Israel & Palästina

Araber : Rauchverbot gegen Zionismus

Die arabischen Palästinenser hatten den Zionisten der Zwanziger und Dreissiger Jahre nichts entgegen zu setzen außer großen Worten.

Zionistische Tatkraft

Die zionistischen Bewohner Palästinas (der Yishuw) machte sich im Eiltempo daran, die Infrastruktur des geplanten neuen jüdischen Staates vorzubereiten. Früh wurde mit dem Aufbau von Staatsorganen begonnen. 1929  wurde die Jewish Agency ins Leben gerufen. Mit ihrer Exekutive verfügte man über eine Art Schattenregierung neben der britischen Mandatsmacht. Daneben wurde am Justiz-, Steuer- und Schulsystem gearbeitet und effiziente Kommunalverwaltungen aufgebaut.

Auf arabischer Seite gab es nichts davon. Dort begnügte man sich damit, die gut funktionierenden Einrichtungen der britischen Mandatsmacht zu nutzen. Was passieren würde, wenn die Engländer einmal abziehen würden schien niemanden zu interessieren.

Arabische Hilflosigkeit

Manchmal war die arabische Wirklichkeit noch schlimmer. Man machte sich lächerlich. Zum Beispiel mit dem Vorschlag, eine “Rauch-Bank” einzurichten. Die Idee: Der Koran verbietet das Rauchen. Also sollten alle Raucher damit aufhören. Das gesparte Geld soll in diese Rauch-Bank einbezahlt werden. Damit könnte man der “zionistischen Bedrohung” entgegen treten:

Arabische Nichtraucher gegen Zionismus

Araber: Rauchverbot gegen Zionismus

Wäre es nicht beschämend, müsste man lachen.

Quelle: Chicago Sentinel, 18.09.1925

Zeitungs-Collage:

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USA & Europa teilen ein paar Werte

Passend zum gestrigen Beitrag, ob die USA gemeinsam mit Israel den Überwachungsstaat perfektionieren, schreibt heute Detlef Esslinger von der Süddeutschen Zeitung etwas zum Thema

Gemeinsame Werte

Esslinger beobachtet, dass die Enthüllungsberichte von Edward Snowden bei den Deutschen nicht deshalb so viel Beifall finden, weil sie daraus einen konkreten Nutzen ziehen könnten. Vielmehr sei es so, dass die NSA-Skandale alle bisher vorhandenen Ressentiments gegenüber Amerika verstärken würden.

Das ginge so weit, dass man sogar Lob für Putin findet, weil der doch so gradlinig ist und aus seinen Interessen keinen Hehl macht. Das sei doch besser als die amerikanische Scheinheiligkeit.

Offenbar gibt es aktuelle Umfragen, denen zufolge 43 % der Deutschen die NATO oder ein anderes westliches Bündnis lieber ohne amerikanische Beteilung sehen würden.

Abu Ghraib

Was hält uns davon ab, uns endgültig von den USA zu distanzieren, nachdem so viele Gründe dafür sprechen?

Welche Werte verbinden uns mit einem Land, das so etwas wie Abu Ghraib zu verantworten hat? Das nach Meinung seiner neo-konservativen Strategen ab und zu ein Land an die Wand schmettern sollte – nur aus Prinzip? Das ohne echten Grund den Irak zerschlagen hat? Das Vietnam als Trümmerfeld hinterliess?

Die Antwort ist zuerst eine Gegenfrage: Auf welchem hohen Ross sitzen Leute, die solche Verfehlungen mit der denkbar grössten moralischen Verachtung abliefern, wo doch ihre Nation vor nicht allzu langer Zeit halb Europa in Schutt und Asche legte und den Holocaust zu verantworten hat?

Auf Misstände darf man sehr wohl zeigen. Nur macht der sich zum Holzkopf, der dabei das Maß aus den Augen verliert und anschliessend, aufgrund von Hilflosigkeit oder Weltfremdheit, das Gute in der Ferne sucht.

Bruder Putin ?

Sollten Deutsche, sollten Europäer mehr mit Russland oder China gemeinsam haben als mit Amerika (oder England, das im Irak offenbar auch gefoltert hat)? Das kann nur ein böser Scherz sein.

