Zitat des Tages:

  Selbst wenn die westliche Intervention in Afghanistan Erfolg haben sollte, dann werden neue Dschihadisten voraussichtlich an anderen Orten neue Führungszentren etablieren.

Helmut Schmidt
(Bundeskanzler von 1974-82. Über die wenig hoffnungsvolle Lage in Afghanistan.)

 

Dokumentation: 6 Tage Krieg (1967)

Die ARTE Produktion “Sechs Tage Krieg” liefert gründliche Informationen zu den Ursachen des Kriegs, der wie kein anderes Ereignis seit der gründung Israels die folgenden Jahrzehnte im Nahen Osten bestimmen sollte.

Kurz nach Kriegsende und noch lange Jahre danach galt der  Sieg Israels als “Wunder”, demzufolge Israel entgegen allen Erwartungen über die arabische Übermacht triumphierte.

Tatsächlich war es ganz anders. Mehr noch als im sogenannten “Unabhängigkeitskrieg” von 1948 wußten die Militärs in Israel genau, wie groß die eigene Überlegenheit war.

Ägyptens populistischer Präsident Gamal Abd el Nasser hatte Anfang Juni 1967 Truppen in Grenznähe zu Israel gebracht, nachdem er von den sowjetischen Verbündeten die Nachricht erhalten hatte, Israel habe starke Streitkräfte gegen Syrien in Stellung gebracht. Ägypten und Syrien waren durch einen Beistandspakt verbündet.

Der israelische militärische Geheimdienst machte sich keine großen Sorgen: Der ägyptische Aufmarsch sei eine politische Drohgebärde, die keinen militärischen Wert habe. Die Generäle wollten es aber anders sehen, und die Medien trugen ihren Teil zur Stimmungsmache bei.

Euphorisiert durch die arabischen Massen, die eine Revanche für 1948 vor Augen hatten und irregeführt durch die großspurigen Beteuerungen seines Generalstabschefs Amer fuhr Nasser fort mit seinen Provokationen: Er zwang die UN-Blauhelme zum Abzug aus Gaza und sprach ein Verbot für israelische Schiffahrt durch den Suez-Kanal aus.

Levi Eshkol, der damalige Ministerpräsident Israels, wehrte sich vergeblich gegen das unaufhörliche Drängen seiner Generäle und der Opposition, einen Angriffskrieg gegen Ägypten führen zu müssen, allen voran Stabschef Yitzhak Rabin.

Es war das israelische Militär, das seine Chance haben wollte, die Araber vernichtend zu schlagen und die wenigen Niederlagen aus dem Krieg von 1948 zu rächen, und an Gebietsgewinnen nachzuholen, was man 1948 versäumt hatte.

Als die nervöse Stimmung in der israelischen Bevölkerung drohte ins Hysterische zu kippen – geschürt durch pompöse, wüste ägyptische  Radiosendungen die auf hebräisch gesendet wurden und die die Vernichtung Israels ankündigten – , sah sich Eshkol gezwungen den Kriegshelden und Hardliner General Moshe Dayan als Verteidigungsminister ins Kabinett zu holen. Gegen den charismatischen Dayan konnte Eshkol nichts ausrichten.

Danach waren Eshkol und Nasser Geiseln ihrer vorangegangenen Aktionen und der Verhältnisse, die sie geschaffen oder zugelassen hatten.

Die ägyptische Führung hatte zuviel Kriegslust geweckt, um ohne Gesichtsverlust einen Rückzieher machen zu können, und die israelischen Generäle haben in der Bevölkerung zuviel Panik gesät aufgrund der vermeintlich bevorstehenden Vernichtung Israels durch Ägypten. Auch sie konnten schwerlich untätig bleiben.

Der Kriegsausgang entsprach im Wesentlichen den Vorhersagen der militärischen Analysten auf israelischer Seite. Es war kein “Wunder”. Es war der mehr als normale Ausgang eines Kriegs, in dem eine Seite über die deutlich besser ausgerüstete und ausgebildete Armee verfügt.

