Tagebuch Theodor Herzl – 23.08.1897

Theodor Herzl

Theodor Herzl

Einer der vielen Aspekte, die das Tagebuch Herzls so lesenswert machen: Der Autor macht keinen Hehl aus seinen Gemütsschwankungen.

Je nach Stand seines zionistischen Projekts schwankt er zwischen größter Euphorie, oft verbunden mit Allmachts-Phantasien, und tiefer Niedergeschlagenheit.

Eine Woche vor dem Ersten Zionistenkongress in Basel (29. August)  zweifelte Herzl, dass seine bisherige Arbeit den gewünschten Erfolg bringen würde. Gereizt  dachte  er über seine Gefolgsleute, von denen er annahm, sie würden nicht denselben Eifer und nicht dieselbe Arbeitswut aufbringen wie er selbst:

Thatsache ist, was ich Jedermann verschweige, dass ich nur eine Armee von Schnorrern habe.

Ich stehe nur an der Spitze von Knaben, Bettlern und Schmöcken.

Manche beuten mich aus.

Andere sind schon neidisch oder treulos.

Die Dritten fallen ab, sowie sich ihnen eine kleine Carrière eröffnet.

Wenige sind uneigennützige Enthusiasten.

Dennoch würde dieses Heer vollkommen genügen, wenn sich nur der Erfolg zeigte.

Zorn und Unsicherheit waren nicht begründet, denn schon am 3. September, unmittelbar nach dem Kongress, konnte Herzl seinen wahrscheinlich berühmtesten Satz schreiben:

Fasse ich den Baseler Congress in ein Wort zusammen – das ich mich hüten werde öffentlich auszusprechen – so ist es dieses:

in Basel habe ich den Judenstaat gegründet.

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Tagebuch Theodor Herzl – 22.07.1897

theodor_herzlÜber die Verlegung des Ersten Zionistischen Kongresses von München nach Basel schrieb Herzl:

Ich ging nicht gern nach München, das mir von jeher als ungeeignet erschienen war u. das ich nur der Majorität der “vorbereitendenden Commission” gehorchend acceptirt hatte.

Darum benutzte ich die kläglichen patriotischen Proteste der Münchener Cultusvorsteher dazu, den Congress nach der Schweiz zu verlegen.[...]

Indessen ließ ich doch durch den Fürsten Wrede bei der bayerischen Regierung vertraulich anfragen, ob sie denn etwas gegen den Congress gehabt hätte. Minister Feilitzsch antwortete Wrede vertraulich, dass die Regierung nichts gegen den Congress hatte

Photo: Theodor Herzl (Wikipedia, gemeinfrei)

 

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Tagebuch Theodor Herzl – 17.06.1897

theodor_herzlUrsprünglich sollte der 1. Zionistische Kongress in München stattfinden. Die Israelitische Kultusgemeinde München wollte diesen Kongress aber nicht, da sie seitens der Obrigkeit Nachteile fürchtete.

Herzl beschloß daraufhin, den Kongress nach Basel zu verlegen.

Trotzdem schrieb er einen Brief an die Bayerische Regierung, um deren Haltung zu einem möglichen Münchner Kongress in Erfahrung zu bringen.

In diesem Brief liefert Herzl eine

Definition für Zionismus

Der Zionismus will die Judenfrage in friedlicher Weise lösen, u. zw. durch Besiedlung Palästinas mit Juden, unter Zustimmung der Mächte, nach erfolgter Verständigung mit der Kaiserlich Türkischen Regierung.

Der Zionismus ist selbstverständlich eine vollkommen gesetzliche Bewegung und will seine menschenfreundlichen Ziele nicht anders als unter der wohlwollenden Aufsicht der Regierungen verfolgen.

Festzuhalten ist: Herzl interessierte sich nur dafür, die Groß- und Mittelmächte für seinen Plan zu gewinnen. Er ignorierte die “Araberfrage” ebenso wie die meisten anderen Zionisten. Dass Palästina nicht menschenleer war, kümmerte Herzl im Grunde nicht. Inwieweit der Zionismus “menschenfreundliche Ziele” verfolgen konnte, indem er Menschen ignorierte – die Araber Palästinas – sei dahingestellt. Immerhin: Damals wurden diese Menschen nur ignoriert.

Photo: Theodor Herzl (Wikipedia, gemeinfrei)

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Israel - Zitat des Tages

 At times it seems as if what Jews do to other jews in this country [Israel] would be defined in any other country as nothing less than antisemtisim.

David Grossman
(Israelischer Autor. Man vergleiche das mit einer nicht untypischen Äußerung eines ultra-orthodoxen jüdischen Siedlers: "The Israeli secular entity has to be destroyed. God can't reveal himself until it's all wiped out. As long as the state of Israel stays as it is, there will be no redemption." Shmuel Ben Yishai, Settler, Hebron (Interview CBS Frontline April 2005). Was der Siedler hier verlangt ist nichts weniger als die Beseitigung des Staates Israel.)

Presseschau Naher Osten (englisch)

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