Zitat des Tages:

  Als wir 1967 den wunderbaren, geradezu biblischen Sieg über unsere versammelten Feinde errungen hatten, habe ich mich selbst - und ich betrachte mich als einen ziemlich ungläubigen Juden - die mystische Erschütterung, den Finger Gottes gespürt. Jetzt ist es wieder soweit. Die Existenzkrise, die sich unerbittlich abzeichnet, kommt den Predigern der starren Rechtgläubigkeit zugute. Haben Sie beobachtet, wie sehr sich die Träger der Kipa, des runden Käppchens, das man als Zeichen des religiösen Engagements auf dem Hinterkopf trägt, bei uns in letzter Zeit vermehrt haben?

"Uri"
(Israelischer Journalist. Gesprächspartner von Peter Scholl-Latour, 1982, vor Beginn des Libanonfeldzugs, über den zunehmenden Einfluss der Rechten.)

 

Hebräische Universität von Jerusalem: Top-Ranking

Martin Buber, Judah Magnes (rechts) 1946

Martin Buber, Judah Magnes (rechts) 1946

Das amerikanische Magazin The Scientist hat die Uni von Jerusalem zum zweitbesten Studienort außerhalb der USA und zum neunt besten in derWelt gekürt.

Bemängelt wurde lediglich, dass die Budgets für Forschungen manchmal knapp ausfallen.

Letztes Jahr wurde das Weizmann Institute in Rehovot besonders hervorgehoben.

Auch wenn man dafür keinen weiteren Beweis durch die Fachzeitschrift The Scientist braucht: Einmal mehr ist der Wissenschaftsstandort Israel zurecht gewürdigt.

Glückwunsch an die Universität von Jerusalem!

Erinnerung an die Universität Jerusalem 1948

An dieser Stelle lohnt die Erinnerung an Judah Magnes, den ersten Präsidenten der Universität von Jerusalem, einem Pazifisten, Philosophen und frühen Zionisten. Die israelische Haaretz berichtete in einem Rückblick:

When the United Nations passed the partition plan on November 29, 1947, not all the Jews celebrated in the streets.

A group of intellectuals, most of them Hebrew University lecturers, believed that the war that would break out in the wake of the establishment of a Jewish state would bring disaster down on the Jews and the Arabs alike.

[...]

Am 12 April  1948 schrieb der 70jährige Magnes in sein Tagebuch:

For more than a generation I have been pleading for peace, conciliation, understanding.
How can I not and stand before the world and say:

‘Friends, stop the bloodshed. Understanding is possible.’

This is the moment I have been preparing for all these years.

Am 13. April 1948 wurde ein jüdischer Konvoi auf dem Weg zum Hadassah-Krankenhaus, das auf demselben Gelände wie die Universität gelegenen ist, von arabischen Einheiten angegriffen.

79 Ärzte, Krankenschwestern und anderes Personal wurden getötet, darunter auch der Direktor des Krankenhauses Dr. Chaim Yassky. Manche sind in den Fahrzeugen bei lebendigem Leib verbrannt.

Folgende Aspekte sind dem anzufügen:

- Der im arabischen Osten Jerusalems gelegene Scopusberg, auf dem die Universität und das Hadassah-Krankenhaus liegen, diente auch als Stützpunkt der jüdischen Armee Haganah

- die arabische Seite warnte den Campus, man werde ihn angreifen, wenn er weiterhin als Basis dienen würde

- der Konvoi transportierte eine größere Menge Waffen und Munition

American correspondent eye witnessed removal from trucks large quantities of arms and ammuntion and speculated whether for escort or other purpose.

- Die Haganah lehnte ein Angebot des Roten Kreuzes ab, den Scopusberg unter der Voraussetzung zu übernehmen, dass er demilitarisiert wird

- Vier Tage vor dem Massaker auf dem Skopusberg hat die terroristische jüdische Untergrundorganisation Irgun die arabische Ortschaft Deir Yassin angegriffen und über Hundert Zivilisten – darunter viele Alte, Frauen und Kinder – an die Wand gestellt und erschossen.

Diese Aspekte mildern nicht die moralische Schuld der arabischen Einheiten, wehrlose Zivilisten in brutaler Art massakriert zu haben.

Neben der moralischen Verantwortung gibt es aber auch eine politische Verantwortung für die Opfer des Hadassah.

Es lagen viele Hinweise vor, dass die Beibehaltung des zivilen Betriebs auf dem Skopusberg bei gleichzeitiger Nutzung des Areals für militärische Zwecke höchst gefährlich sein würde. Das hat die politische Führung ignoriert. Die Ärzte und Schwestern freilich wollten sehr ehrenhaft nur ihrer Pflicht nachkommen und hatten wohl keine Chance, ihr Risiko objektiv zu werten.*

Jehuda Magnes jedenfalls war wegen des furchtbaren Überfalls ebenso schockiert wie über die Vorgeschichte:

Magnes was no less shocked by the massacre than he was by the circumstances that preceded it:

Four days earlier, the Irgun and Lehi pre-state Jewish underground militias killed more than 100 Palestinians at Deir Yassin.

Pazifistische Tradition

Die Universität von Jerusalem scheint eine ehrenhafte pazifistische Tradition zu haben.

Seit längerem protestieren Studenten dieser Universität jede Woche im arabischen Stadtteil Sheik Jarrah, um gegen die schleichende Übernahme dieses arabischen Viertels durch orthodoxe Siedler zu protestieren.

Auch dafür: Respekt.

– Schlesinger

Photo: Martin Buber, Judah Magnes (1946) (Wikimedia Public Domain)

* Ähnliches kann man über eine arabische politische Verantwortung im Fall des jüdischen Massakers von Deir Yassin nicht sagen. Im Gegenteil. Die Gemeinde hatte einen Nichtangriffspakt mit der jüdischen Nachbargemeinde Givat Shaul abgeschlossen, bei dem auch der lokale Haganah-Kommandeur eingebunden war. Man durfte sich in Deir Yassin also trotz der unguten allgemeinen politischen Lage sicher fühlen.

Als schliesslich die Irgun das arabische Dorf angriff, haben einige Bewohner von Givat Shaul versucht, die eigene Miliz von den Gräueln abzuhalten. Diese wahren Helden auf jüdischer und arabischer (und jeder) Seite gab und gibt es immer: Der Strohhalm, nicht vollends am Menschen zu verzweifeln.

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  From the smallest infant, even smaller than Mohammed, to the oldest person, we will all sacrifice ourselves for the sake of Jerusalem. (Die palästinensische Mutter Raida Mustafa aus Gaza, deren schwerkranker kleiner Sohn mit Hilfe eines israelischen Spenders einer teuren Operation in Israel unterzogen werden konnte. Die politischen Einstellungen werden dadurch nicht beeinflusst. Das Zitat stammt aus der neuen israelischen Dokumentation über Gaza mit dem Titel Precious Life, von Shlomit Eldar.)

Tom Friedman, NYT

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