Dasselbe gilt sinngemäß für Israel. Dieses Blog übt regelmässig Kritik an der Politik Israels gegenüber den Palästinensern.

Sollte das ein Grund sein, sich von Israel als Ganzes zu distanzieren? Absurd. Ohne Arabern im allgemeinen oder Palästinensern im Besonderen zu nahe treten zu wollen: Kulturell stehen wir Israel sehr nahe, ebenso wie den Amerikanern. Wir haben weitgehend funktionierende Gerichte, persönliche Freizügigkeit, eine leidlich intakte Wirtschaft, sehr mässige Korruption usf. Das war abstrakt formuliert. Israel gefällt mir einfach als Land sehr gut, ich fühle mich vor Ort pudelwohl, mag das Essen, die Museen, die Weine, das bunte Leben. Es ist wie zuhause, nur ein bisschen anders. So einfach ist das.

Es ist wie mit einem Familienmitglied, das man wirklich sehr gerne hat. Wenn man schlechte Seiten an ihm erfahren muss, ist man stärker davon betroffen, als wenn man dieselben Fehler an einem beliebigen anderen Menschen sehen würde. Deswegen verstösst man nicht seine Familie. Eine perfekte Welt wird es nie geben. Man muss versuchen, die Familie zu schützen, so lange sie noch genügend Eigenschaften hat, die schützenswert sind, und “schützen” heisst  gerade nicht nicht wegsehen oder nachgiebig dulden. Wer diese grundlegenden Zusammenhänge nicht versteht, hat wahrscheinlich ein ganz anderes Problem.

Einen “Bruder Putin” jedenfalls will und kann ich mir gar nicht vorstellen.

Deshalb hat Esslinger vollkommen recht, wenn er den Deutschen die Formel “Wir teilen ein paar Werte mit den Amerikanern” durchgehen lässt, dann aber scharf abgrenzt:

Mag ja sein – aber mit Putin nicht einmal das.

Warum dann mein gestriges Gerede vom drohenden Überwachungsstaat USA, Israel oder Deutschland?

Nicht um zu zeigen, wie verkommen die drei Länder sind. Schon gar nicht um zu zeigen, dass Putin ein “lupenreiner Demokrat” ist, wie der jämmerlich gekaufte Ex-Bundeskanzler Schröder in selten gesehenem Opportunismus meinte.

Sondern um zu warnen vor dem drohenden Verlust. In den USA. In Israel. Bei uns.

Kaum jemand hat diesem offenbar so kultivierten Deutschland damals zugetraut freiwillig und absichtsvoll in den Abgrund der Barbarei zu marschieren. Und doch…

Die Geschichte wiederholt sich nicht. Aber sie ist sehr trickreich in ihren Variationen.

Wenn wir uns nicht vor uns selbst schützen – wer dann?

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Israel & USA : bald perfekter Überwachungsstaat ?

Als 1998 der großartige Kinofilm

Staatsfeind Nr. 1

mit Will Smith und Gene Hackmann in den Hauptrollen in die Kinos kam, hörte man wohl das erste mal von der NSA.

Bestimmt waren alle beindruckt von der spannenden Story. Bestimmt glaubte niemand, dieses Überwachungsmonstrum existiert in Wirklichkeit. Heute wissen wir es besser. Die Dienste haben sich zu Kraken entwickelt.

Das Wort Dienst kommt übrigens von dienen.

Interessant, sich die zugehörige Definition im Duden anzusehen:

in abhängiger Stellung [gegen Lohn, Gehalt] bestimmte Pflichten erfüllen, bestimmte Arbeiten verrichten, bei jemandem Dienst tun, in jemandes Dienst stehen

Die “höhere” Definition von dienen lautet:

sich einer Sache oder Person freiwillig unterordnen und für sie wirken

Geheimdienste dienen – sich selbst

Es gibt nicht mehr viele, die mit Blick auf NSA, CIA, BND, Shabak / Shin Bet unterschreiben würden, dass diese Einrichtungen dem Volk dienen.

