Menschenrechtsverletzungen, so zum Beispiel:

One 35-year-old man had four fractures [4 Knochenbrüche] in one leg, a gunshot wound in the other, and a fractured arm.

Die Praktiken, die seitens der Fatah in der Westbank zur Anwendung kommen, fallen keineswegs milder aus.

Folter ist wie Mc Donalds: Weltweit gleich

Der Maßnahmenkatalog der Grausamkeiten ist im übrigen überall derselbe.

So wie es einen – mäßig effektiven – Internationalen Gerichtshof gibt, möchte man meinen, gibt es irgendwo einen – höchst effektiven – Internationalen Folterhof, in dem Dunkelmänner aus aller Herren Länder ihr Handwerkszeug erlernen.

In der Westbank jedenfalls meint man die Praktiken von Guantanamo oder, bei den härteren Methoden, die von Abu Ghraib wiederzufinden:

Torture methods included mock executions [Scheinhinrichtungen], kicks and punches [Tritte und Schläge], and beatings with sticks, plastic pipes, and rubber hoses [Schläge mit Knüppeln, Plastikröhren und Gummischläuchen].

The most common form of torture was forcing detainees to hold stress positions for prolonged periods [Verharren in unbequemen Positionen für längere Zeit: der Guantanamo-Klassiker]. (known in Arabic as “shabah”)

Zurück zum Thema. Wer sich eine Haltung beziehungsweise Berichterstattung angewöhnt hat, über Israel als die Ursache allen palästinensischen Übels zu berichten, hat mit diesen Vorgängen naturgemäß ein Problem. “Lösen” lässt sich dieses Anschauungsproblem nur mit dem Brachialargument, das alles komme nur daher, weil die Palästinenser unter so widrigen Umständen leben müssten und daher anfingen, sich selbst zu zerfleischen.

Es wäre falsch, diesen Hinweis vollkommen beiseite zu wischen. Selbstverständlich spielt die erbärmliche Situation eine Rolle. In diesem Fall aber nur eine nachgeordnete.

Macht als das Ding an sich

Man könnte beinahe Kant und sein in der Philosophie längst gegenstandsloses “Ding an sich” anrufen. Im Politischen hat es durchaus seine Berechtigung. Hinter allem Schein in der Politik steht das Natürlichste auf der Welt: Das Streben nach Macht. Neben dem Eros ist es die vielleicht stärkste Triebfeder allen Handelns.

Das gilt auch beim palästinensischen Befreiungskampf. Dabei können die Grenzen durchaus verschwimmen. Wo hört der eigentliche Befreiungskampf auf und wo beginnt der nur sich selbst dienende Kampf um Machtgewinn und Machterhalt?

Ein kurzer Blick zurück. Wer die Geschichte der PLO etwas kennt, weiß um deren in langen Jahren entstandene Selbstzufriedenheit, Bestechlichkeit und schließlich auch Nachlässigkeit gegenüber ihrem feierlich erklärten Ziel, die Sache ihres Volkes auszufechten.

Die PLO hat sich wie fast jede arrivierte revolutionäre Avantgarde an den ihr zur Verfügung stehenden Futtertrögen gemästet (auch und gerade in Beirut) und war letztlich nicht mehr übermäßig stark daran interessiert, an diesem (manchmal nicht gar so) bescheidenen Luxus etwas zu ändern. Das wird von der europäischen Linken gerne mal unter den Tisch fallen gelassen.

Diese Entwicklung ist eine Art Archetypus, hat Vorgänger und wird Nachfolger haben. Das galt für die zuerst ach so asketischen Kommunisten, die schließlich zur fetten Datscha-Nomenklatur Rußlands wurden. Das galt für die Revolutionäre der Roten Khmer und für die Führungsschicht der “kubanischen Revolution” ebenso wie für die Herzblut-Sozialisten der DDR.

Macht ist besser als Sex

Wo die Revolutionäre Asketen und “Idealisten” blieben (teilweise in China oder die Nachfolger von Ho Chi Minh), blieben sie es ganz im Sinne vom über lange Jahre “starken Mann Chinas” Deng Xiao Ping: “Macht ist besser als Sex”.

Das Buch der Bescheidenheit und Prinzipientreue dieser vormaligen Idealisten entspricht in fast allen Fällen dem Umfang eines Reklam-Bändchens, das 1 Quadrat auf dem Rücken trägt (für die Nicht-Reklam-Leser = sehr, sehr dünn).

Die Fatah hat viele gelernt von ihrer gleichsam historischen Vorgängerin PLO. Vor allem in punkto Korruption und dem Sich-in-den-Verhältnissen-einleben.

Das Entstehen und Aufblühen der Hamas hat insofern indirekt mit Israel zu tun und direkt mit der mißratenen Fatah.

Die Fatah nun versucht unter ihrem schwachen Präsidenten Mahmud Abbas zu retten, was zu retten ist. Vielleicht weniger von ihrem “Freiheitskampf” gegen Israel, als von ihrer alten privilegierten Position.

