Hisbollah, Mohammed-Video, Mittelalter

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Was für ein Schlag in die Weichteile all jener, die Rationalität so gerne gleichverteilt sehen möchten unter Europäern, Amerikanern, Arabern…

In den arabischen Städten tobt eine entfesselte Masse.

Graffiti Hassan Nasrallah

Graffiti Hassan Nasrallah

Beleidigung des Propheten

Sie wütet gegen die Beleidigung Mohammeds. Die Beleidigung kommt in Form eines peinlichen, billigen B-Videos, das von einem aufgeblasenen Rassisten in irgendeinem Hinterhof Amerikas gedreht wurde.

Kein vernünftiger Mensch käme auf die Idee so ein Video ernst zu nehmen.

Und doch tobt ein Mob von Kairo über Teheran bis Beirut. Tut so, als käme das Video aus dem Weissen Haus.

Skandiert Parolen, brandstiftet und schlägt tot. Ob darunter inszenierte, gar orchestrierte Aktionen von Al-Quaida sind, spielt angesichts der schieren Menge der Protestierenden kaum eine Rolle.

Nasrallah : Angriff gegen Islam

In Beirut hat Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah einer jubelnden Menge zugerufen, dass die jüngsten Proteste der „Anfang einer ernstzunehmenden Mobilisierung“ in der islamischen Welt sei. Gegen den Westen, versteht sich.

Der gebildete und dazu schlaue Nasrallah weiß perfekt, wie leichtgläubig, wie leicht verführbar seine Gefolgsleute sind und gab allen Ernstes kund, dieses Video sei der schlimmste jemals auf den Islam gestartete Angriff.

Leider hat niemand gelacht.

Nicht dass das Abendland strotzen würde vor Vernunft, aber angesichts solcher Ereignisse wird einem bewußt, dass es in Europa eine Aufklärung gab, die man andernorts schmerzlich vermisst.

Sicher: Es gibt zahlreiche rationale Erklärungen dafür, dass das Video nur Auslöser war. In Wahrheit stünden andere Motive im Hintergrund: Die ökonomisch schlechte Lage, die Verfehlungen und Kriege der Amerikaner, die Folgen der despotischen Regimes, die Subversion durch Al-Quaida und andere extremistische Gruppen.

Alles wahr. Aber das alles befreit den Einzelnen nicht Verantwortung zu tragen, und nicht auf das bloße Wort eines Mullahs, eines Aufwieglers, eines Politikers loszustürmen und der Gewalt freien Lauf zu lassen.

— Schlesinger

PS.: Möge nun niemand einwerfen, dass die Jubelstürme deutscher Männer und die ektstatischen Freudentränen deutscher Frauen im Angesicht des Führers ebenfalls kein Zeugnis ablegen von der Aufklärung im Abendland (was in der weiteren Folge nicht fünf, sondern immerhin 50 Millionen Tote mit sich brachte). Auch ein Hinweis, dass diese Ereignisse zwar 60 Jahre zurückliegen, aber in irgend einer abgewandelten Form durchaus wieder Blüten treiben könnten – die Geschichte ist erfinderisch! – , vielleicht nicht in Deutschland, aber in Amerika, oder Griechenland, oder …, auch das liesse sich schwerlich abtun. Mit Einwürfen dieser Art hätte er/sie vollkommen recht…, aber das würde die obige Empörung relativieren, was dem Verfasser gerade nicht passt. Und heute, das lässt sich sagen, heute treibt die Unvernunft ihre spektakulärsten Blüten auf den arabischen Straßen. Und die Gebildeten vor Ort schweigen, oder werden nicht gehört.

PS2.: Einen guten Zwitscherer habe ich bei Ali Arbia (aka zoon politicon) aufgelesen:

Headline you will never see: Thousands of angry Jewish-Americans storm Egyptian embassy to protest anti-Semitic film.

— Blake Hounshell (@blakehounshell) September 14, 2012

PS 3 / UPDATE 30.09.2012: Es gibt auch massenhafte aufgeklärte arabische „Wutbürger, die sich von Extremisten und Aufwieglern nicht mehr ausnutzen lassen wollen.

Photo: thierry ehrmann Wikipedia CC Lizenz

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Veröffentlicht in Hassan Nasrallah, Hizbollah, Naher und Mittlerer Osten

Israel - Zitat des Tages

 At times it seems as if what Jews do to other jews in this country [Israel] would be defined in any other country as nothing less than antisemtisim.

David Grossman
(Israelischer Autor. Man vergleiche das mit einer nicht untypischen Äußerung eines ultra-orthodoxen jüdischen Siedlers: "The Israeli secular entity has to be destroyed. God can't reveal himself until it's all wiped out. As long as the state of Israel stays as it is, there will be no redemption." Shmuel Ben Yishai, Settler, Hebron (Interview CBS Frontline April 2005). Was der Siedler hier verlangt ist nichts weniger als die Beseitigung des Staates Israel.)

Presseschau Naher Osten (englisch)

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