Zionismus ist in. Judaismus ist in. Und Gott mit uns!

facebooktwittergoogle_plusredditpinterestlinkedinmail

Der Gaza-Krieg hatte eine Hymne. Wußten Sie das?

Die Hymne stammt von dem israelischen Künstler Mosh Ben-Ari. Das Motto des Lieds kommt aus der Bibel, Psalm 121:

Meine Hilfe ist von Gott
Schöpfer des Himmels und der Erde
Er wird nicht zulassen, dass dein Fuß wankt
Dein Wächter wird nicht schlummern
Denn seht, weder schlummert noch schläft Er
der Wächter Israels.

So cool kann Chauvinismus sein

Mosh Ben-Ari: Die Hymne zum Krieg

Caroline Glick, reaktionäre Publizistin, ehemalige Beraterin von Ministerpräsident Netanjahu und Mitherausgeberin der konservativen Jerusalem Post, posaunte unlängst mit viel Stolz, das Lied von Ben-Ari sei die “inoffizielle Nationahymne der Operation Gegossenes Blei*” gewesen. Das habe den sehr cool aussehenden Dreadlock-Träger Ben-Ari zum “Superstar” in Israel gemacht.

Glick erinnert den Leser an die unseligen 90er-Jahre. Damals habe der Post-Zionismus um sich gegriffen. “Radikale” wie Yossi Beilin oder Avraham Burg oder Shulamit Aloni hätten die politische Debatte bestimmt. Und diese Debatte sei defätistisch gewesen, pro-palästinensisch, verträumt, unrealistisch, kurzum: gegen Israel gerichtet.

Wie man die Beilins, Burgs oder Shulamits  als Radikale bezeichnen kann, bleibt ein Geheimnis von NeoCons wie Glick, die im Übrigen auch kein Problem damit hat, ihre Scheuklappen-Ideologie offen zum Ausdruck zu bringen.**

Sie folgt dem Motto “Wenn die historischen Tatsachen nicht mit meiner Ideologie übereinstimmen – umso schlimmer für die Tatsachen!” Denn eine Mitschuld an der Misere der Neunziger hätten die sogenannten “jungen Historiker” gehabt. Die hätten in den Unterlagen des Staatsgründers David Ben-Gurion “herumgeschnüffelt”, um nachzuweisen, dass er “Dreck am Stecken” oder “Leichen im Keller” habe.

Diese Formulierungen lassen jeden erschauern, der an den historischen Tatsachen interessiert ist. Frau Glick duldet Historiker nur so lange, wie sie die schönen Propaganda-Geschichten vom ewigen kleinen David gegen den ewig niederträchtigen arabischen Goliath liefern. Diese Geschichten hat Israel der Welt über Jahrzehnte mit einigem Erfolg präsentiert.

Nur: Außerhalb Israels mag man diese Geschichten vom kleinen David kaum mehr glauben. Dort liest man die Bücher der “jungen Historiker”, der Pappes, Zerthals, Segevs. Dort sieht man die Besatzung der arabischen Westbank und stellt mit Ernüchterung fest, wie die Worte der Zionisten mit ihren Taten übereinstimmen. Vom Jahr der Staatsgründung 1948 bis heute. Dort nimmt man zur Kenntnis, wie Menschenrechtsorganisationen in Israel zunehmend unter Druck geraten. Dort registriert man, dass es verboten ist, der Vertreibung der Palästinenser in 1948/1967 zu gedenken.

Es steht in der Torah:
Wir müssen sie vertreiben, jetzt und für immer
(ein Siedler in der folgenden Doku)

In Israel dagegen werden die Reihen geschlossen. Dort hat man aus dem Scheitern der Verhandlungen von Camp David im Jahr 2000 den ungerechtfertigten Schluß gezogen, man habe den Palästinensern alles geboten aber außer Terror nichts bekommen.***

Endlich sei man aus den Tagträumerein des Oslo-Prozesses erwacht. Oslo sei der Wahn  zugrunde gelegen, man würde Frieden erhalten, indem man “Terroristen politisch anerkenne, ihnen Land, Geld und Gewehre” gebe.

