Israel: Keine Mehrheit für die Spucker!

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Der Angreifer schrie den Journalisten mit heiserer Stimme an, beschimpfte ihn mit geschwollenen Halsadern als Linken, Araberfreund, Israelhasser und einiges mehr, das nicht druckreif ist. Dann wurde dem Journalisten und seiner Freundin ins Gesicht gespuckt.

Das war letzten Freitag. Gideon Levy, Reporter der liberalen israelischen Tageszeitung Haaretz, kam gerade vom Einkaufen vom quirlig-schönen Tel Aviver Carmel-Markt, als sich ein Orthodoxer ihm und seiner Begleitung in den Weg stellte.

Das war nicht das erste mal, berichtet Levy, dass er auf offener Straße angefeindet wurde. Es war aber das erste mal, dass er angespuckt wurde.

Levy kann sich gut vorstellen, welches Israel sich solche Orthodoxe wünschen. Eins, das frei ist von solchen Leuten wie ihm. Den Linken. Den Liberalen. Eins ohne einen säkularen Obersten Gerichtshof. Eins ohne Menschenrechtsgruppen.

Das zeigt Levy, dass er weiter machen müsse.

Die Leute, die so eingestellt seien wie der Angreifer, stellten bereits die Mehrheit.

Nun gelte es zu verhindern, dass sie zu Tyrannen über den Rest würden.

Denn das, so Levy, wäre ein Alptraum.

Levys Sorgen sind begründet. Seit langem schwelt ein Kulturkampf in Israel, bei dem es um die grundlegende Frage geht wohin sich das Land entwickeln soll.

Die Politik versucht diesem hochbrisanten Thema auszuweichen, so gut es geht. Bislang geben die Orthodoxen Tempo und Richtung dieser Auseinandersetzung vor. Der Rest möchte mehr oder weniger nur seine Ruhe haben.

Das Prinzip Hoffnung war aber in politisch unruhigen Zeiten schon immer ein gefährlicher Ratgeber.

– Schlesinger

 

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Veröffentlicht unter Gesellschaft, Israel

Israel - Zitat des Tages

 ... dieser Beschluss ist eine würdelose Kapitulation vor dreisten arabischen Drohungen [und] das demütigste und empörendste politische Vorkommnis [...] seit dem Verrat, den 1938 die Demokratie an der Tschechoslowakei verübte. [...] Der kleine jüdische Staat in Palästina wäre eine Demokratie arbeitsamer und kulturwilliger Menschen gewesen, der die ganze natürliche Sympathie eines Landes von den Traditionen Amerikas gehören sollte. Warum sind wir verdammt, überall in der Welt das Schlechte, Retrograde, Faule, den Völkern verhaßte - in diesem Fall den Feudalismus der arabischen Ölmagnaten - zu stützen und die Demokratie zu ruinieren, indem wir vorgeben, sie zu verteidigen?

Thomas Mann
(Schriftsteller, Literatur-Nobelpreisträger 1929. Angesichts des drohenden Politikwechsels in Washington, nun doch nicht für die Gründung eines jüdischen Staats eintreten. Präsident Roosevelt hatte dies in einem Brief vom April 1945 an den saudischen König Saud angekündigt.)

Presseschau Naher Osten (englisch)

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