Israel & Palästina

Volksverhetzung

sei das nicht, meint die Berliner Staatsanwaltschaft auf Nachfrage der Polizeileitung unserer Hauptstadt, nachdem Hunderte von Demonstranten angesichts des Gazakriegs skandierten

Jude, Jude feiges Schwein, komm heraus und kämpf allein!

Keine “Volksverhetzung”, nur “Beleidigung”, so das Gutachten.

Aha. Ich bin kein Jurist, aber mir ist in diesem Fall der juristische Feinschliff (oder Kahlschlag?) gleich. Solche Parolen wollen doch ganz offenkundig eine Volksgruppe treffen und erniedrigen, und nicht etwa eine Politik Netanjahus anprangern.

Evelyn Hecht-Galinski, die zu Radikalität neigende Tochter des früheren Vorsitzenden des Zentralrats der Juden in Deutschland, die durch ihre zügellosen Äußerungen zum Aushängeschild aller hiesigen Israelfeinde wurde, meint zu solchen Slogans ungerührt “Natürlich sind diese Parolen nicht politisch korrekt.” Oh nein, mit politischer Korrektheit hat das nichts zu tun. Hecht-Galinski übersieht die besondere Qualität solcher Hetzparolen nur deshalb großzügig, weil sie selbst gerne maximal vom Leder zieht.

Die anti-jüdischen Slogans sind und bleiben: Abstoßend. Nicht zu rechtfertigen. Letztlich schlicht unrechtmäßig.

Die Schreihälse  – nicht: alle Demonstrationsteilnehmer! – nehmen den Gazakrieg nur zum Anlaß ihre niederen Instinkte zum Ausdruck zu bringen. Diesem Klientel sollte nicht erlaubt sein, den ansonsten durchaus berechtigten Protest gegen den Gazakrieg und die jahrelange israelische Blockade zu diskreditieren.

Und: Schande auf die Berliner Staatsanwaltschaft!

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Erzieht Israel Hamas? Oder verspielt es seine Zukunft?

Tom Friedman, Pulitzer-Preisträger, der in den Achtzigern mit “From Beirut to Jerusalem” ein respektables Buch geschrieben hat, hat seitdem weniger Treffliches über den Nahostkonflikt verfasst.

Anläßlich des Gazakriegs von 2008/09 (Operation gegossenes Blei / Cast Lead) legte er Israel nahe, die richtige Lehre aus ihrem Libanonkrieg von 2006 zu ziehen.

Damals habe Israel seinem Feind, der Hisbollah, einen “großen Blutzoll” und von der libanesischen Zivilbevölkerung “große Schmerzen” abverlangt. Das sei der Hisbollah eine Lehre gewesen und würde die Bevölkerung davon abgehalten, sich allzu sehr mit der Miliz einzulassen. Dies sei die richtige Taktik gewesen: Israel habe die Hisbollah richtig “erzogen”, und nicht versucht sie “auszulöschen”.*

An dieser knappen Beschreibung Friedmans ist im Grunde alles falsch.

Israel hat 2006 den halben Libanon zusammenbombardiert und dabei Tausende von zivilen Einrichtungen zerstört, die mit der Hisbollah nichts oder nur am Rande zu tun haben: Straßen, Brücken, Flughafen, Ölhäfen, Elektrizitätswerke. Schäden in einer Größenordnung von 3,5 Milliarden US Dollar. Den “großen Blutzoll” hatte man der Zivilbevölkerung abverlangt. 1200 Tote und 4200 Verletzte. Die Hisbollah hatte angesichts der massiven israelischen Bombardements mit Kampfbombern und Artillerie und dem Einsatz von Panzerbrigaden mit geschätzten 400-500 Toten glimpfliche Verluste, brachte aber ihrerseits der höchstgerüsteten Armee des Nahen und Mittleren Ostens unerwartet viel Verluste an Mensch und Material bei. Die schiitische Miliz Hisbollah hat einen unverändert soliden Stand unter der inzwischen mehrheitlich schiitischen Bevölkerung des Libanon.

Israel hat die Hisbollah richtig erzogen? Das darf man als Wunschdenken ansehen.

Und jetzt, im Juli 2014, mit der Operation “Verteidigungslinie” gegen die Hamas in Gaza? Glückt die Erziehung der Hamas so, wie sich Friedman das damals vorstellte und wie sich Israel das heute vorstellt?

Nein.

Israel macht nur dasselbe, was es in 2006 im Libanon und 2008/09 in Gaza getan hat.

Dabei ist das alles ein alter Hut.

Der frühere israelische Ministerpräsident Menachem Begin – der verantwortlich war für den furchtbaren Libanonkrieg von 1982 – hatte eine Studie in Auftrag gegeben, wie sich Israel in militärischen Konflikten gegenüber Zivilbevölkerungen verhalten hat. Diese Studie lag dem legendären früheren Außenminister Abba Eban vor, der sie so  kommentierte: Man gewinnt ein Bild, wonach “Israel der Zivilbevölkerung vorsätzlich jedes mögliche Maß an Tod und Leid auferlegt, und das in einer Haltung, die an gewisse Regimes erinnert, deren Namen sich weder Herr Begin noch ich auszusprechen trauen”.**

Israel verspielt seine Zukunft

Und merkt es nicht.