Reaktion als kultureller Erfolg

Damit aber sei nun Schluß. Seit langem. Dieser neue, starke Realismus ist Glick zufolge der bedeutsamste kulturelle Wandel Israels im letzten Jahrzehnt. Zionismus sei wieder in. Judaismus sei wieder in. Israel sei endlich erwachsen geworden.

Dieser Wandel sei der Welt entgangen. Daher versteht die Welt auch nicht, warum alle Versuche Israel zu Konzessionen gegenüber den Palästinensern zu bewegen zum Scheitern verurteilt sind. Diese Kritiker Israels, die nach Auffassung Glicks lediglich anti-israelische Propaganda betreiben, bräuchten doch nur das Naheliegende sehen, wenn sie verstehen wollen: Netanjahus Verbleiben im Amt, die Bezugslosigkeit der Linken zur Öffentlichkeit und Mosh Ben-Aris Hymne “Meine Hilfe ist von Gott”.

Zur Erinnerung: Die Inschrift der Koppelschlösser der deutschen Wehrmacht lautete  “Gott mit uns”.

Sind das die gemeinsamen deutsch-jüdischen Wurzeln, von denen in letzter Zeit so viel die Rede war?

– Schlesinger

Photo: Nir Nußbaum (Flickr CC Lizenz)

* Auf engl. Cast Lead

** Yossi Beilin: früher Labour-Party, heute Meretz, Knesset-Mitglied in 5 Legislaturperioden,  u.a. früherer Finanzminister,  stellvertretender Außenminister, stark involviert im Oslo-Prozess und Mitbegründer der “Genfer Initiative”

Avraham Burg: Labour-Party, Knesset-Mitglied über 4 Legislaturperioden, langjähriger Sprecher der Knesset, ehem. Vorsitzender der Jewish Agency; Autor mehrerer Bücher, u.a. The Holocaust Is Over: We Must Rise From its Ashes

Shulamit Aloni: Labour-Party, Meretz, Knesset-Mitglied über 7 Legislaturperioden, u.a. ehem. Erziehungsministerin, aktiv im Friedenscamp

*** Das “Angebot” Israels an die Palästinenser in Camp David mochte bezogen auf die in Aussicht gestellten territorialen Zugeständnisse großzügig ausgesehen haben, doch unterm Strich ging es Jerusalem darum, einen maximalen Einfluss auf die palästinensischen Gebiete zu behalten. Prof. Jeff Halper hat diese israelische Strategie zurecht verglichen mit dem chinesischen GO-Spiel: Dort gehe es auch nicht darum, den Gegner zu “schlagen”, sondern ihn durch geschickte eigene Züge zur Bewegungsunfähigkeit zu bringen (“matrix of control“). Arafat wurde durch Bill Clinton zur Teilnahme an Camp David genötigt, obwohl dem Palästinenserpräsidenten klar war, dass Israel mit nicht akzeptablen Vorbedingungen anreiste. Entgegen den mündlichen Zusicherungen Clintons, man werde ein Scheitern der Verhandlungen nicht den Palästinensern ankreiden, wurden sich Clinton und Barak schnell einig, wer schuld an der Misere war.

Enhanced by Zemanta
Getagged mit: , , , , , , , , ,
Veröffentlicht unter David Ben Gurion, Gründung Israel, Holocaust, IDF, Israel, Jerusalem, Jerusalem Post, Knesset, Medien, Naher und Mittlerer Osten, Netanjahu, Siedlungen, Westbank, Zionismus

Israel - Zitat des Tages

 Noch schwerer ist die politische Arbeit unter den Arabern, den tatsächlichen Bewohnern des Landes. Sie fürchten, dass die jüdische Ansiedlung sie aus dem Land vertreiben wird, und wir haben die Pflicht, ihnen klar zu machen, dass das Land für uns wie für sie Platz hat. Man muss ihnen klar machen, dass wir mit ihnen zusammen leben wollen.

Chaim Weizmann
(Erster Staatspräsident Israels. Zur "Araberfrage" im Zuge der jüdischen Besiedlung Palästinas, 1913)

Presseschau Naher Osten (englisch)

Andere Nahost-Blogs

Was andere Blogs schreiben

Archiv