Sie dienen sich selbst, und der Anhäufung ihrer Macht. Von Unterordnung kann keine Rede sein. Das konnte man gut beobachten während der Anhörungen von NSA- und CIA-Verantwortlichen vor dem US Senatssausschuss. Allein die Tatsache, vor der Volksvertretung Rede und Antwort stehen zu müssen wurde als Beleidigung aufgefasst, und man hatte alle Mühe, sich zu beherrschen.

Heartbleed

Gerade wird bekannt, dass die NSA seit längerem von der Sicherheitslücke Heartbleed wusste, wie die Süddeutsche berichtet:

“Wir beschützen die Informationen und die Informationstechnologien, die für die US-Interessen essenziell sind.” So hat die NSA eines ihrer zentralen Ziele formuliert.

Doch die in der vergangenen Woche öffentlich gewordene Sicherheitslücke namens Heartbleed sorgt dafür, dass Angreifer die Verschlüsselung aushebeln und so vermeintlich geschützte Daten abgreifen können. Sie gefährdet also Millionen Amerikaner, Tausende Online-Geschäfte und sogar die Informationen auf Regierungsseiten, die mit der Technik arbeiten.

Die NSA hätte somit die Privatsphäre und Sicherheit ihrer eigenen Bürger massiv gefährdet, um ihrem Spionagegeschäft nachzugehen. Ein größerer Vorwurf lässt sich kaum erheben.

Aber die Zeit bleibt nicht stehen. Die furchtbaren Dinger haben sich noch viel vorgenommen.

Gedanken lesen

Die israelische Zeitung Haaretz berichtet von einem aktuellen Strategiepapier des Innenministeriums. Darin werden aktuelle Projekte dargestellt, deren Ergebnisse der Polizei und den Diensten so bald wir möglich zur Verfügung gestellt werden sollen.

In den Strassen wird es intelligente Kamerasysteme geben, die in der Lage sein sollen die Stimmung der Personen zu erkennen. Mit geeigneten Algorithmen wird man in der Lage sein aufgrund des Verhaltens einer Person auf einem Parkplatz unterscheiden zu können, ob es sich um einen angespannten Menschen handelt, der seinen Schlüssel verloren hat, oder um einen Autoknacker, der auf einen günstigen Moment für einen Einbruch wartet.

Absichten erkennen

Man will anhand des Geruchs eines Menschen in der Menge erkennen, ob man es mit einem Messerstecher oder einem Attentäter zu tun hat.

Sprechende Hunde

Was sich am verrücktesten anhört, dürfte technisch am einfachsten sein: Sprechende Hunde. Offenbar kann man die Hirnströme von Hunden gut lesen. Was liegt näher, als bestimmte leicht zu erkennende Denkmuster von Polizei- oder Zollhunden mit Hilfe eines kleinen Sprachmoduls, angebracht am Hals des Tiers, in menschlichen Sätzen ausdrücken zu lassen?

Der Hund erschnüffelt Drogen, hat entsprechende Hirnströme, das Modul erkennt das, und schon sagt der zähnefletschende Deutsche Schäferhund zum Dealer “Sie tragen Kokain bei sich. Hinlegen. Keine Bewegung!”

Die Hunde-Nase übrigens soll ersetzt werden durch elektronische Hundenasen, die ermüdungsfrei arbeiten sollen.

Generalverdacht statt Unschuldsvermutung

Soweit die blauäugige Version: Geschnappt werden die Richtigen!

Im wirklichen Leben dürfte es anders aussehen. Angesichts einer unbestimmt grossen Menge an Menschen, auf die sich solche Techniken beziehen werden, tut man gut daran die Gauss`sche Normalverteilung zu berücksichtigen. Diese Normalverteilung ist immer gekennzeichnet von einer Merkmals-Häufung und Merkmals-Ausläufern. Simples Beispiel: statistisch gesehen sind die meisten Menschen 1,80m gross. Es gibt relativ wenige, die nur 1,50m klein oder 2,10m gross sind. Damit haben wir es aber nicht mit 3 fein säuberlich zu trennenden Kategorien zu tun (1, 80 / 1,50 / 2,10). In Wirklichkeit gibt es neben dem 1,78256m-Mann auch den 1,78255m-Mann, der nicht wie der erste leicht gebückt läuft, sondern aufgrund eines Hüftleidens schief läuft…

Körpergerüche… Was für ein komplexes Feld. Wer kennt nicht Menschen, die schon bei der kleinsten Anspannung gewissen scharfe Gerüchte ausströmen? Wie unendlich unterschiedlich ist der Körpergeruch ein und desselben Menschen, wenn er sich nach einem Tag wieder duscht (mit welchem Schampoo?) oder nach zwei Tagen?