Die Bevölkerung Israels driftet weiter und weiter nach rechts. Sie will die “die Araber” letztlich loshaben, am besten physisch. Um endlich das ganze Königreich David wiederherzustellen.

Selbst wenn das irgendwie gelänge, das eigentliche Problem ist damit noch lange nicht gelöst: Die über Jahrzehnte schleichende Verwandlung Israels von einem säkular-liberalen über einen säkular-liberal-chauvinistischen in einen konservativ-orthodox-militaristischen Staat.

Dieses in Aussicht stehende Zerrbild eines Israel wollte niemand im Gründungsjahr 1948.

Ob ein nennenswerter Teil der jüdischen Diaspora so ein Israel will, darf man bezweifeln.

Ob ein nennenswerter Teil der israelfreundlichen amerikanischen Christen so ein Israel will, darf man bezweifeln.

Ob ein derartiges Israel mangels dieser wichtigen Unterstützung auf Dauer die Kraft besitzen wird sich zu behaupten, muß man bezweifeln.

Wenn es soweit kommt wird es mit dem Schwert untergehen, und der berühmte Satz Moshe Dayans, in Israel müsse man immer mit dem Schwert leben, würde eine schreckliche Wendung nehmen.

Noch ist es nicht soweit. Es muss nicht so kommen. Es soll nicht so kommen.

Man hofft auf ein Wunder. Dass sich neue, frische Kräfte finden, die willens und in der Lage sind, diesen katastrophalen Kurs zu ändern.

Dann wäre nicht alles verloren. Mehr noch: Die Zukunft würde gewonnen, endlich ergriffen.

Die Geschichte zeigt, dass auch nach furchtbarsten Zeiten zwei bis drei Generationen genügen, um so etwas wie Normalität einkehren zu lassen. Der immer wieder aufs Neue wirksame Wille zum Leben gilt für alle, auch für Israelis und Palästinenser. Sonst hätten die Juden nach dem Holocaust nicht die Kraft gehabt, ein Land aufzubauen, das Land Israel, das doch zweiffellos großartige Eigenschaften hat.

Selbst die heute in Gaza schwer Gezeichneten, die heute im Westjordanland Bedrückten würden morgen das Leid vergangener Tage und Jahre vergessen wollen, wenn man ihnen endlich ein Leben in Würde ermöglichte, ein Leben, wie es sich Juden wünschten, als sie nach Palästina kamen.

—-

* I have only one question about Israel’s military operation in Gaza: What is the goal? Is it the education of Hamas or the eradication of Hamas? I hope that it’s the education of Hamas. [...] In Gaza, I still can’t tell if Israel is trying to eradicate Hamas or trying to “educate” Hamas, by inflicting a heavy death toll on Hamas militants and heavy pain on the Gaza population.

** Übers. aus “Gaza in Crisis”, Chomsky / Pappe, Chapter “Exterminate the brutes”,  S. 82f.

Leseempfehlung: Etgar Keret – Wir sind im Schlafmodus

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Israel: Entscheidender Schlag gegen Hamas!

Israel hat Hamas im Prinzip bezwungen.

Die Armee gibt das Ergebnis einer spektakulären Aktion bekannt:

Der Zweck dieser Operation war die Kommandostruktur und Befehlskette von Hamas und ihre terroristische Infrastruktur schwer zu beschädigen.

Das war eine chirurgische Operation in Zusammenarbeit mit dem Geheimdienst, die auf Basis genauer geheimdienstlicher Informationen und mit Hilfe modernster Mitteln durchgeführt wurde.

Das Ziel des Angriffs ist Ahmed Jabari, der Stabschef der Izzedin el Kassam Brigaden. Die Kassam-Brigaden sind der militärische Flügel von Hamas.

Jabari wurde in seinem Fahrzeug von eine Hellfire-Rakete getroffen.

Damit dürfte Hamas weitgehend gelähmt sein. Meint man in Israel.

Korrektur: Meinte man in Israel.

Denn dieser gerade geschilderte Vorgang ist nicht aktuell. Er stammt aus dem Jahr 2012. Daher dürfte Hamas seit 2012 weitgehend handlungsunfähig sein.

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Israel - Zitat des Tages

 Ich bin Zionist in allen Punkten, die die Errettung von Juden betreffen, aber ich bin kein Zionist, wenn es um die "Errettung des Heiligen Landes" geht.

Amos Oz
(Israelischer Schriftsteller. Zur Frage, wie eine Landnahme zu rechtfertigen ist und wie sie nicht mehr zu rechtfertigen ist.)

Presseschau Naher Osten (englisch)

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