Die Bundeswehr, ihr Starfighter, unsere CDU und die liebe Moral

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8 Milliarden Mark kostete das Starfighter-Programm.

Das seinerzeit teuerste Rüstungsprogramm der Bundeswehr.

292 Maschinen stürzten ab. Das war jedes dritte Flugzeug.

116 Piloten kamen ums Leben.

Das brachte dem Jagdflugzeug die Spitznamen “Witwenmacher” und “Fliegender Sarg” ein.

Den Hinterbliebenen wurde gesagt, es handele sich um “menschliches Versagen”.

Der CDU-Verteidigungsminister Kai-Uwe von Hassel tönte im Bundestag:

Jede Luftwaffe der Weltmuss bereits im Frieden mit einer gewissen Verlustrate rechnen.

Dieses Risiko wächst, je höher die Leistungsfähigkeit eines Flugzeugs ist.

Es ist nicht möglich diesem, mit einer modernen Rüstung verbundenen Risko auszuweichen, denn im Verteidigungsfall hat nur der Pilot eines Hochleistungsflugzeuges die Chance, seinen Auftrag auszuführen.

Die Toten irritierten den strammen Christsozialen kein bisschen, und er hielt fest an der Wundermaschine:

Nicht nur falsch, sondern in höchstem Maße verantwortungslos ist die Behauptung, die Starfighter seien heute allenfalls bedingt einsatzfähig.

Der CSU-Vorsitzende Franz-Josef Strauß, der als vorheriger Verteidigungsminister zuständig war für die Anschaffung, attackierte auch im Angesicht der Abstürze alle Gegner, denn dieses Flugzeug sei:

das Optimum an technischer Leistungsfähigkeit, Erfüllung der militärischen Kriterien und gleichzeitig ökonomischer Einkaufsleitung und rationeller Unterhaltungsmöglichkeit

Zynischer konnte kaum argumentiert werden.

Aber es blieb nicht bei Worten.

Gerlinde Hippel, Witwe eines abgestürzten Piloten, strengte gegen die amerikanische Herstellerfirma Lockheed eine Klage an.

Die Bundesregierung tat ihr möglichstes, um Frau Hippel einzuschüchtern. Sie erhielt Anrufe aus dem Verteidigungsministerium, man könne ihr auch die Hinterbliebenenrente wegnehmen. Irgendwann stand der Verfassungsschutz vor der Haustüre, wie im Film, mit Hüten und langen Mänteln. Später tauchten die Herren auch nächtens im Garten auf. Angst hatte Frau Hippel da, mit ihren zwei kleinen Kindern.

Die Frau ließ sich aber nicht einschüchtern und erreichte mit Hilfe eines US-Anwalts eine Zahlung von Lockheed an alle Hinterbliebenen: 6 Millionen Mark.

Das war der Preis 1 Starfighters.

An Geschichten wie diese sollte man denken, wenn von “unseren Werten” gesprochen wird oder wenn man sich die Frage stellt, was um Gottes willen das “christlich” in einem Parteinamen zu suchen hat.

Zumindest dieser eine von Amts wegen geäußerte Satz war korrekt: Es handelte sich um menschliches Versagen. Unserer christsozialen Führer.

– Schlesinger

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Veröffentlicht unter Deutsche Politiker

Israel - Zitat des Tages

 Wenn ich vor Euch stehe, Richter Israels, in diesem Gericht, um die Anklage gegen Adolf Eichmann vorzubringen, stehe ich nicht allein. Neben mir stehen in dieser Stunde sechs Millionen Ankläger. Doch sie können nicht ihre Finger in Richtung der Glaszelle erheben gegen den mann, der dort sitzt und sagen: Wir klagen an. Denn ihre Asche liegt verstreut auf den Abfallhaufen von Auschwitz, auf den Feldern Treblinkas, ausgeschüttet in Polens Flüssen. Ihr Blut schreit zum Himmel, aber ihre Stimme ist verstummt. Darum werde ich ihr Mund sein und in ihrem Namen die furchtbare Anklage erheben.

Gideon Hausner
(Generalstaatsanwalt Israels von 1960-1963. Zur Eröffnung des Prozesses gegen Adolf Eichmann, dem NS-Organisator der Transporte von Juden in die Konzentrationslager)

Presseschau Naher Osten (englisch)

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