Die Hamas ist längst auf den Geschmack der Macht gekommen und hat Gefallen daran gefunden. Den Ruhmestitel eines Vorreiters der Revolution zu tragen, ist in der arabischen Welt etwas wert. Mit Syrien und dem Iran im Rücken darf man zumal etwas potenter auftreten.

Eine Kostprobe dieser Vormachtstellung haben die nicht minder radikalen, aber an den Rand gedrängten Al-Aksa-Brigaden unlängst mitbekommen: Sie würden gerne ihre Angriffe gegen Israel fortsetzen, aber die Hamas ist – vorübergehend – mehr am Waffenstillstand interessiert und hat die Kassam-Raketen-Trupps der Al-Aksa kurzerhand kaltgestellt, und das teils im wörtlichen Sinn.

Hört man in die Zivilbevölkerung in Gaza, trifft man auf ein sehr gemischtes Stimmungsbild. Mit dem weichen und korrupten Regime der Fatah waren die meisten nicht zufrieden. Daher der Hamas-Sieg im letzten Jahr. Allerdings tritt die Hamas ungleich fundamentalistischer auf als die eher laizistisch orientierten ehemaligen Arafat-Kämpfer.

UPDATE 02.08.2008: Eine Woche nach dem Bombenattentat in Gaza, kam es gestern erneut zu heftigen bewaffneten Auseinandersetzungen. Die Mutter einer der im Bombenattentat Getöteten sagte:

“Hamas and Fatah have to stop fighting for all of us.”

Verschleierung, Einführung der Scharia, striktes Alkoholverbot und teilweise drakonische Strafen bedeuten durchaus einen Kulturwandel, auf den viele nicht eingestellt waren und den viele hinter vorgehaltener Hand ablehnen. Sich öffentlich gegen die neue Ordnung zu stellen ist lebensgefährlich.

Die Zielrichtung der von der Hamas geleiteten palästinensischen Befreiungsbewegung ist zweifellos nicht die “der” Palästinenser. Man kann eine Münze werfen, ob die Mehrheit der Palästinenser ein Taliban-ähnliches Regime möchte. Sicher ist, dass ein gehöriger Teil der Bevölkerung dagegen ist. Ob ein Drittel oder etwas mehr als die Hälfte ist eine akademische Frage. Interessanter ist die Fragestellung, ob der palästinensische Befreiungskampf noch über seine ursprüngliche Basis verfügt. Antwort: Nein.

Und Israel? Hinsichtlich dessen, was soeben über Macht gesagt wurde, ändert sich mit Blick auf Israel gar nichts. Olmert tritt nicht deswegen zurück, weil er der “israelischen Sache” zu sehr diente. Nein. Sondern weil er seiner ureigensten Sache mehr diente, als vertretbar wäre. Einem Ariel Scharon war nie irgend etwas wichtiger als Macht. Die Liebe zur Macht verleitete ihn zum desaströsen Libanon-Abenteuer in 1982. Die Selbstverliebtheit angesichts seiner Machtfülle ließ ihn den Frevel begehen, im September 2000 mit einer Polizeieskorte von 1000 Mann den heiligen arabischen Tempelberg zu begehen und damit die Zweite Intifada auszulösen.

Diese Liste liesse sich lange fortsetzen. Dient Israel in der Praktizierung solcher Politik “seiner” Sache? Antwort: Nein.

Auf beiden Seiten tragen von der Macht verführte Politiker zum nicht enden wollenden Konflikt bei. Streben nach Macht ist Naturgesetz – wer das beiseite wischen möchte, versucht in aller Regel nur seine eigene Machtlosigkeit zu vertuschen -, während das über-die-Stränge-schlagen-in-der Macht kein Naturgesetz ist, allenfalls Versuchung oder Tendenz. Israel und Palästina schlagen daher mit Arafat, Fatah, Scharon oder Olmert gewissermaßen nur statistisch aus der Reihe.

Ist damit alles gleich? Sind alle gleich schuld? Alle nur Macht-Sünder?

Keinesfalls.

Ebenso wenig wie ein korrupter Olmert ein Jota daran ändern könnte, dass Israel seine Selbstbestimmung behält, kann eine korrupte PLO oder Fatah etwas daran ändern, dass die Palästinenser ein Recht auf Selbstbestimmung haben – selbst wenn es eine von Hamas definierte Selbstbestimmung ist.

Der größte Unterschied hinsichtlich einer “Schuldfrage” bleibt daher unbeschadet obiger Ausführungen der:

Israel ist 24 Stunden jeden Tages an 365 Tagen im Jahr über nunmehr Jahrzehnte eine illegale Besatzungsmacht, die ein inhumanes Regime als Tagesordnung praktiziert.

Die derzeitige Situation unter den Palästinensergruppen verschärft lediglich die Tragödie für das Volk.

– MK

UPDATE 01.08.2008:

Der aktuelle taktische Versuch um Mäßigung ändert an den zuvor genannten Grundzügen nichts:

Palästinenserpräsident Mahmud Abbas um Entspannung bemüht. Der Fatah-Politiker ordnete die Freilassung der in den vergangenen Tagen im Westjordanland festgenommenen Hamas-Kämpfer an.

Sehr zu empfehlen:

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* Ausnahme: taz.

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