Läuft Mister Miller nun mit gesenktem Blick und scharfem Schweissgeruch über den öffentlichen Platz, weil er eine Bombe trägt, oder weil er nach einem nervtötenden Streitgespräch mit seinem Chef bedrückt nach Hause geht? Jedenfalls wird er aufgrund seines Verhaltens- und Eigenschaftsmusters gestellt. Dumm: Mister Miller trägt zur fraglichen Zeit eine Pistole bei sich (war ein Sonderangebot des Waffen-Shops um die Ecke).  Kann der Waffenkauf wirklich Zufall sein? Er wird vorsorglich in Haft genommen. Die Frau zuhause wird angerufen. Sie ist stinksauer wegen des letzten Fremdgehens ihres Mannes – was sie der Polizei natürlich nicht sagt – und findet nichts dabei, ihn schmoren zu lassen. Ja, gibt sie an, ihr Mann verhalte sich in letzter Zeit merkwürdig… Mister Miller ist nun in ernsten Schwierigkeiten.

Solche Beispiele lassen sich in beliebiger Zahl und Variation vorstellen.

Die Technik soll in der Lage sein, diese Feinheiten zu erkennen (die tatsächlich unendlich komplexer sind, als im vorgenannten groben Beispiel) und angemessen darauf zu reagieren?

Läuft es nicht darauf hinaus, dass sich bald mehr Menschen denn je grundlos einem Verdacht ausgesetzt sehen, den sie dann ausräumen müssen? Was im Einzelfall sehr problematisch sein kann.

Zusammenarbeit Israel – Amerika

Diese neuen Projekte entspringen der Kooperation zwischen Israels Sicherheitsbehörden und der US Homeland Security.

Die Entwicklung ist weit voran geschritten.

Bald werden Israelis und Amerikaner sicherer sein denn je.

Ein bisschen später auch wir.

1984 : Schöne Neue Welt

Ist das wie “1984″ von George Orwell? Der übermächtige Überwachungsstaat?

Nein, es ist irgendwie beängstigender. Denn obwohl diese Tendenzen seit Jahren klar erkennbar sind, scheint sich niemand bedroht zu fühlen.

Ein wenig besorgt – ja! Darüber diskutieren – eine “gesellschaftliche Debatte führen”, wie es so schön heisst? Gerne!

Im Grunde aber gilt – Frau Merkel macht`s vor – Wegschauen, oder spannend, unterhaltsam, belustigt, oder vorzugsweise empört, aber stets emsig darüber twittern und posten, aber bei all dem bitte nicht die eigene Ruhe und Behaglichkeit, die eigene schöne Welt stören lassen.

1984 scheint sich – was für eine böse Laune der Geschichte – mit der “schönen neuen Welt” Huxley`s zu verbünden:

Überwachung bei bester Laune!

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Israel - Zitat des Tages

 Zionismus ist ja gerade der Versuch, das jüdische Volk aus seiner tragischen Rolle der Minderheit zu erlösen, ihm die nationale Freiheit im eigenen Land zu geben. Freiheit heißt Selbstbestimmung. Diese ist nur auf dem Boden der eigenen Heimat möglich und nur dann, wenn das Volk an Zahl und Kraft stark genug ist, sich kulturell, wirtschaftlich und politisch auf diesem Boden zu behaupten - d.h. wenn es Majorität ist.

Richard Lichtheim
(Führender Kopf des zionistischen Revisionismus. In einem Artikel von 1931. Die Revisionisten in der zion. Bewegung vertraten eine "aggressive" Politik zur Erreichung der Ziele in Palästina.)

Presseschau Naher Osten (englisch)

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