Israel: Keine Mehrheit für die Spucker!

facebooktwittergoogle_plusredditpinterestlinkedinmail

Der Angreifer schrie den Journalisten mit heiserer Stimme an, beschimpfte ihn mit geschwollenen Halsadern als Linken, Araberfreund, Israelhasser und einiges mehr, das nicht druckreif ist. Dann wurde dem Journalisten und seiner Freundin ins Gesicht gespuckt.

Das war letzten Freitag. Gideon Levy, Reporter der liberalen israelischen Tageszeitung Haaretz, kam gerade vom Einkaufen vom quirlig-schönen Tel Aviver Carmel-Markt, als sich ein Orthodoxer ihm und seiner Begleitung in den Weg stellte.

Das war nicht das erste mal, berichtet Levy, dass er auf offener Straße angefeindet wurde. Es war aber das erste mal, dass er angespuckt wurde.

Levy kann sich gut vorstellen, welches Israel sich solche Orthodoxe wünschen. Eins, das frei ist von solchen Leuten wie ihm. Den Linken. Den Liberalen. Eins ohne einen säkularen Obersten Gerichtshof. Eins ohne Menschenrechtsgruppen.

Das zeigt Levy, dass er weiter machen müsse.

Die Leute, die so eingestellt seien wie der Angreifer, stellten bereits die Mehrheit.

Nun gelte es zu verhindern, dass sie zu Tyrannen über den Rest würden.

Denn das, so Levy, wäre ein Alptraum.

Levys Sorgen sind begründet. Seit langem schwelt ein Kulturkampf in Israel, bei dem es um die grundlegende Frage geht wohin sich das Land entwickeln soll.

Die Politik versucht diesem hochbrisanten Thema auszuweichen, so gut es geht. Bislang geben die Orthodoxen Tempo und Richtung dieser Auseinandersetzung vor. Der Rest möchte mehr oder weniger nur seine Ruhe haben.

Das Prinzip Hoffnung war aber in politisch unruhigen Zeiten schon immer ein gefährlicher Ratgeber.

– Schlesinger

 

Getagged mit: , , ,
Veröffentlicht unter Gesellschaft, Israel

Israel - Zitat des Tages

 Einmal fragte ich Mutter: Meinst Du, daß wir ihnen eines Tages, in vielen Jahren, vielleicht vergeben werden? Mutter gab mir zur Antwort: Wenn sie sich selbst nicht vergeben, dann werden wir ihnen vielleicht irgendwann ein bisschen vergeben. Aber wenn sie sich selbst vergeben, dann werden wir ihnen nicht vergeben.

Amos Oz
(Israelischer Schriftsteller. Zur letztlich sehr grundsätzlichen Frage, unter welchen Umständen man jemandem eine sehr große Schuld vergeben kann.)

Presseschau Naher Osten (englisch)

Andere Nahost-Blogs

Was andere Blogs schreiben

Archiv