Tagebuch Theodor Herzl – 17.06.1897

theodor_herzlUrsprünglich sollte der 1. Zionistische Kongress in München stattfinden. Die Israelitische Kultusgemeinde München wollte diesen Kongress aber nicht, da sie seitens der Obrigkeit Nachteile fürchtete.

Herzl beschloß daraufhin, den Kongress nach Basel zu verlegen.

Trotzdem schrieb er einen Brief an die Bayerische Regierung, um deren Haltung zu einem möglichen Münchner Kongress in Erfahrung zu bringen.

In diesem Brief liefert Herzl eine

Definition für Zionismus

Der Zionismus will die Judenfrage in friedlicher Weise lösen, u. zw. durch Besiedlung Palästinas mit Juden, unter Zustimmung der Mächte, nach erfolgter Verständigung mit der Kaiserlich Türkischen Regierung.

Der Zionismus ist selbstverständlich eine vollkommen gesetzliche Bewegung und will seine menschenfreundlichen Ziele nicht anders als unter der wohlwollenden Aufsicht der Regierungen verfolgen.

Festzuhalten ist: Herzl interessierte sich nur dafür, die Groß- und Mittelmächte für seinen Plan zu gewinnen. Er ignorierte die “Araberfrage” ebenso wie die meisten anderen Zionisten. Dass Palästina nicht menschenleer war, kümmerte Herzl im Grunde nicht. Inwieweit der Zionismus “menschenfreundliche Ziele” verfolgen konnte, indem er Menschen ignorierte – die Araber Palästinas – sei dahingestellt. Immerhin: Damals wurden diese Menschen nur ignoriert.

Photo: Theodor Herzl (Wikipedia, gemeinfrei)

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Tagebuch Theodor Herzl – 24.03.1897

theodor_herzl

die nächste Folge des Antisemitismus, noch vor den gesetzlichen und administrativen Chicanen, wird ein Krieg der Juden gegen die Juden sein. Die schon jetzt gedrückten u. bedrohten Schichten der Juden werden sich gegen die Grossjuden wenden, welche sich von Regierung u. Hetzern mit Geld u. Diensten freikaufen.

[...]

nach der Wahl in der [Wiener] Leopoldstadt, als der Antisemit gegen den “Liberalen” unterlag, gab es einigen Rummel in diesem Judenviertel.

Einige Pöbelbanden zogen umher, schlugen Fensterscheiben von Kaffeehäusern ein, plünderten etliche kleine Läden.

Auch wurden Juden auf der Gasse beschimpft u. geprügelt. Als man das in den Morgenblättern las, gab es, glaube ich, der Judenschaft einen Choc – der aber schnell verwunden war.

Es muss ärger kommen, es wird ärger kommen.

Freilich, die Millionäre werden sich dem Übel leicht entziehen, und die Wiener Juden sind wie die Meisten unseres Volkes Ghetto-Naturen, die froh sind, wenn sie nur mit einem blauen Auge davon kommen.

Wenig später, am 16. April 1897, wurde der vormalige Stadtrat, Zweite Bürgermeister und Antisemit Karl Lueger zum Ersten Bürgermeister Wiens gewählt.

Kaiser Franz-Joseph I. weigerte sich zunächst, Lueger im Amt zu bestätigen. Es gab mehrere Nachwahlen, die zuletzt ausarteten: Im November 1897 gab es Tumulte vor dem Kaiserpalais; Franz Joseph wurde als “Judenkaiser” beschimpft, weil er sich gegen den Volkstribun Lueger stellte, dessen Anhänger sich “Vereinte Antisemiten” nannten. Schließlich musste der Kaiser nachgeben.

Lueger hatte das Amt bis zu seinem Tod im Jahr 1910 inne.

Adolf Hitler, der von 1907-13 in Wien wohnte, wurde von den antisemitischen Parolen Luegers stark beinflusst (»Auch ich befand mich unter den vielen Hunderttausenden, die dem Trauerzug zusahen«, erzählte Hitler in Mein Kampf, wo er in seitenlangen Elogen dem »wahrhaft genialen Bürgermeister«, dem Idol seiner Wiener »Lehr- und Leidensjahre« huldigte, und ihn als den “gewaltigsten deutschen Bürgermeister” titulierte.).

Wie sehr Recht Herzl hatte mit seinem düsteren “es wird ärger kommen” konnte er freilich nicht wissen.

Photo: Theodor Herzl (Wikipedia, gemeinfrei)

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Chaim Weizmann : Mais zur Gummiproduktion

Chaim Weizmann

Chaim Weizmann

Der neben Theodor Herzl und David-Ben Gurion bedeutendste Zionist und spätere erste Staatspräsident Israels, Chaim Weizmann, war während des Zweiten Weltkriegs in Amerika, um US Präsident Eisenhower vorzuschlagen Gummi aus Mais statt aus Rohöl zu produzieren (1942).

Weizmann war in England ein berühmter und erfolgreicher Chemiker. Er wußte, dass sein  Verfahren ein chemisch reineres Gummi erzeugte. Das Verfahren war in der Praxis erfolgreich getestet worden, auch in den USA.

Die Öl-Lobby wehrte diese Innovation ab.

In seinen Erinnerungen schreibt Weizmann:*

My proposal, which I made officially to Mr. William Clayton, Under Secretary of State for Economics, was to ferment maize – of which millions of bushels were available in the United States and Canada – and convert them into butyl alcohol and acetone by my process, which was established and working on a large scale in various parts of America.

The butyl alcohol could without difficulty be used for the making of butylene and the butylene easily converted into butadiene, the basis for rubber.

I knew that large quantities of butadiene were already beeing made out of oil [...]

But I had come too late, or at any rate very late; the Government had already engaged the oil companies, and to initiate a process which had not the approval of the oil companies was almost too much of a task for any human being.[...]

One result was that I became, to my intense distaste, the center of an argument which took on a political character; it was the Farmers Union versus the oil companies.[...]

In the end I handed over my processes to a firm in Philadelphia, which began to apply it during the war, and continues to do so now.

– Schlesinger

* Chaim Weizmann, Trial and error, New York 1949, S. 429f.

Photo: Chaim Weizmann (Wikipedia, PD)

https://twitter.com/nahostkonflikt/status/619439657735077889

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Israel - Zitat des Tages

 The Jews are trying to knock you off. They want a new guy in the White House in 1977.

Henry Kissinger
(US Außenminister 1973-77. Gegenüber US Präsident Ford, der aus Sicht Jerusalems eine zu wenig israelfreundliche Politik betrieb.)

Presseschau Naher Osten (englisch)

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