Wenige Tage nach Kriegsende fand in Tel Aviv eine Tagung der Arbeiterpartei statt. Ganz Israel war in jenen Tagen euphorisch über den Sieg. Man sah schon den Beginn der biblischen Verheißungen.

Auf der Tagung war der Staatsgründer und langjährige ehemalige Ministerpräsident David Ben-Gurion zu Gast. Ben Gurion war nicht bekannt für große Nachsicht gegenüber den Arabern. Und doch war er verstört und übellaunig angesichts der Stimung im Land. Der messianische Geist, der plötzlich herrschte, nahm er als Bedrohung wahr gegen den säkularen, politischen Zionismus, den er immer vertrat. Zum Entsetzen seiner Zuhörer forderte Ben Gurion, Israel müsse sofort die besetzten Gebiete in der Westbank zurück geben, ansonsten würde es schlimme Folgen haben.*

Levi Eshkol machte angesichts der Siegeseuphorie gute Miene. Er war nie für diesen Krieg. Eineinhalb Jahre später starb er.

Die Waffen klirren (I)

 

Die Waffen klirren (II)

Die Waffen klirren (III)

Die Waffen klirren (IV)

Die Waffen klirren (V)

Die Waffen klirren (VI)

Krieg und Okkupation (I)

Krieg und Okkupation (II)

Krieg und Okkupation (III)

Krieg und Okkupation (IV)

Krieg und Okkupation (V)

Krieg und Okkupation (VI)

Die Doku blendet einen zentralen Teil der Vorgeschichte des Kriegs aus: Die fortgesetzten Nadelstiche Israels gegen die syrischen Truppen am Golan, die die Syrer zum  Angriff verleiten sollten, wie israelische Generäle im Nachhinein freimütig zugaben.**

– Schlesinger

* Vgl. Arthur Herzberg, Fate of Zionism, S. X.f.

** Vgl. Tom Segev, 1967, S. 237

Dayan räumte später ein, dass 8o Prozent von ihnen [der Vorfälle an der syrischen Grenze, Anm.] durch israelische Versuche pro­voziert worden seien, Land in der entmilitarisierten Zone zu bewirtschaften — und damit unnötig.

»Es lief etwa folgendermaßen ab: Wir schickten einen Traktor, der ein bestimmtes Grundstück in der entmilitarisierten Zone um­pflügen sollte, mit dem man sonst nichts anfangen konnte, wobei wir von vornherein wussten, dass die Syrer zu schießen beginnen würden. Wenn sie nicht gleich feuerten, haben wir den Traktorfahrer angewiesen, noch ein Stück weiter zu fahren, bis die Syrer schließlich die Nerven verloren und schossen. Dann haben wir zurückgeschossen und schließlich die Luftwaffe geschickt«

Dayan beteuerte, dass die Spannungen, die Israel an der syrischen Grenze schürte, nicht einem strategischen Konzept geschuldet gewesen seien, sondern der Tatsache, dass Israel den Waffenstillstand nicht ernst nahm.

»Wir dachten damals, und daran glaubten wir eine ganze Weile, dass wir die Waffenstill­standslinie durch Militäraktionen unterhalb der Schwelle zum Krieg verschie­ben könnten. Also bestimmte Gebiete besetzen und daran festhalten, bis der Gegner sie aufgab und uns überließ.«

Dies könne man als »eine gewisse Nai­vität bezeichnen«, aber man müsse auch bedenken, dass der Staat damals noch nicht lange existierte.

»Wir haben die Waffenstillstandslinie jedenfalls nur als vorübergehend betrachtet.«

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  The immediate experience of the Al-Aqsa Intifada has universalized Arab and Muslim powerlessness and exasperation to a degree never before as magnified as it is now. The Western media hasn't at all conveyed the crushing pain and humiliation imposed on Palestinians by Israel's collective punishment, its house demolitions, its invasions of Palestinian areas, its air bombings and killings, as have the nightly broadcasts by Al¬Jazeera satellite television, or admirable daily reporting in Ha'aretz by the Israeli journalist Amira Hass and commentators like her.

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